„Der Schlüssel würde noch passen“ - Die russische Nobelpreisträgerin Irina Scherbakowa (Memorial) stellt ihr neues Buch vor
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Kleine Biergasse 3
08056 Zwickau
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In ihrem autobiografischen Buch teilt die russische Oppositionelle Irina Scherbakowa ihre Erinnerungen an das Leben in Russland nach der Perestroika. Die Mitbegründerin der Menschenrechts-Organisation Memorial, die 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, verwebt dabei eigene Erfahrungen und gesellschaftliche Betrachtungen eng mit der russischen Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts. Ihr Thema ist dabei ihre bis heute andauernde, aktive politische Tätigkeit, ihr Kampf gegen Staatsterror und für die Aufarbeitung des Stalinismus.
Scherbakowa berichtet vom Alltag und vom politischen Aufbruch in Russland zu Beginn der 1990er Jahre und schildert anschaulich die neue Freiheit und Selbstbestimmtheit der Menschen bis zu ihrem unerwarteten Ende und dem Abgleiten in die Diktatur. Memorial International wurde 2021 liquidiert und Irina Scherbakowa flüchtete, wie viele andere Hoffnungsträger des Landes, ins Exil. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Tel Aviv und Berlin.
Auf die Frage nach der Hoffnungen, noch ein anderes Russland zu erleben, eines Tages wieder in Ihre Heimat zurückkehren, antwortet Irina Scherbakowa im Gespräch mit der SLpB: “Die Hoffnung ist da, solange ein Mensch lebt. Aber in dieses Land will ich nicht zurück. Nur wenn es wirkliche Veränderungen gibt. Und ehrlich gesagt bin ich ziemlich pessimistisch, dass ich das noch erleben werde. Aber es gibt in der Geschichte auch immer wieder Wendepunkte.”
Mit ihrem Buch ist die Autorin, moderiert von Journalistin und Russland-Spezialistin Gemma Pörzgen, drei Tage lang Gast der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden, Chemnitz und Zwickau und gibt Gelegenheit zu Austausch und Gespräch:
24. April 2026, 18 Uhr, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung Dresden
27. April 2026, 18 Uhr, Hartmannfabrik Chemnitz
28. April 2026, 18 Uhr, Gasometer Zwickau
Die Menschenrechtsorganisation Memorial wurde 1989 in der Sowjetunion gegründet. Ziel war die Aufarbeitung der stalinistischen Verbrechen. Getragen durch viele Freiwillige legte Memorial Archive und Gedenkstätten an, betreute Überlebende und sensibilisierte mit einem landesweiten Geschichtswettbewerb Zehntausende Menschen. Zuletzt dokumentierte die Organisation auch Menschenrechtsverstöße im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. 2022 wurde Memorial gemeinsam mit Preisträgern aus der Ukraine und Belarus für ihre Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Bereits 2015 wurde Memorial, wie viele andere Vereine, Initiativen und Medien, in Russland kriminalisiert und als „unerwünschte Organisation“ eingestuft. Am 9. April 2026 folgte das Verboten und die Einstufung als "extremistisch". Damit stehen Kontakt und Unterstützung von Memorial für Menschen mit russischer Staatsangehörigkeit unter Strafe. Das gilt auch für die Zweigstellen von Memorial in Deutschland und anderen europäischen Ländern.
Die Plätze sind begrenzt. Wir freuen uns über Ihre Online-Anmeldung, die auch bis kurz vor der Veranstaltung möglich ist. Ebenso können Sie kurz entschlossen die Veranstaltung besuchen und sich am Einlass anmelden.
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Kleine Biergasse 3
08056 Zwickau
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