Während der 40-jährigen Geschichte der DDR existierte eine paradoxe Situation in der sogenannten Volksdemokratie: Auf dem Papier bestanden Strukturen einer parlamentarischen Demokratie, de facto war die DDR allerdings eine Diktatur. Die Volkskammer war ausschließlich ein Akklamationsorgan der SED. Auf allen Ebenen – von den Blockparteien in der Volkskammer bis hin zur Gemeindeebene – ergriff man, angestoßen durch die friedlichen Massendemonstrationen, die in der Verfassung verankerten Möglichkeiten. Die SED bildete dennoch als stärkste Kraft der Volkskammer bis zum Frühjahr 1990 die Regierung. Am 5. Februar 1990 wurden erstmals acht Vertreter der Opposition in die Regierung berufen.


Aufgrund der veränderten politischen Gegebenheiten einigten sich die Vertreter der alten und neuen politischen Kräfte auf vorverlegte Volkskammerwahlen. Im Wahlkampf orientierten sich die ehemaligen Blockparteien (CDU und LDPD) an ihren westdeutschen Pendants (CDU und FDP) und erhielten von dort tatkräftige Unterstützung. Mit ihren bestehenden Ressourcen und Apparaten hatten die ehemaligen Blockparteien gegenüber den aus der Bürgerbewegung hervorgegangen Parteien wie auch der Ost-SPD einen Startvorteil, den sie für die Wahlen nutzten.


Am 18. März 1990 fanden die vorverlegten freien Volkskammerwahlen nach demokratischen Prinzipien statt. Als Sieger ging das Bündnis "Allianz für Deutschland" aus Ost-CDU, Demokratischer Aufbruch (DA) und Deutsch Sozialer Union (DSU) mit über 48 Prozent der Stimmen hervor. Die ehemalige LDPD erzielte knapp fünf, die neugegründete Ost-SPD 22 Prozent. Die anderen Bürgerrechtsparteien, die sich zu einem Bündnis zusammenschlossen, erreichten nicht einmal fünf Prozent. Die einstige SED (nunmehr PDS) erhielt 16 Prozent. Die Kommunalwahlen im Mai bestätigten die Ergebnisse weitgehend.


Nach den ersten freien Wahlen, wurde eine Große Koalition aus der "Allianz für Deutschland", SPD und den Liberalen gebildet. Lothar de Maizière (CDU) wurde zum Ministerpräsident (Regierungschef) gewählt. Die Aufgaben des Parlaments und der Regierung waren gewaltig. Es mussten zahlreiche Verfassungs- und Gesetzesänderungen in kürzester Zeit ausgearbeitet und umgesetzt werden. Aufgrund der sich verschärfenden wirtschaftlich schwierigen Situation wurde die Bevölkerung immer ungeduldiger und die Arbeit der Regierung demzufolge komplizierter. Hinzu kamen Stasi-Enthüllungen, wie die des DA-Vorsitzenden Wolfgang Schnur oder des Ost-SPD-Vorsitzenden Ibrahim Böhme, die das Vertrauen in die neue politische Führung erschütterten und das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den neuen politischen Kräften weckten. Insgesamt gelang es nur mühsam, alte Seilschaften in Politik, Wirtschaft und Verwaltung zu zerschlagen.