Mit einem Anteil von 46 Prozent ist die Kleinstadt am meisten vertreten unter den Städten in Deutschland. Die mehr als 2.100 Kleinstädte, Orte und Gemeinden mit nicht weniger als 5.000 und nicht mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, sind Wohn- und Arbeitsort wie Heimat für mehr als 24 Millionen Menschen, knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. Fast ein Drittel aller sogenannten „Hidden Champions“, einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannte wirtschaftliche Weltmarktführer, haben hier ihren Sitz. Kleinstädte sind ein prägendes Element der deutschen Städtelandschaft. Und trotzdem kommt ihnen nur langsam steigende Aufmerksamkeit zu. Stereotype und Narrative halten sich hartnäckig. Warum dies so ist, wie man das ändern kann und welche Chancen und Herausforderungen in Kleinstädten und damit für Deutschland vorhanden sind, ist Thema der fünf Webtalks.

Kleinstädte sind vielfältig. Mehr als die Hälfte von ihnen liegt in der Nähe von Ballungszentren und nicht, wie gern vermutet wird, fernab in der Peripherie. Vor Ort finden sich ausdifferenzierte Wohnungs- und Immobilienmärkte, Unternehmen sind hoch innovativ und der Fachkräftemangel ist akut.

Die Webtalk-Reihe richtet sich an Akteure in Kleinstädten und an alle Kleinstadtinteressierten. Sie bietet digitale Podiumsdiskussionen mit Expertinnen und Experten aus Praxis, Politik und Wissenschaft sowie die Möglichkeit der Beteiligung in einer Fragerunde.

11.03.2021

"Kleinstädte in Deutschland: Unterschätzte Größe?"

Rund die Hälfte aller Städte in Deutschland zählt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zu den Kleinstädten und etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung lebt in einer Gemeinde mit nicht weniger als 5.000 und nicht mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Aufgrund ihres Bevölkerungsanteils und als Orte der Wirtschaft und wichtiger Infrastrukturen bilden Kleinstädte das Rückgrat der deutschen Städtelandschaft. Dennoch waren und sind die Diskussionen um Kleinstädte seit den 1990er Jahren ausgerichtet auf stark negative Bevölkerungsentwicklungen und Alterung sowie ausdünnende Angeboten in der Daseinsvorsorge. Im Allgemeinen fokussiert sich die Berichterstattung entweder auf „Landfrust“ oder, insbesondere im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie, auf eine „neue Landlust“. Aber wie sieht die Realität aus? Mehr als die Hälfte der Kleinstädte liegt in zentraler Lage. Herausforderungen und Potenziale stellen sich hier anders dar als in ländlichen Räumen. Kleinstädte und deren Lebenswirklichkeiten sind extrem unterschiedlich. Wie kann ein neuer, objektiver Blick und eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Vielfalt von Kleinstädten gelingen?

Gäste:

  • Kerstin Schöniger, Bürgermeisterin von Rodewisch
  • Norbert Portz, Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes
  • Holger Pietschmann, Geschäftsführender Gesellschafter von Plan und Praxis GbR, Berlin

Moderation:

  • Dr. Roland Löffler, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung
Mitschnitt der Veranstaltung

25.03.2021

"Kleinstädte in Deutschland: Wohnen: Ist hier noch was frei?"

Kleinstädte zwischen Überangeboten und Wohnungsknappheit: Viele Kleinstädte in Deutschland sind beliebte Orte des Wohnens. Es gibt oft mehr Quadratmeter fürs Geld als in den Metropolen, und der Traum vom Eigenheim kann hier eher Wirklichkeit werden. Das gilt aber nicht überall. In der Nähe von Großstädten wie Dresden, Leipzig, München oder Frankfurt/M. explodieren auch in Kleinstädten die Immobilien- und Baulandpreise. Dagegen wird in abgelegenen ländlichen Regionen aus dem einst gepflegten Familienheim eine unverkäufliche Immobilie. Zugleich ist Wohnen in kleinen Städten nicht auf Eigenheime beschränkt. In den ostdeutschen Bundesländern stehen viele Kommunen vor der Herausforderung, wie sie mit Leerstand und Alterung in (teil-)sanierten Plattenbauten umgehen sollen. Gleichzeitig sind alternative Mietangebote für unterschiedliche Lebens- und Wohnformen in West wie Ost Mangelware. Und nicht zuletzt definiert auch in Kleinstädten der Besitz von Immobilien oder das Wohnviertel die soziale Zugehörigkeit. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Welche Konzepte gibt es in Stadtverwaltungen, im Quartiersmanagement, unter Architekten, Stadtplanerinnen und Hausbesitzern, um diesen Trends entgegenzuwirken? Welche Wohnformen werden angeboten und welche fehlen? Wie wird das Wohnen von morgen gestaltet?

Gäste:

  • Prof. Dr. Katrin Großmann, FH Erfurt
  • Michael Galander, Bürgermeister der Hansestadt Anklam
  • Dr. Axel Viehweger, Vorstand des Genossenschaftsmuseums Delitzsch

Moderation:

  • Dr. Annett Steinführer, Thünen-Institut für Ländliche Räume, Braunschweig
Mitschnitt der Veranstaltung

15.04.2021

"Kleinstädte in Deutschland: Arbeit und Digitale Transformation"

Früher war die Auswahl an Berufsmöglichkeiten in einer Kleinstadt überschaubar: Handwerk und Einzelhandel prägten das Bild, Lehrer und Beamte traten hinzu, hin und wieder ein Kleinunternehmen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Während die einen Kleinstädte zu Schlafstätten geworden sind, florieren andernorts Familienunternehmen mit internationaler Ausstrahlung, oft Hidden Champions in ihrer Disziplin – einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannte Größen auf dem Weltmarkt. Die Digitale Transformation bringt – soweit ausreichend digitale Bandbreite vorhanden – neue Arbeitsformen mit sich. High-Tech zieht im Fachwerk ein. Co-Working-Spaces werden auch in Kleinstädten gegründet und vom Selbständigen bis zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern multinationaler Unternehmen genutzt. In Glauchau, Mittweida oder Großschönau beleben Kreative leerstehende Industriegebäude. Im brandenburgischen Wittenberge, im westfälischen Altena oder im nordhessischen Homberg/Efze rufen Digitalprofis aus Berlin, Hamburg oder Zürich den "Summer of Pioneers" aus, um Arbeiten und Leben in ländlichen Räumen schmackhaft zu machen. Klingt cool – aber ist es das auch? Währt die Liebe zum Kleinstadtleben länger als einen Sommer? Lassen sich High Potentials in Zeiten des Fachkräftemangels wirklich für Kleinstädte gewinnen? Und wenn ja, wie gelingt das?

Gäste:

  • Dr. Stephanie Arens, Leiterin Regionale Entwicklung, Südwestfalen-Agentur, Olpe
  • Dr. Thilo Lang, Leiter des Forschungsbereichs Multiple Geographien regionaler und lokaler Entwicklung, Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig

Moderation:

  • Bastian Wierzioch, Freier Mitarbeiter MDR
Mitschnitt der Veranstaltung

29.04.2021

"Kleinstädte in Deutschland: Mobilität: Schon angebunden?"

Lebensqualität lässt sich auch daran messen, wie sehr Menschen darauf angewiesen sind, ein eigenes Fahrzeug für ihre täglichen Wege zu besitzen. Ein gut ausgebauter öffentlicher Personennahverkehr – regelmäßig und vor allem häufiger fahrende Busse oder Bahnen – verbindet Kleinstädte mit großstädtischen Zentren. Er ermöglicht den Weg zur Arbeit, den Abend, den Besuch im Multiplex-Kino. Eine solide Verkehrs-Infrastruktur und verlässliche Anbindung baut eine Brücke zwischen Groß- und Kleinstädten und ländlichem Raum. Wie sieht die Mobilität der Zukunft für Kleinstädte aus, die nicht abgehängt werden wollen? Welche Alternativen gibt es zur Individualmobilität? Helfen hier ehrenamtlich getragene Bürgerbusse, braucht es mehr Fahrradwege und die Reaktivierung von Fahrradtrassen?

Gäste:

  • Robert Veitenhansl, Bayerisches Verkehrsministerium
  • Dr.‐Ing. Melanie Herget, Verkehrsplanerin, Universität Kassel
  • Karsten Krause, Fachzentrum Mobilität ländlicher Raum, Hofheim

Moderation: 

  • Prof. Dr. Peter Dehne, Hochschule Neubrandenburg
Mitschnitt der Veranstaltung

07.06.2021

"Brauchen Kleinstädte eine bessere politische Lobby?"

Zum Auftakt unserer Reihe haben wir die Frage in den Raum gestellt, ob Kleinstädte möglicherweise eine unterschätzte Größe seien. Wir haben uns dem Thema Kleinstadt aus verschiedenen Perspektiven genähert.  Im Gespräch mit Fachleuten und Ihnen haben wir nach Lösungsansätzen gesucht, beispielsweise für eine zukunftstaugliche Verkehrsinfrastruktur, die Kleinstädte mit den naheliegenden Ballungszentren verbindet,  aber auch zum Wohnen und zur digitalen Arbeit. Klar wurde: Kleinstädte sind vielfältig, haben große Potentiale, mitunter aber auch Standortnachteile. Deutlich wurde aber auch: Kleinstädten fehlt oft die politische Lobby. Städtebauförderprogramme verändern sich gerade in eine Richtung, die zu wenig zwischen kleinen und großen Städten unterscheidet. Was muss geschehen, damit Kleinstädte auf der politischen Agenda nach oben rutschen – im Bund, den Ländern  und konkret im Freistaat Sachsen. Wie müssen sich Kleinstädte weiterentwickeln, um gemeinsame Interessen und Kompetenzen zu artikulieren? Und sind die Potentiale interkommunaler Kooperation bereits ausgereizt?

Gäste:

  • Volkmar Vogel (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
  • Franziska Schubert, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, Ebersbach-Neugersdorf 
  • Tanja Rönck, Bürgermeisterin der Stadt Malente

Moderation: 

  • Bastian Wierzioch, freier Journalist, MDR
Mitschnitt der Veranstaltung