Einmarsch nach Polen
Die sogenannte Entspannungspolitik (Appeasement) der Westmächte wurde 1939 aufgegeben. Mit dem Einmarsch in Polen am 1. September 1939 hatte Hitler den Bogen überspannt. Allerdings war es seine volle Absicht, Krieg zu führen. Er hoffte, dass es keine erneuten Vermittlungsversuche seitens Englands oder Frankreichs geben werde oder mit seinen Worten, dass nicht noch „im letzten Moment irgendein Schweinehund einen Vermittlungsplan“ vorlege (nach Fest, Gesicht, S. 80 bzw. Freund, S. 192ff.).
Die Kriegserklärungen Großbritanniens und Frankreichs folgten am 3. September. In der deutschen Bevölkerung war die Stimmung zu dieser Zeit gedrückt. Eine Kriegsbegeisterung wie 1914 war nicht vorhanden. Allerdings hob sich die Stimmung mit dem raschen Sieg über die polnische Armee.
Blitzkrieg
Für die deutsche Kriegsführung bürgerte sich die Bezeichnung des Blitzkriegs ein. Sie bezeichnete das schnelle Vordringen ins feindliche Land durch Panzerwaffe und Luftwaffe. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Wehrmacht in den Feldzügen gegen Polen, später Frankreich und insbesondere gegen die Sowjetunion gar nicht anders konnte, als strategisch auf sehr rasche Entscheidungen zu drängen. Für langwierige Feldzüge fehlte es an Material ebenso wie an Versorgungs- und Nachschubkapazitäten.
Die Entscheidung fiel häufig durch Zangenbewegungen und Einkesselung großer gegnerischer Verbände. Nach der Besetzung Polens kam der Krieg erst einmal zum Stillstand (Sitzkrieg). Großbritannien und Frankreich waren durch den Verlauf des Polenfeldzugs schockiert. Sie versuchten über den Winter Rüstungsrückstände aufzuholen. So blieb das Heft des Handelns in Hitlers Hand.
Am 9. April 1940 besetzte die Deutsche Wehrmacht Dänemark und setzte zum Angriff auf Norwegen an (Unternehmen „Weserübung“). Am 10. Mai griff Deutschland auch Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Frankreich an. Am selben Tag übernahm Winston Churchill in London die Amtsgeschäfte des britischen Premierministers. Er hatte sich zuvor scharf gegen die Entspannungspolitik seines Parteikollegen Chamberlain gewandt und vor der Gefahr der deutschen Rüstungsanstrengungen gewarnt. Bis zum Kriegsende war Churchill der entschlossenste Gegner Hitlers und zu keiner Zeit zu grundsätzlichen Zugeständnissen gegenüber Deutschland bereit.
Autoritäre Regime suchen engere Anbindung an Deutschland
Auch im Westen gelang der Wehrmacht ein unglaublich rasches Niederringen der feindlichen Armeen. Bereits am 22. Juni, also sechs Wochen nach Beginn des Feldzuges, kam es zur Kapitulation der Feindmächte im Waffenstillstand von Compiègne. Frankreich wurde geteilt in ein besetztes Gebiet und das „Vichy“-Gebiet (unter Marschall Pétain).
Die Erfolge der deutschen Streikräfte bewirkten bei vielen autoritären Regimen eine politische Neuausrichtung. Eine engere Anbindung an Deutschland erschien plötzlich sehr viel attraktiver und erfolgversprechender. Italien hatte England und Frankreich am 10. Juni 1940 den Krieg erklärt, um sich bis dahin französische Territorien einzuverleiben. Auch lehnten sich nun einige Staaten auf dem Balkan enger an Deutschland an. Japan befand sich bereits seit 1937 auf Expansionskurs im chinesischen Raum und strebte eine imperiale Erweiterung im pazifischen Raum Richtung Süden an. Im Hintergrund gab es jedoch tiefgreifende wirtschaftpolitische Konflikte mit den USA, die das Kaiserreich dazu bewogen, nun ein Bündnis mit Hitlerdeutschland einzugehen.
Dreimächtepakt
Am 27. September schlossen Deutschland, Japan und Italien den Dreimächtepakt. Er wurde auch als Achse Berlin-Rom-Tokio bezeichnet.
Das Bündnis mit Italien sollte sich als äußerst belastend erweisen. Ob in Griechenland, auf dem Balkan oder in Nordafrika: Überall mussten deutsche Verbände zu Hilfe eilen, um Italien vor allzu deutlichen Niederlagen zu bewahren und um einen Ansehensverlust des gesamten Bündnissystems zu vermeiden. Die ohnehin knappen personellen und materiellen Ressourcen der Wehrmacht wurden in Nebenkriegsschauplätzen weiter dezimiert. So hatte der sogenannte „Wüstenfuchs“ Rommel trotz großer militärischer Erfolge keine Chance, sich mit dem kontinuierlich sinkenden Nachschub gegen die zunehmend besser aufgestellten Westmächte zu behaupten.
Das Bündnis mit Japan sollte das Deutsche Reich entlasten, indem es stärkere Ressourcen der Briten und Amerikaner im Pazifik festband. Doch konnte Churchill stets durchsetzen, dass die Niederringung Hitlerdeutschlands Vorrang hatte.
Völlig rätselhaft war die Kriegserklärung Hitlers an die USA nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941. Der Dreimächtepakt sah keine Verpflichtung zum Kriegseintritt vor. Und trotz der de facto bereits immensen militärischen Hilfsleistungen der USA für Großbritannien, war es völlig ausgeschlossen, dass Deutschland im Atlantik siegreich gegen die USA agieren könnten.
Bei genauer Betrachtung entpuppten sich die militärischen Erfolge und riesigen territorialen Eroberungen Hitlerdeutschlands seit Kriegsbeginn bereits im Jahre 1941 als ziellos und trügerisch, weil die Ressourcenbilanz insbesondere durch den Kriegseintritt der USA sich kontinuierlich zugunsten der Westmächte entwickelte.
Weitere Informationen
- Antony Beevor: Stalingrad, München 2010.
- Antony Beevor: D-Day. Die Schlacht um die Normandie, Gütersloh 2010.
- Jochen Böhler: Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939, Frankfurt am Main 2005.
- Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 3: Krieg, München 2009.
- Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945, München 2002.
- Jochen Hellbeck: Die Stalingrad-Protokolle. Sowjetische Augenzeugen berichten aus der Schlacht, Frankfurt am Main 2012.
- Andreas Jasper: Zweierlei Weltkriege? Kriegserfahrungen deutscher Soldaten in Ost und West 1939 bis 1945,
- Paderborn 2011.
- John Keegan: Der Zweite Weltkrieg, Berlin 2004.
- Ian Kershaw: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45, 4. Aufl., München 2011.
- Jürgen Kilian: Wehrmacht und Besatzungsherrschaft im russischen Nordwesten 1941-1944. Praxis und Alltag in der Militärverwaltungszone der Heeresgruppe Nord, Paderborn 2012.
- Lutz Klinkhammer/Amedeo Osti Guerazzi/Thomas Schlemmer (Hrsg.), Die „Achse“ im Krieg. Politik, Ideologie und Kriegsführung 1939-1945, Paderborn 2010.
- Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.), Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 10 Bände, Stuttgart 1979-2008.
- Rolf-Dieter Müller: Der letzte deutsche Krieg 1939-1945, Stuttgart 2005.
- Sönke Neitzel/Harald Welzer: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben, Frankfurt am Main 2011.
- Richard Overy: Russlands Krieg. 1941-1945, Reinbek 2011.
- Michael Salewski: Deutschland und der Zweite Weltkrieg, Paderborn 2005.
- Rainer F. Schmidt: Der Zweite Weltkrieg. Die Zerstörung Europas, Berlin 2008.
- Timothy Snyder: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin, 4. Aufl., München 2011.
- Wolfram Wette/Gerd R. Ueberschär: Stalingrad. Mythos und Wirklichkeit einer Schlacht,Frankfurt am Main 2012.
Link zu einem Bildungsmodul von Hatikva, der Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e.V. in Dresden