Länderchefs sollen Verfassungsgebende Versammlung einberufen
Vom 20. April bis 2. Juni 1948 tagten in London Vertreter der drei westlichen Alliierten und der Benelux-Staaten. Das Ergebnis dieser Sechsmächte-Konferenz waren die "Londoner Empfehlungen", die die Weichen für einen westdeutschen Teilstaat stellten. Unmittelbar nach Beginn der sowjetischen Blockade Berlins (Berlinblockade), übergaben die drei westlichen Militärgouverneure am 1. Juli 1948 in Frankfurt am Main den neun Ministerpräsidenten und zwei Bürgermeistern der Stadtstaaten Hamburg und Bremen – den elf höchsten politischen Repräsentanten der Westdeutschen – die "Frankfurter Dokumente".
Die Frankfurter Dokumente waren eine Anweisung der Alliierten an die Länderchefs. Sie forderten von den westdeutschen Ministerpräsidenten, eine Verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Ziel sollte die Gründung eines demokratischen und föderalen Staates mit einer angemessenen Zentralinstanz sein. Außerdem wurden die Festlegung der Grenzen und die Einrichtung eines Besatzungsstatuts von den westlichen Besatzungsmächten wie auch eine Garantie der individuellen Freiheitsrechte verlangt. Schließlich sollte die Verfassung von den Militärgouverneuren genehmigt und "zur Ratifizierung durch ein Referendum in den beteiligten Ländern" in Kraft gesetzt werden.
Ende des alliierten Kriegsrecht wird eingeleitet
Die Frankfurter Dokumente bildeten die Grundlage auf dem Weg zur westdeutschen Teilsouveränität, sie leiteten das Ende des alliierten Kriegsrechts in Westdeutschland ein. Nach mehr als drei Jahren der Besatzung sollten deutsche Politiker erstmals länderübergreifende Verantwortung für das von ihnen vertretene Volk übernehmen und eine neue Verfassung nach demokratischen Vorgaben ausarbeiten.
Weitere Informationen
- Benz, Wolfgang: Auftrag Demokratie. Die Gründungsgeschichte der Bundesrepublik und die Entstehung der DDR 1945-1949. Bonn, 2010. (Erhältlich bei der Bundeszentrale für politische Bildung)
- Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Informationen zur politischen Bildung, Heft 259 (2005): Deutschland 1945-1949.
- Detjen, Marion/ Detjen, Stephan/ Steinbeis Maximilian: Die Deutschen und das Grundgesetz. Geschichte und Grenzen unserer Verfassung, München 2009.
- Feldkamp, Michael F.: Der Parlamentarische Rat und das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland 1948 bis 1949: Option für die europäische Integration und die Deutsche Einheit, Berlin 2008.
- Maron, Wolfgang; Plöger, Juliane: Deutschland seit 1945. Eine illustrierte Geschichte der Gegenwart (zweisprachig: deutsch-englisch). Münster, 2016. (Erhältlich bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung)
- Pötzsch, Horst: Deutsche Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart. Die Entwicklung der beiden deutschen Staaten und das vereinigte Deutschland. München 2010. (Erhältlich bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung)
- Wengst, Udo; Wentker, Hermann: Das doppelte Deutschland. 40 Jahre Systemkonkurrenz. Berlin, 2008. (Erhältlich bei der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung)
- Wolle, Stephan: Die DDR. Eine Geschichte von der Gründung bis zum Untergang. Bonn, 2015. (Erhältlich bei der Bundeszentrale für politische Bildung)
- www.bpb.de/themen/CN4PV2,0,0,Parlamentarischer_Rat.html Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Grundgesetz und Parlamentarischer Rat
- https://www.hdg.de/lemo/kapitel/nachkriegsjahre Seiten des Deutschen Historischen Museums zur Entstehung des Weststaats enthalten u.a. den Wortlaut der Frankfurter Dokumente sowie Wochenschau-Aufnahmen
- www.parlamentarischerrat.de Historische Fotografien von Erna Wagner-Hehmke zum Parlamentarischen Rat und Biografien der Abgeordneten.
- www.documentarchiv.de/brd.html Historische Dokumenten- und Quellensammlung zur deutschen Geschichte ab 1800, dort findet man u.a. das Grundgesetz von 1949 in der Urfassung vom 23. Mai 1949
- www.bundestag.de/grundgesetz Hier findet man das Grundgesetz in der aktuellen Fassung