Große Themen, starke Videos: Preisverleihung im Erklärvideo-Wettbewerb
24 Beiträge aus ganz Sachsen
Insgesamt haben 24 Beiträge von Jugendlichen im Alter von 12 bis 21 Jahren die Kriterien erfüllt und wurden in die Wertung einbezogen. Davon wurden die 15 besten Videos bei der Preisverleihung gezeigt. Die Teilnehmenden kamen aus ganz Sachsen und beteiligten sich sowohl außerschulisch als auch über verschiedene Schulen am Wettbewerb.
Die eingereichten Videos machten erneut deutlich, welche Themen die Jugendlichen aktuell beschäftigen. Die Bandbreite reichte von der E-Auto-Industrie in Europa über das Handyverbot an Schulen und Tierwohl-Siegel bis hin zu Fragen wie: Wie verändert Künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt? Welchen Einfluss haben soziale Medien auf Politik? Oder: Was hat es mit dem Wehrdienst auf sich? Der Wettbewerb zeigt, wie nah Politik und politische Bildung an den Lebenswelten junger Menschen sein können, wenn sie ihre eigenen Fragen formulieren.
„Ein aktuelles Thema aufzugreifen und dieses in drei Minuten so aufzubereiten, dass es anderen hilft, dieses Thema auch zu verstehen, ist keine triviale Aufgabe. Wer das leisten will, braucht ein umfassendes Verständnis des Themas, Mut zur Reduktion und die Fähigkeit, einen Lebensweltbezug herzustellen“, sagt Stefanie Gerstenberger von der Technischen Universität Dresden. Gemeinsam mit Anne Neuber von der Aktion Zivilcourage e. V. und Johannes Gersten vom Treibhaus e. V. Döbeln bildete sie die Jury, die die Beiträge nach inhaltlicher Qualität, Kreativität, klarer Zielsetzung sowie technischer Umsetzung bewertete.
Online, barrierefrei und mit Publikumsvoting
Ein besonderer Höhepunkt war, auch in diesem Jahr, die Publikumsabstimmung. Mehr als 200 Personen beteiligten sich am Voting und kürten den diesjährigen Publikumsliebling. Die große Resonanz zeigt, dass die Beiträge nicht nur die Jury überzeugten, sondern auch ein breites Publikum erreichten.
Zugleich wurde bei der Online-Preisverleihung auf Barrierefreiheit geachtet: Gebärdendolmetscherinnen und Gebärdendolmetscher begleiteten die Veranstaltung und die Wettbewerbsbeiträge selbst leisteten einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Barrieren: alle gezeigten Videos wurden mit Untertiteln bereitgestellt.
Auszeichnungen für die besten Beiträge
Der goldene Erklärbär und damit 300 Euro Preisgeld gingen an Sarina Haubold und Hannah Friedrich für ihr Video „Rezession in Deutschland“.
„Konzentriert auf das Wesentliche, kontrovers durch das Gegenüberstellen verschiedener Perspektiven, zielorientiert und reflektiert: So hat die Jury dieses Video wahrgenommen“, sagt Stefanie Gerstenberger.
Den silbernen Erklärbären und 200 Euro Preisgeld erhielten die Schülerinnen Jana Sept, Vanessa Gerisch und Lucia Schröter vom Lessing-Gymnasium Plauen für ihren Beitrag „Pink Tax“.
„Die sogenannte Pink Tax steht exemplarisch für Ungleichheiten, die sich ganz unauffällig in unseren Alltag einschleichen. Produkte, die sich kaum unterscheiden, werden unterschiedlich bepreist – allein aufgrund ihrer Zielgruppe. (...) Besonders hervorzuheben ist, dass das Video nicht beim Erklären stehen bleibt. Es zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten. Mit ihrem Beitrag zeigen Lucia, Jana und Vanessa eindrucksvoll, wie politische Bildung alltagsnah, verständlich und kreativ vermittelt werden kann“, sagt Anne Neuber, Referentin bei Aktion Zivilcourage e. V.
Mit dem bronzenen Erklärbären wurde das Video „Der goldene Pass“ ausgezeichnet. Der Bär und 100 Euro Preisgeld ging an Milan Böhling, Lilly Spitzner, Max Grenda sowie Stina Jung vom Pestalozzi-Gymnasium Dresden.
„Das drittplatzierte Video beschäftigt sich mit ethischen Fragen: Sollte man für Geld alles kaufen können? Ist Freiheit etwas für Reiche? (...) Der Film kommt wie eine Investigativ-Reportage daher, klärt auf, legt den Finger in die Wunde, schafft Raum für Empörung und ein ausgeprägtes Gefühl von Ungerechtigkeit. Dabei glänzen die Filmemacherinnen und Filmemacher nicht nur mit ihrer Recherche, sondern auch mit klarem Storytelling, passenden, ästhetisch ansprechenden Animationen und einer Erzählstimme, der man gern folgt.“ Johannes Gersten, Spektrum 3000, Treibhaus e. V. Döbeln
Den Publikumspreis und damit 150 Euro Preisgeld gewannen mit überwältigender Mehrheit Schülerinnen des Teams „Drei Viertel“ aus Leipzig mit ihrem Video „Was sind Fake News?“.
Lobende Erwähnungen für besondere filmische Zugänge
Neben den prämierten Beiträgen sprach Sabine Kirst von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung auch lobende Erwähnungen aus. Eine davon erhielt das Video „Women on Waves“ von Nikita und Anni. Der Beitrag stellt die Arbeit der gleichnamigen NGO vor, die sich für das Recht von Frauen einsetzt, sich selbstbestimmt mit Fragen einer ungewollten Schwangerschaft auseinanderzusetzen, Beratung in Anspruch zu nehmen und gegebenenfalls einen medizinisch sicheren und straffreien Schwangerschaftsabbruch zu erhalten.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die kluge Machart des Videos: Der Einstieg in dieses kontroverse Thema gelingt über einen Kniff, nämlich über das Porträt der NGO selbst. So eröffnen die beiden Autorinnen einen sachlichen und zugleich einfachen Zugang zu einer gesellschaftlich und politisch umkämpften Frage. Verbunden ist der Beitrag mit einer klaren Botschaft: „Der Körper einer Frau gehört niemand anderem als ihr selbst – auch nicht der Politik.“
Ebenfalls lobend erwähnt wurde der Film „Post vom Verteidigungsministerium“ von Annika und Finja aus Chemnitz. Den beiden gelingt ein wunderbares Storytelling. Die Hauptfigur Kurt erhält Post und freut sich zunächst sehr, denn seit Jahren wartet er sehnsüchtig auf seinen Brief aus Hogwarts. Aus der erhofften Aufnahme an der Zauberschule wird nichts. Stattdessen liegt eine Einladung zur Musterung vom Verteidigungsministerium im Briefkasten. Lobens- und erwähnenswert sind die gelungene Animation, die stimmliche Variation und der feine Humor, mit denen die beiden den verschiedenen Figuren einen ganz eigenen Klang und unverwechselbare Eigenschaften verleihen. So gelingt es dem Film, ein ernstes Thema mit Leichtigkeit, Witz und erzählerischem Gespür umzusetzen.
Politische Bildung mit eigenen Fragen und eigenen Videos
Der Erklärvideo Wettbewerb verbindet politische Bildung, Medienkompetenz und kreative Ausdrucksformen auf besondere Weise. Die ausgezeichneten und lobend erwähnten Beiträge zeigen, dass Jugendliche komplexe Themen nicht nur aufgreifen, sondern für andere verständlich, anschaulich und originell aufbereiten können. Zugleich hat die SLpB umfangreiche Materialien bereitgestellt und den Wettbewerb intensiv begleitet, um eine fundierte Recherche zu unterstützen sowie für den verantwortungsvollen Umgang mit Quellen und Nutzungsrechten zu sensibilisieren.
„Wir können und sollten Jugendlichen mehr zutrauen. Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Kreativität und Einfallsreichtum die diesjährigen Videos gedreht wurden. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Filme.“
Sabine Kirst, SLpB
Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung gratuliert allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich und dankt allen Teilnehmenden für ihre vielseitigen, klugen und beeindruckenden Beiträge. Ein besonderer Dank gilt zudem allen Erwachsenen, die die Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer Ideen, bei Recherche, Umsetzung und Einreichung der Videos begleitet und unterstützt haben. Besonderer Dank gilt auch der Jury für die sorgfältige Sichtung und Bewertung der eingereichten Beiträge sowie für ihr Engagement.
