2026 feiert die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung ihr 35-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1991 begleitet sie die demokratische Entwicklung im Freistaat Sachsen: mit Publikationen, Veranstaltungen, Ausstellungen, Bildungsangeboten, Dialogformaten und digitalen Angeboten – überparteilich, offen für unterschiedliche Perspektiven und mit dem Anspruch, politische Bildung für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Unser Jubiläum erzählt auch davon, wie politische Bildung auf Veränderungen reagiert: auf neue Themen, neue Formen der Öffentlichkeit und neue Fragen an Demokratie und Zusammenleben. Geblieben ist der Anspruch, Orientierung zu geben, Wissen zu vermitteln und Räume für demokratische Auseinandersetzung zu schaffen.

35 Jahre SLpB - Rückblick nach Jahren

Die ersten Jahre der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung waren Aufbaujahre — nicht nur für die Institution selbst, sondern für den Freistaat Sachsen insgesamt. Nach Friedlicher Revolution, deutscher Einheit und der Wiedergründung des Landes Sachsen entstanden neue demokratische Strukturen, Verwaltungen und öffentliche Institutionen. In dieser Zeit nahm auch die SLpB ihre Arbeit auf: zunächst unter provisorischen Bedingungen, bald darauf auf dem Gelände des Schützenhofs in Dresden-Trachau. Mit ersten Publikationen, Veranstaltungen und Formaten wie „Politik auf dem Marktplatz“ entwickelte sie ihr Profil: politische Bildung sollte informieren, Orientierung geben und Menschen miteinander ins Gespräch bringen.

Mitte der 1990er Jahre ging es in Sachsen zunehmend darum, demokratische Strukturen mit Leben zu füllen und Erfahrungen aus Ost und West miteinander ins Gespräch zu bringen. Die „Tage der Begegnung“ zwischen Sachsen und Baden-Württemberg, Wettbewerbe, Publikationen und Veranstaltungen griffen Fragen von Demokratie, Erinnerungskultur und gesellschaftlichem Zusammenhalt auf. Zugleich gewann die Landeszentrale selbst an Kontur: Das Hauptgebäude am Schützenhof wurde eröffnet, Strukturen wurden gefestigt und das Angebot Schritt für Schritt ausgebaut.

In den späten 1990er Jahren hatten sich viele neue Institutionen etabliert, zugleich veränderten sich Öffentlichkeit und politische Kommunikation. Bürgernähe, Beteiligung und neue Informationswege wurden wichtiger. Die SLpB öffnete sich weiter für die Öffentlichkeit: Die Bibliothek wurde eröffnet, der „Tag der Sachsen“ und der erste „Tag der offenen Tür“ brachten politische Bildung zu vielen Bürgerinnen und Bürgern. Schülerwettbewerbe, Partnerkonferenzen und Veranstaltungen zur Erinnerung an die Öffnung der innerdeutschen Grenze zeigten die thematische Breite der Arbeit. 1999 ging die Landeszentrale schließlich online — ein erster Schritt in die digitale politische Bildung.

Zu Beginn der 2000er Jahre rückten neue gesellschaftliche Fragen stärker in den Mittelpunkt politischer Bildung. Debatten über Globalisierung, Nachhaltigkeit und internationale Verantwortung prägten die Zeit ebenso wie die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und demokratiefeindlichen Einstellungen. Die SLpB griff diese Themen mit Partnerkonferenzen, Ausstellungen und Bildungsangeboten auf. Zugleich blieb die Erinnerungskultur ein wichtiger Schwerpunkt — etwa mit der Wanderausstellung „Juden in Sachsen“. 2001 feierte die Landeszentrale ihr zehnjähriges Bestehen, 2002 wurden die Online-Informationsangebote weiter ausgebaut.

Die Jahre 2003 bis 2005 zeigen, wie sich politische Bildung weiter ausdifferenzierte. Fragen von Migration, Vorurteilen und gesellschaftlicher Vielfalt wurden ebenso aufgegriffen wie neue Formen demokratischer Beteiligung. Zur Landtagswahl 2004 begleitete die SLpB erstmals einen sächsischen Wahl-O-Mat; zugleich entstanden Seminare zur Elternmitwirkung als Beitrag zur demokratischen Beteiligung im Schulalltag. Auch digital stellte sich die Landeszentrale neu auf: Nach einem überarbeiteten Erscheinungsbild folgten 2005 der Relaunch der Website und der Start einer Veranstaltungsdatenbank.

In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts suchte die SLpB verstärkt nach neuen Wegen, Menschen zu erreichen. Angebote für Seniorinnen und Senioren, Familien, Kinder und politisch schwerer erreichbare Zielgruppen zeigten, dass politische Bildung nicht nur in Seminarräumen stattfinden muss. Gleichzeitig griff die Landeszentrale große Wissens- und Zukunftsfragen auf: von der genetischen Verwandtschaft der Menschen bis zum Klimawandel. Damit verband sie politische Bildung mit Wissenschaft, Alltagserfahrungen und gesellschaftlichen Debatten über die Zukunft.

Das Jahr 2009 stand im Zeichen eines „Superwahljahres“. Die SLpB begleitete die Wahlen mit Online-Angeboten, Materialien und Veranstaltungen und brachte politische Bildung mit dem mobilen Dialogangebot „Klappe auf!“ direkt zu den Menschen. Frank Richter übernahm von Dr. Wolf-Dieter Legall die Leitung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. 2010 kommt mit Facebook und Online-Dialogen der Schritt in soziale Medien hinzu; zugleich wird das neue Bücherzentrum vorbereitet. 2011 öffnet das Bücherzentrum, und mit Formaten wie „Wir reden uns um Kopf und Kragen“ und „Politisch erwachsen?“ wird politische Bildung dialogischer und streitbarer.

2012 startet „Politische Orte in Sachsen“, dazu kommen Newsletter und Jahresbericht als neue Formen der Transparenz. 2013 wird der Bibliotheksbestand zur Ausleihe geöffnet, und mit dem Buchprojekt um Henriette Kretz bleibt Erinnerungskultur zentral. 2014 verbindet der Comic „Herbst der Entscheidung“ die Friedliche Revolution mit neuen Vermittlungsformen und mit „Kommune im Dialog“ startet ein neues Beteiligungsprojekt in sächsischen Gemeinden.

2015 steht sichtbar im Zeichen gesellschaftlicher Polarisierung, der Pegida-Debatten und der Frage, wie politische Bildung in aufgeheizten Situationen Gesprächsräume schaffen kann. 2016 folgt mit „Lasst uns streiten!“ ein moderierter Online-Dialog; außerdem wird die Webvideo-Reihe „Donnerstagsgespräche“ fortgeführt. 2017 diskutiert die SLpB mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über offene Debatte, Demokratie und Streit — und Dr. Roland Löffler übernimmt die Leitung des Hauses.

Zum Ende des Jahrzehnts verband die SLpB historische Bildung, aktuelle Kontroversen und neue Beteiligungsformate. Die Publikation „NS-Terror und Verfolgung in Sachsen“ fand große Resonanz und machte deutlich, wie wichtig regionale Erinnerungskultur bleibt. Mit „Schule im Dialog Sachsen“, dem Erklärvideo-Wettbewerb und „Kontrovers vor Ort“ entstanden neue Zugänge für junge Menschen, Schulen und Bürgerinnen und Bürger in den Landkreisen. 2019 begleiteten Wahlforen in ganz Sachsen die Landtagswahl und boten Raum für direkte Begegnung zwischen Wählenden und Kandidierenden. 2020 stellte die Corona-Pandemie auch die politische Bildung vor neue Fragen: Veranstaltungen wurden digital, Debatten über Freiheit, Gesundheit, Grundrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt rückten in den Mittelpunkt. Die SLpB reagierte unter anderem mit Online-Formaten, einem E-Mail-Newsletter und der Buchaktion „Zeit zum Lesen!?“.

Nach dem 30-jährigen Jubiläum 2021 führte der Weg der SLpB zurück in eine veränderte Gegenwart. Die Corona-Zeit hatte politische Bildung digitaler gemacht, der russische Angriff auf die Ukraine rückte Krieg, Sicherheit und europäische Verantwortung neu in den Mittelpunkt. Zugleich blieb die Frage, wie demokratischer Austausch in angespannten Zeiten gelingen kann.

2024 war für die SLpB eines der intensivsten Jahre ihrer Geschichte. Kommunal-, Europa- und Landtagswahl sorgten für großen Informationsbedarf. Mit Wahlforen, Wahl-O-Mat, Kandidierenden-Check, Publikationen und Schulangeboten bot die Landeszentrale Orientierung, online und vor Ort. Im Jahr 2025 rückte dann Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt in den Mittelpunkt. Das Projektbüro Chemnitz stärkte die politische Bildung in Westsachsen und machte europäische Themen, Begegnungen und Debatten sichtbar. Zugleich griff die SLpB mit Angeboten zu 80 Jahren Kriegsende und 35 Jahren Deutscher Einheit zentrale historische Fragen der Gegenwart auf.