Einfache und brutale Ideologie

Der Nationalsozialismus war durch eine einfache, aber brutale Ideologie gekennzeichnet: Die Interessen von Staat und Nation wurden über jedwedes individuelles Interesse gestellt. Die ideologische Zusammenführung der beiden großen Bewegungen des 19. Jahrhunderts, des Nationalismus und des Sozialismus, war ein geschickter politischer Strategieansatz.

Die Definition der nationalen Interessen wurde aus einem rassistischen Weltbild abgeleitet: Eine angebliche germanische oder nordische „Rasse“ mit der deutschen Nation an der Spitze habe das Recht, sich angemessenen Lebensraum auch auf Kosten anderer Nationen oder „Rassen“ zu sichern. Hierbei müsse die nordische „Rasse“ auf „rassische Reinheit“ achten. Juden wurden in diesem Zusammenhang ebenfalls als „Rasse“ und nicht als Glaubensgemeinschaft definiert. Das Recht des Stärkeren dürfe und müsse deshalb gegen alle als „minderwertig“ definierten deutschen Volksteile und Völker mit aller Konsequenz durchgesetzt werden.

Diese fanatische Weltsicht blieb bis zum Untergang des Dritten Reiches das Leitmotiv der NS-Politik. Nur so ist es erklärbar, dass während des Zweiten Weltkriegs mit riesigem Aufwand an Personal, Material und Transportkapazitäten die systematische Ermordung von Juden, Sinti und Roma, Behinderten, Homosexuellen und anderen Minderheiten vonstatten ging.

Nach nationalsozialistischem Verständnis kämpfte man im Osten gegen „Untermenschen“, im Westen gegen ganz oder halbwegs rassisch „gleichwertige“ Nationen.

Weitere Informationen

  • Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, Frankfurt/Main 2005.
  • Wolfgang Benz: Die 101 wichtigsten Fragen. Das Dritte Reich, München 2008.
  • Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Aufstieg: Band I, Frankfurt/Main 2004.
  • Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Diktatur:Band II, Frankfurt/Main 2007.
  • Richard J. Evans: Das Dritte Reich, Krieg: Band III, Frankfurt/Main 2009.
  • Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden, München 2007.
  • Isabel Heinemann: „Rasse, Siedlung, deutsches Blut.“ Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas, 2. Auflage, Göttingen 2003.
  • Ernst Piper: Kurze Geschichte des Nationalsozialismus von 1919 bis heute, Hamburg 2007.
  • Dietmar Süß/Winfried Süß (Hrsg.): Das „Dritte Reich“. Eine Einführung, München 2008.

1933

  • 28.01. Reichskanzler von Schleicher tritt zurück
  • 30.01. Reichspräsident von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler
  • 27.02. Reichstagsbrand
  • 28.02. Verordnung des Reichspräsidenten zum „Schutz von Volk und Staat“
  • 20.03. Errichtung des Konzentrationslagers Dachau bei München
  • 21.03. Tag von Potsdam
  • 23.03. „Ermächtigungsgesetz“ im Reichstag verabschiedet
  • 07.04. „Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“
  • 10.05. Bücherverbrennungen
  • Juni/Juli Selbstauflösung der politischen Parteien
  • 14.07. Gesetz zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“; besonders 1940 und 1941 werden über 70.000 psychisch Kranke und Behinderte umgebracht
  • 20.07. Reichskonkordat mit dem Heiligen Stuhl unterzeichnet
  • 14.10. Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund

1934

  • 26.01. Deutsch-polnischer Nichtangriffspakt
  • 30.06. Sogenannter „Röhmputsch“; Ermordnung u.a. Ernst Röhms (SA-Stabschef), von Schleichers
  • 25.07. Ermordnung des österreichischen Kanzlers Dollfuß
  • 02.08. Tod des Reichspräsidenten von Hindenburg

1935

  • 16.03. Einführung der allgemeinen Wehrpflicht
  • 15.09. „Nürnberger Gesetze“ werden verkündet; gesetzliche Fixierung zur rassistischen Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Deutscher, u.a. wird Juden die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen

1936

  • 07.03. Einmarsch deutscher Truppen in das entmilitarisierte Rheinland
  • 25.11. „Antikominternpakt“ zwischen Deutschland und Japan

1937

  • 05.11. „Hoßbach-Protokoll“ enthält Forderung Hitlers, Österreich und Tschechoslowakei zu annektieren

1938

  • 04.02. Hitler übernimmt den Oberbefehl über die Wehrmacht
  • 12.03. Einmarsch der Wehrmacht in Österreich, sogennanter „Anschluss“
  • 20.05. Erste Sudetenkrise und Mobilmachung der Tschechoslowakei
  • 29.09. Müchener Konferenz (D, F, GB, I) beschließt Abtretung der Sudetengebiete an das Deutsche Reich
  • 09.11. Judenpogrom („Reichskristallnacht“) führt zur organisierten Zerstörung von Synagogen und zur Verschleppung von etwa 30.000 männlichen Juden in Konzentrationslager

1939

  • 15.03. Einmarsch deutscher Truppen in die Rest-Tschechoslowakei
  • 16.03. Bildung des „Reichsprotektorates Böhmen und Mähren“
  • 23.03. Slowakei stellt sich unter den Schutz des Deutschen Reiches; Einmarsch in das Memelgebiet
  • 22.05. Freundschafts- und Bündnispakt mit Italien („Stahlpakt“)
  • 23.08. Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt („Hitler-Stalin-Pakt“)
  • 01.09. Deutscher Angriff auf Polen; Beginn des Zweiten Weltkrieges
  • 03.09. Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an Deutschland
  • Oktober/November Verträge Deutschlands mit Sowjetunion, baltischen Staaten, Italien über die Rücksiedlung „Volksdeutscher“

1940

  • 09.04. Deutsche Besetzung Dänemarks und Angriff auf Norwegen („Weserübung“)
  • 10.05. Deutscher Angriff auf Belgien, Niederlande, Luxemburg, Frankreich
  • 22.06. Waffenstillstand von Compiègne; Teilung Frankreichs in besetztes Gebiet und „Vichy“-Gebiet (unter Marschall Pétain)
  • 27.09. Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Japan, Italien

1941

  • 22.06. Deutscher Angriff auf die Sowjetunion
  • November Einrichtung eines Konzentrationslagers vor allem für Juden in Theresienstadt durch die SS
  • 11.12. Kriegserklärung Deutschlands an die USA

1942

  • 20.01. Wannsee-Konferenz legt Maßnahmen zur „Endlösung der Judenfrage“ fest; bis Kriegsende werden über 5 Millionen europäische Juden umgebracht, davon viele in den östlichen Vernichtungslagern vergast
  • 21.05. Attentat auf den „stellvertretenden Reichsprotektor“ Reinhard Heydrich in Prag
  • 10.06. Dorf Lidice wird vernichtet und hunderte Tschechen werden umgebracht

1943

  • 31.01. Kapitulation der 6. deutschen Armee im Südkessel und am 02.02. im Nordkessel bei Stalingrad
  • 18.02. „Sportpalastrede“ des Propagandaministers Joseph Goebbels in Berlin

1944

  • 06.06. Landung („Invasion“) der Westallierten in der Normandie
  • 20.07. Attentatsversuch von Stauffenbergs auf Hitler im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ (Ostpreußen); etwa 180 Beteiligte und mehrere Tausend allgemein Verdächtigte werden in der Folgezeit hingerichtet oder erschossen

1945

  • 04.02. Konferenz von Jalta mit Churchill, Roosevelt, Stalin (bis 11.02.)
  • 30.04. Selbstmord Hitlers im „Führerbunker“ in Berlin
  • 07.05. Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Reims (Jodl/Eisenhower)
  • 08.05. Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Berlin Karlshorst (Keittel/Shukov)
  • 09.05. Inkrafttreten der Gesamtkapitulation
  • Juli-August Potsdamer Konferenz
  • 06.08. Atombombenabwurf über Hiroshima und am 09.08. Nagasaki (Japan) durch die USA
  • 02.09. Kapitulation Japans;
  • Der Zweite Weltkrieg fordert insgesamt etwa 55 Millionen Tote
  • Dem rassistischen Massenmord der Nationalsozialisten fallen über 5 Millionen Juden zum Opfer
  • 1945 und 1946 verlieren etwa 15 Millionen Deutsche ihre Heimat in den Ostgebieten und im Sudetenland durch Flucht und Vertreibung, davon kommen etwa 3 Millionen ums Leben

"Alltagsgewohnheiten zum Stolpern bringen"Reflexionen von Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg über das Kunstprojekt "Stolpersteine" von Gunter Demnig. Der Vortrag wurde gehalten am 25. November 2012 aus Anlaß der Verleihung des Erich Kästner-Preises an Gunter Demnig.