Ist die Energiepolitik des Nachbarn grüner?

Studienreise nach Tschechien zum Thema Energiepolitik

Datum: 18.10.2022–21.10.2022, 09:00–20:00 Uhr

Ort: Tschechische Republik: mehrere Orte

Durch den Ukrainekrieg und die daraus folgenden Sanktionen gegen Russland gewinnt das Thema Energieversorgung, das durch den Klimawandel ohnehin schon zu den Top-Themen der europäischen Politik gehörte, noch einmal an Brisanz. Die steigenden Energiepreise sind ein bedeutender Treiber der galoppierenden Inflation und damit unmittelbar spürbar für uns alle.

Die energiepolitischen Entscheidungen werden bestimmen, wie kalt der nächste Winter und wie extrem die künftigen Sommer werden.  Jetzt werden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Im europäischen Wirtschaftsraum kommt es dabei nicht nur auf die Energiepolitik Deutschlands, sondern auch auf die seiner Nachbarn an.

Aus diesem Grund laden wir Sie ein auf eine Studienreise durch Sachsens Nachbarland Tschechien, das zudem aktuell die EU-Ratspräsidentschaft innehat und nun die schwere Abwägung treffen muss: Was hat Priorität – die Sicherung der Energieversorgung angesichts der aktuellen Krise in Europa oder das Erreichen der klimapolitischen Ziele der EU?

Kommen Sie mit auf eine spannende, viertägige Energie-Tour von Sachsen nach Tschechien! Wir werden uns intensiv mit dem Energieträger Kohle und mit Atomkraft beschäftigen und ein Kohle- und ein Atomkraftwerk besichtigen. Wir besuchen unter anderem die Stadt Třebíč, sozusagen das „Springfield“ Tschechiens, die seit dem Bau des Kernkraftwerks Dukovany wirtschaftlich boomt. Eine Vorreiterrolle im Bereich erneuerbare Energien nimmt die Stadt Ústí nad Labem ein: Das tschechische „Hydrogen Valley“ setzt auf innovative Wasserstoff-Ökosysteme. Die malerische Stadt Litoměřice bemüht sich durch den Einsatz von Erdwärme (Geosolar) möglichst energieautark zu werden, ähnlich wie auch die vor den Baggern knapp gerettete Stadt Horní Jiřetín.

Wünschen Sie sich tiefe Einblicke in die Energiepolitik des Nachbarlandes zu werfen, Zusammenhänge im Bereich europäische Energiepolitik besser zu verstehen und dabei gleich drei UNESCO-Städte besuchen? Dann sollten Sie unbedingt dabei sein.


Richten Sie bitte Ihre Anmeldung inkl. Angaben zu Ihrer Person (Name, Vorname, Adresse, E-Mail), kurzer Information zu Ihrer Person und kurzer Motivation für die Teilnahme bis zum 18. September 2022 an folgende Adresse:

Die Anzahl der Plätze ist begrenzt!

Bitte beachten Sie, dass wir alle Bewerbungen erst nach dem Bewerbungsschluss 18.09.2022 prüfen.
Die verbindlichen Teilnahmezusagen bzw. Absagen (mit Wartelisten-Option) werden voraussichtlich
am 21. September 2022 versandt.


Vorläufiges Programm

(Stand 1.8.2022)


Dienstag, 18. Oktober 2022

Tag 1: Geht das Zeitalter der Kohle zu Ende - oder kehrt es angesichts aktueller Krisen zurück?

Braunkohle ist ein Klimakiller, ihr Abbau hinterlässt drastische und dauerhafte Narben in der Landschaft. In Deutschland ist der Kohleausstieg bis 2038 per Gesetz beschlossen, dagegen dauert in den Nachbarländern Tschechien und Polen die Diskussion dazu noch an. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine bedroht die Energiewende in Europa. Können wir ohne Kohlestrom Energiesicherheit innerhalb der EU garantieren? Diese Frage stellt sich auch für Deutschland wieder neu.

Ob Ausstieg, Fortsetzung oder Wiedereinstieg: Auf das Leben der Menschen in Regionen des Kohleabbaus hat dies große Auswirkungen. Zahlen sie für uns alle den Preis? Im Dreiländereck Polen, Tschechien und Deutschland liegt der polnische Braunkohletagebau Turów. An ihm spalten sich die Nachbarländer. Während der Tagebau aus polnischer Sicht strategische Bedeutung für die nationale Energieversorgung hat und außerdem größter Arbeitgeber der Region ist, bringt er die sächsische Stadt Zittau buchstäblich zum Absinken – und die Region auf der tschechischen Seite der Grenze ist von der Wasserknappheit bedroht.

Über diese Themen und über die Rolle Tschechiens, das seit 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft innehat, sowie über die Beziehungen zwischen Sachsen und Tschechien diskutieren wir an Tag 1.

Zeitlicher Ablauf:

08:30 Uhr

Ankommen in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB)

09:00 Uhr

Begrüßung und Einführung: Dr. Roland Löffler, Direktor der SLpB, und Ivo Vacík, Referent Europa/Internationales der SLpB

09:15 Uhr

Vorstellungsrunde

09:30 Uhr

Vortrag von Markéta Meissnerová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik in Dresden (angefragt), zur aktuellen EU-Ratspräsidentschaft Tschechiens mit Blick auf die Themen Energiewende und Versorgungssicherheit sowie zu den bilateralen sächsisch-tschechischen Beziehungen, anschließend Diskussion.

10:30 Uhr

Kaffeepause

10:45 Uhr

Vortrag von Karsten Smid, Greenpeace (angefragt) zu den sächsisch-tschechischen Verbindungen im Bereich Klima- und Energiepolitik, anschließend Diskussion.

12:15 Uhr

Mittagsimbiss

13:00 Uhr

Kurzfilm zum Braunkohletagebau Turów

13:15 Uhr

Podiumsdiskussion zu den ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Tagebaus Turów auf Polen, Tschechien und Deutschland sowie zum Streit zwischen Polen und Tschechien.

  • Dr. Cornelius Huppertz – Leiter der Stabsstelle Europa im Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung (angefragt)
  • Petra Kalenská – Juristin bei Frank Bold
  • Magdalena Kościańska – Journalistin TV Bogatynia

15:15 Uhr

Fahrt nach Prag im klimatisierten Reisebus, geplante Ankunft im Hotel um 17:00 Uhr

18:00 Uhr

Spaziergang mit Stadtführung, 20.00 Uhr: Abendessen im Restaurant Altány Kampa; Übernachtung in Hotel Ikona (10 Zimmer) und Hotel Čertovka (5 Zimmer).

Mittwoch, 19. Oktober 2022

Tag 2: Kern der tschechischen Energiewende: Kernkraft

Während Deutschland und weitere europäische Länder aus politischen, ökologischen und wirtschaftlichen Sicherheitsgründen aus der Atomenergie aussteigt, setzt Tschechien genau darauf. Kernreaktoren gelten hier als sauber und sicher und die Atomkraft als Energiequelle, die künftig Kohle ersetzen und die enormen Treibhausgasemissionen reduzieren wird. Nach Vorstellungen der kühnsten Planer soll Tschechien zu einem gigantischen Zentrum der Kernkraft für Europa werden, das Länder, die dringend darauf angewiesen sind, mit billiger Energie versorgen wird.

Wir beginnen den Tag in Prag und besuchen nachmittags die UNESCO-Stadt Třebíč, die mit dem Bau des Atomkraftwerks Dukovany wirtschaftlich einen enormen Aufschwung erlebte. Das Baseballteam der Stadt heißt „Nuclears“. Jeder kennt jemanden, der im Kraftwerk arbeitet. Die Gehälter dort sind überdurchschnittlich hoch.

Zeitlicher Ablauf:

09:00 Uhr

Begrüßung im Verbindungsbüro Prag: Frau Josefina Ofner

09:30 Uhr

Vortrag und Diskussion über die Zukunft der Atomkraft in Tschechien

  • Jan Prášil, Leiter der Abteilung für Strategie, Forschung und internationale Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie – Tschechische Industrie- und Handelsministerium
  • Dana Drábová - Leiterin des Landesamtes für Atomsicherheit
  • Edvard Sequens - Vorsitzender der Calla-Verein für die Rettung der Umwelt
11:30 Uhr

Mittagsimbiss

12:30 Uhr

Abfahrt nach Dukovany und Třebíč

15:00 Uhr

Besichtigung des Atomkraftwerks Dukovany (bis ca. 17:00 Uhr)

17:45 Uhr

Ankunft in der UNESCO-Stadt Třebíč: Austausch und Besichtigung vor Ort mit Milan Zeibert – stellvertretender Bürgermeister von Třebíč (angefragt)

19:00 Uhr

Stadtführung

20:00 Uhr

Abendessen im Restaurant Molekül und Übernachtung im Hotel Atom


Donnerstag, 20. Oktober 2022

Tag 3: Erneuerbare Energieträger und das Versprechen von Sicherheit und Autarkie

Windenergie, Biomasse, Photovoltaik, Geothermie und grüner Wasserstoff – erneuerbare Energieträger erleben in Deutschland einen großen Boom und werden im Rahmen der Energiewende ganz großgeschrieben. Sie sollen auch entscheidend zur Energiesicherheit in der EU beitragen und uns aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland befreien.

Während der Reise gehen wir der Frage nach, warum diese neuen Technologien in Tschechien oft auf Skepsis oder gar Ablehnung stoßen. Was steht der Umsetzung im Nachbarland im Weg? Gibt es Vorurteile, die auszuräumen sind? Und welche Kritikpunkte am erneuerbaren Energiemix sind tatsächlich berechtigt? Wir besuchen die Stadt Litoměřice, die neuen Technologien gegenüber offen ist und in Tschechien eine Vorreiterrolle einnimmt. In Begegnungen vor Ort erkunden wir das energiepolitische Pilotprojekt.

Zeitlicher Ablauf

08:00 Uhr

Abfahrt aus Třebíč nach Prag

10:30 Uhr

Ankunft im Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen in Prag

11:00 Uhr

Vortrag und Diskussion zum Thema: Abhängigkeit von Gas und Erdöl aus Russland und die besondere Verantwortung Tschechiens im Zuge der EU-Ratspräsidentschaft

  • Václav Bartuška, Tschechischer Regierungsbeauftragter für Energiesicherheit (angefragt)
  • Jan Úšela - Journalist Deník N.
  • Anna Kárníková - Hnutí DUHA (angefragt)
  • Ondřej Matoušek – Regierungsamt der Tschechischen Republik – Energetik und Klima (angefragt)

13:00 Uhr

Mittagsimbiss

14:00 Uhr

Vortrag plus Diskussion zum Themenkomplex: Erneuerbare Energie, Strukturwandel, Energieautarkie.

  • Pavel Zámyslický, Leiter des Referats für Energie und Klimaschutz im tschechischen Umweltministerium (angefragt)
  • Martin Sedlák, Verband der modernen Energien (angefragt)
  • Jan Krčmář (Solar-Allianz)
  • Zuzana Vondrová, Zentrum für Verkehr und Energetik

16:00 Uhr

Abfahrt in die UNESCO-Stadt Litoměřice, die in ganz Tschechien bezüglich Energiepolitik und Energiemanagement in Tschechien weit vorn liegt.

17:30 Uhr

Vortrag, Austausch und Besichtigung vor Ort mit Dr. Antonín Tym, Manager des Zentrums „Ringen“ in Litoměřice, Projekt Geosolar

19:00 Uhr

Stadtführung

20:00 Uhr

Abendessen im Restaurant Dobrá Bašta und Übernachtung in im Hotel Roosevelt


Freitag, 21. Oktober 2022

Tag 4: Zwischen innovativem Wasserstoff und schmutziger Kohle: Drehen wir uns im Kreis?

Die Stadt Horní Jiřetín sollte dem Braunkohleabbau weichen – dass es sie überhaupt noch gibt, ist dem Bürgermeister des Ortes zu verdanken. Das malerischen Schloss Jezeří liegt heute inmitten einer Mondlandschaft: Von dort überblickt man kilometerweit nur abgetragene Erde. Bei unserem Besuch treffen wir Bürgermeister Vladimír Buřt, der erfolgreich für den Erhalt der Stadt gekämpft hat und sich mittlerweile für die energetische Autarkie der Horní Jiřetíns einsetzt. Von dort fahren wir weiter nach Ústí nad Labem: Die Stadt ist Tschechiens Vorreiter im Bereich innovativer Wasserstoff-Technologien und Teil des europäischen Netzwerks „Hydrogen Valleys“. Wir starten den Tag allerdings mit einer Kurzreise in die Vergangenheit und besuchen eines der schmutzigsten Kohlekraftwerke in Europa – Počerady.

Zeitlicher Ablauf

08:00 Uhr

Abfahrt aus Litoměřice nach Počerady

09:00 Uhr

Besichtigung des Kohlekraftwerks Počerady

11:00 Uhr

Abfahrt nach Horní Jiřetín

11:30 Uhr

Aufenthalt in der Stadt Horní Jiřetín, Treffen und Diskussion mit dem Bürgermeister Vladimír Buřt

13:00 Uhr

Abfahrt nach Ústí nad Labem

14:00 Uhr

Mittagsimbiss in Ústí nad Labem

15:00 Uhr

Vortrag und Diskussion zum Thema Wasserstoff + Besichtigung vor Ort – innovative Wasserstoff-Ökosysteme.

  • Petr Mervart - Wasserstoffbeauftragter des Industrie- und Handelsministeriums
  • Lukáš Janura - Wasserstoffexperte des Industrie- und Handelsministeriums
  • Gabriela Nekolová (Vorsitzende des Wirtschafts- und Sozialrates der Region Ústí)

Besichtigung des Inovationszentrums mit Vladimír Zemánek – Vorsitzender Regionale Wirtschaftskammer der Region Ústí - angefragt

19:00 Uhr

Abfahrt nach Dresden, geplante Ankunft 20.30 Uhr

 

Programmänderungen vorbehalten

Übernachtungsorte: Prag (Hotel Čertovka/Hotel Ikona) – Třebíč (Hotel Atom) - Litoměřice (Hotel Roosevelt)

Leitung: Dr. Roland Löffler, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB)
Ivo Vacík, SLpB, Referent für Europa und Internationales


Informationen zur Reise


Reisevoraussetzungen:

Gute Englisch-Kenntnisse sind von Vorteil. Die Verdolmetschung Deutsch-Tschechisch wird sichergestellt. Arbeitssprache ist Deutsch.

Anmeldung und Kosten:

Die Studienreise richtet sich an Entscheiderinnen und Entscheider aus der Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Kirche, Zivilgesellschaft, Umweltverbände, Studierende, pädagogische Kräfte und interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Anmeldeschluss ist der 18. September 2022.

Bitte beachten Sie, dass wir alle Bewerbungen erst nach dem Bewerbungsschluss 18.09.2022 prüfen.
Die verbindlichen Teilnahmezusagen bzw. Absagen (mit Wartelisten-Option) werden voraussichtlich
am 21. September 2022 versandt.

Die Teilnahmegebühr beträgt 390 Euro.

Sie umfasst folgende Leistungen:

  • klimatisierter Reisebus (Dresden SLpB – Prag – Třebíč – Prag- Litoměřice – Horní Jiřetín – Ústí – Dresden SLpB)
  • Übernachtung in guten Drei- oder Vier-Sterne-Hotels
  • Vollpension (Frühstück im Hotelrestaurant, Mittagsessen und Abendessen in ausgewählten Restaurants oder im Hotelrestaurant)
  • deutschsprachige Reiseleitung und Führungen
  • Verdolmetschung Deutsch-Tschechisch
  • Eintrittsgelder
  • Informationsmaterial

Zusätzlich ist Folgendes selbst zu zahlen:

  • Getränke (außer Kaffee, Tee und Saft bei Kaffeepausen und Mittagsessen sowie gekühltes Leitungswasser zum Abendessen)
  • Fahrtkosten zur SLpB

Der Teilnahmebeitrag kann aus sozialen Gründen für Personen, die nachweislich über kein eigenes bzw. geringes Einkommen verfügen, ermäßigt werden. Einzelne Teilnehmende können ganz oder teilweise vom Teilnahmebeitrag befreit werden.

Anzahlung von 100 Euro bis 30. September 2022. Zahlung des restlichen Teilnahmebetrags bis 10. Oktober 2022.

Stornierungsgebühren:

Ab dem 6. bis zum 1. Tag vor Reisebeginn: 50%
Am Tag des Reiseantritts/bei Nichterscheinen: 80% der Teilnahmegebühr

Organisatorische Ansprechpartnerin:

SLpB, Larissa Baidinger
Tel.: 0351 853 18 52
E-Mail: Larissa.Baidinger@slpb.sachsen.de

Inhaltlicher Ansprechpartner:

SLpB, Ivo Vacík
Tel.: 0351 853 18 54
E-Mail: Ivo.Vacik@slpb.sachsen.de

Anmeldung

Teilnahmegebühr

€ 390,00

Mögliche Zahlungsarten
  • Überweisung

Anmeldung

Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist nur erforderlich, falls im Veranstaltungstext ausdrücklich dazu aufgefordert wird.

Informationen

Veranstaltungsart

Bildungsreise / Exkursion / Führung

Themengebiet
  • Europa und Welt
  • Umwelt
  • Wirtschaft
Zielgruppe
  • Fachpublikum
  • Hochschule
  • Interessenverbände / Mitwirkungsgremien
  • Interessierte
  • Journalistinnen und Journalisten / Medien
  • Kirche
  • Landes- und Kommunalverwaltung
  • Lehrerinnen und Lehrer / Pädagoginnen und Pädagogen
  • Politikerinnen und Politiker / Abgeordnete
  • Studentinnen und Studenten
Veranstalter
SLpB, Referat 2
inhaltl. Ansprechpartner
Ivo Vacík, SLpB

0351-8531854

ivo.vacik@slpb.sachsen.de

Veranstaltungsnummer

23_02

Zur Übersicht