Nach Gerichtsbeschluss in Russland: Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakowa zu Gast in Sachsen

Die Historikerin und Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakowa stellt ihr neues Buch vor und spricht vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in Russland über Geschichtsaufarbeitung und autoritäre Tendenzen.

Die gestern bekannt gewordene Entscheidung eines russischen Gerichts, die international bekannte Menschenrechtsbewegung Memorial als „extremistisch“ einzustufen und ihre Tätigkeit zu verbieten, stößt international auf Kritik. Vor diesem Hintergrund gewinnt die bevorstehende Veranstaltungsreihe der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung mit der Historikerin und Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakowa zusätzliche Aktualität.

Memorial hat über Jahrzehnte hinweg einen zentralen Beitrag zur Aufarbeitung des stalinistischen Terrors geleistet und wurde 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die aktuelle Entscheidung der russischen Justiz richtet sich gegen diese Form unabhängiger Geschichts- und Menschenrechtsarbeit und verschärft den Druck auf zivilgesellschaftliche Akteure weiter.

„Die Einstufung von Memorial als extremistisch erschüttert und widerspricht allem, wofür diese Organisation seit Jahrzehnten steht“, erklärt Dr. Roland Löffler, Direktor der SLpB. „Wir verstehen diesen Schritt als Einschüchterungsversuch gegenüber allen, die sich für Aufarbeitung, Menschenrechte und eine offene Gesellschaft einsetzen. Zugleich zeigt er, wie wichtig es ist, Räume für freie Debatten und kritische Geschichtsarbeit zu verteidigen.“

Die Veranstaltungsreihe mit Irina Scherbakowa gewinnt in der aktuellen Situation an Relevanz: „Gerade jetzt betrachten wir diese Veranstaltungen als besonders bedeutsam. Sie stehen für Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit und machen deutlich, welchen Wert unabhängige historische Forschung für demokratische Gesellschaften hat“, so Löffler weiter.

In ihrem neuen Buch „Der Schlüssel würde noch passen“ blickt Scherbakowa auf die politischen Umbrüche seit der Perestroika und analysiert die Entwicklung Russlands hin zu einem autoritären System vor dem Hintergrund der sowjetischen Repressionsgeschichte. Zugleich richtet die Reihe den Blick auf gegenwärtige Herausforderungen für demokratische Gesellschaften und die Frage, wie autoritären Tendenzen begegnet werden kann: „Es muss in der Zivilgesellschaft Bemühungen geben, sich dagegen aufzulehnen. Und die Gefahr muss ernst genommen werden“, sagt Scherbakowa im Interview mit der SLpB.

Die Veranstaltungen werden von der Journalistin und Russlandexpertin Gemma Pörzgen moderiert.

Unsere Veranstaltungen:
24. April 2026, 18 Uhr, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung Dresden
27. April 2026, 18 Uhr, Hartmannfabrik Chemnitz
28. April 2026, 18 Uhr, Gasometer Zwickau

Hinweis für Medienvertreterinnen und Medienvertreter:
Für eine bessere Organisation wird um Anmeldung im Vorfeld gebeten. Bitte richten Sie ihre Anmeldung bis zum 23. April an

Interviewanfragen koordinieren wir gern auf Anfrage.

Pressekontakt:
Thomas Platz, 0351 85318 21, thomas.platz(at)slpb.sachsen(dot)de
Anton Zuschke, 0351 85318 30, anton.zuschke(at)slpb.sachsen(dot)de.

Inhaltlich Verantwortlich:
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