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- Fotografie: Arad, Rumänien, Dezember 1989
Ritter der Revolution: Die Fahne des Demonstranten, der zu allem entschlossen schien, ähnelte einer Lanze. Zunächst fielen keine Schüsse. - Fotografie: Arad, Rumänien, Dezember 1989
Aber später. Im Zentrum von Arad schossen Scharfschützen der Securitate von den Dachgeschossen in die Menschenmenge. Kollektive Angst, auch für uns Berichterstatter. - Fotografie: Bei Arad, Rumänien, Dezember 1989
Hilfslieferung aus der Tschechoslowakei. Nach 12 Stunden Wartezeit an der ungarisch-rumänischen Grenze, durften wir im Konvoi in Richtung Arad und Temeswar fahren. Die Solidarität weckte Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. - Fotografie: Temeswar, Rumänien, 25. Dezember 1989
Wie ein Lauffeuer verbreiten sich unter den Journalisten Nachrichten von weiteren Gräueltaten der Securitate. Auf dem Friedhof waren Leichen abgelegt. Oppositionelle präsentierten sie der Weltpresse als Opfer des Ceaușescu-Regimes. Und wir fragten uns alle, zu welchen Abscheulichkeiten der Mensch noch fähig sei. - Fotografie: Temeswar, Rumänien, 25. Dezember 1989
Eine der Leichen wurde sogar im Friedhofshaus aufgebahrt. Die entsetzlichen Bilder bleiben ein Leben lang haften. Erst Monate später – nachdem die Bilder um die Welt gegangen waren – wurde bekannt, dass es sich um Obduktionsleichen eines nahegelegenen Krankenhauses handelte. Fake News, würde man heute sagen. - Fotografie: Arad, Rumänien, Dezember 1989
Die Lage im Land war unübersichtlich. Im Bahnhof von Arad informierten sich ein Offizier und ihn umringende Reisende aus der Zeitung. Die Stimmung war sehr gespannt, aber nach und nach wurde klar, dass sich Polizei und Armee auf die Seite der Bevölkerung stellten. - Fotografie: Arad, Rumänien, Dezember 1989
Blumen zum Dank für die Besatzung eines Schützenpanzers. Nur noch die Elitetruppe der Geheimpolizei Securitate folgte zu diesem Zeitpunkt Nicolai Ceaușescu. - Fotografie: Valea Popilor bei Bukarest, Rumänien, Mai 1990
Warteschlange in der Dorfschule. Die Ältesten erinnerten sich noch vage an ihre letzte freie Wahl vor fast 70 Jahren. Sie konnten es kaum glauben, noch einmal in ihrem Leben wählen zu dürfen. - Fotografie: Bukarest, Rumänien, Mai 1990
Wie Marionetten wirkten die Wachsoldaten vor der Parteizentrale der Kommunisten in Bukarest. Sie waren wenig motiviert und ahnten wohl, dass im Inneren die alten Seilschaften neue Pläne schmiedeten.
Viertes Kapitel: Rumänien. Die unvollendete Revolution
Rumänien teilte mit DDR und ČSSR den starren Kurs der Parteiführung, eine zahlenmäßig kleine Opposition und rasant wachsender Protest auf der Straße, der das System schließlich zum Kollaps brachte. Ähnlich wie die DDR unterhielt Rumänien mit der Securitate einen riesigen Sicherheitsdienst, der die Bevölkerung einschüchterte. Im Unterschied zu den anderen Staaten des Warschauer Paktes betrieb Rumänien bis zum Ende einen neo-stalinistischen Personenkult um den seit 1965 herrschenden Conducător (Führer) Nicolae Ceaușescu.
Rumänien emanzipierte sich von der Sowjetunion und den von ihr dominierten Bündnissen Warschauer Pakt und Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, indem es der G77, dem Zusammenschluss von Entwicklungsländern beitrat. Einem drohenden Staatsbankrott nach der Ölkrise 1979 bis 1981 begegnete Rumänien mit einer rigiden Sparpolitik und dem Ausverkauf von Grundnahrungsmitteln, was Hungersnöte im Land auslöste.
Unter dem Eindruck der Umbrüche in Ungarn und Polen im Frühsommer und in der DDR, ČSSR und Bulgarien im Herbst, entzündete sich der rumänische Massenprotest im Dezember 1989 im multiethnischen Temeswar. Der Pastor László Tökés hatte sich mehrfach sowohl gegen seine Calvinistische Kirche als auch gegen die politischen Autoritäten geäußert und sollte am 15. Dezember verhaftet werden.
Einige Dutzende Gläubige verhinderten durch eine Blockade die Festnahme durch die Securitate. Die Neuigkeit vom gebrochenen Nimbus der Geheimpolizei verbreitete sich schnell und führte zu einer riesigen Menschenansammlung, die „Nieder mit Ceaușescu“, „Nieder mit der Tyrannei“ und „Freiheit“ zu skandieren begann. Auf Anweisung des Conducătors schlug das Militär die Proteste blutig, jedoch erfolglos nieder. Es kam zur Verbrüderung zwischen Soldaten und protestierenden Bürgern.
Der Versuch Ceaușescu, mit einer inszenierten Loyalitätskundgebung in der Hauptstadt mit Zehntausenden Arbeitern die Handlungsfähigkeit des Regimes per Live-Übertragung im ganzen Land zu demonstrieren, geriet zum Fiasko. Sprechchöre bezeichneten ihn als Diktator und bekundeten mit „Temeswar“-Rufen ihre Solidarität mit den dortigen Protesten. Auf die Menge wurde geschossen, woraufhin sie begann, den Palast zu attackieren.
Der Diktator versuchte zu fliehen, wurde jedoch vom Militär festgenommen und zusammen mit seiner Frau Elena am 25. Dezember vor laufender Kamera hingerichtet. Die Revolution in Rumänien trug Züge eines Bürgerkriegs zwischen Securitate, Bevölkerung und Militär mit über 1000 Todesopfern und endete mit einem Putsch. Die Front zur Nationalen Rettung unter Ilon Iliescu, einem Ziehson Ceaușescus, hielt sich, zweimal durch (umstrittene) Wahlen neu legitimiert, bis 1996 an der Macht.
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