Als am 7. Februar 1992 Helmut Kohl, François Mitterrand und zehn weitere Staats- und Regierungschefs im niederländischen Maastricht zusammenkamen, wurde die beschauliche Grenzstadt schlagartig zum Schauplatz der europäischen Einigung. Denn an diesem Tag wurde dort der Vertrag über die Europäische Union – oder eben: Vertrag von Maastricht – unterzeichnet, der damit an die Stelle der 1957 geschlossenen Römischen Verträge trat. Geradezu berauscht von den historischen Umbrüchen der damaligen Zeit hatten sich die europäischen Mitgliedstaaten darauf geeinigt, in Zukunft über eine einfache wirtschaftliche Zusammenarbeit hinauszugehen und diese auf das Politische auszudehnen.

Aus heutiger Sicht lässt sich der Vertrag als ein gewaltiger Schritt hin zur „Verwirklichung einer immer engeren Union der Völker Europas“ bezeichnen. Mit dem Vertrag von Maastricht wurde die Europäische Union gegründet, kam die Unionsbürgerschaft, wurde das Europäische Parlament strategisch gestärkt und bekamen Regionen erstmals ihre eigene Stimme in Brüssel. Zudem schuf der Vertrag europäische Zuständigkeiten in Außen-, Justiz- und Innenpolitik. Doch auch viele der Krisen und Schlagzeilen von heute können auf (Fehl-)Entscheidungen von damals zurückgeführt werden. Maastricht war also beispiellos folgenschwer – und kann dazu beitragen, die Gegenwart und Zukunft der Europäischen Union zu verstehen.

Anlässlich des nun anstehenden 30. Jahrestages der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht legt das Zentrum für Internationale Studien gemeinsam mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Institut für Internationales Recht, Geistiges Eigentum und Technikrecht der TU Dresden den Fokus auf die gegenwärtige Lage der Europäischen Union und diskutiert mit Expertinnen und Experten die rechtlichen und politischen Herausforderungen, denen sich der Staatenverbund in den kommenden drei Jahrzehnten stellen muss.