Leipziger Teilung
Im Jahre 1485 wurden in der sogenannten Leipziger Teilung die sächsischen Territorien zwischen den beiden wettinischen Brüdern Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht in Gebiete mit jeweils getrennter und gemeinsamer Zuständigkeit untergliedert. Es entwickelte sich hieraus auch eine dynastische Teilung des Hauses Wettin in die ernestinische und die albertinische Linie. Die Albertiner (nach Herzog Albrecht benannt) blieben territorial im heutigen Sachsen beheimatet und residierten von nun an in Dresden. Die ernestinische Linie (nach Kurfüst Ernst benannt) verlegte ihren Schwerpunkt ins heutige Thüringen.
Diese Leipziger Teilung stellte einen großen Einschnitt in der sächsischen Territorialgeschichte dar. Obwohl nicht als Dauerzustand geplant, gab es keine nennenswerten Versuche, die Teilung später rückgängig zu machen. Mittel- und langfristig wurde die mächtige Stellung des Kurfürstentums Sachsen im Deutschen Reich erheblich geschwächt.
Bereits die Ereignisse der Reformationszeit führten bei den Söhnen aus beiden Linien zu deutlichen Meinungsunterschieden in Fragen der Religionspolitik. Die Generation der Enkel trug sogar mit Waffengewalt die Machtfrage über die Vorrangstellung unter den Wettinern aus.
Schmalkaldischer Krieg
Die Jahre 1546 und 1547 waren geprägt vom sogenannten Schmalkaldischen Krieg. Es standen sich Kaiser Karl V. und der Schmalkaldische Bund, ein Zusammenschluss evangelischer und antihabsburgischer Reichsstände gegenüber. Der Albertiner Herzog Moritz von Sachsen schlug sich hierbei auf die kaiserliche Seite, stand also gegen den protestantischen Fürstenbund und seinen ernestinischen Kurfürsten und Vettern zweiten Grades. Das Ziel von Moritz war eine Korrektur der Leipziger Teilung zugunsten der Albertiner.
In der Schlacht bei Mühlberg (1547) wurde der Schmalkaldische Bund besiegt und zum Friedensschluss gezwungen. Moritz erhielt die sächsische Kurwürde mitsamt umfangreicher Territorien aus bisher ernestinischen Bestand übertragen. Das albertinische Sachsen behielt seit dieser Zeit den Status des Kurfürstentums.
Als 1608 ein neues Bündnis der evangelischen Reichsstände - die Union - gegründet wurde, verweigerte das albertinische Sachsen auch diesmal die Mitwirkung. Vielmehr tendierte es zur Unterstützung der 1609 gegründeten katholischen Liga, ein Ausdruck fortgesetzter kaisertreuer Politik.
30-jähriger Krieg
Nach dem Beginn des 30-jährigen Krieges, in den Jahren 1619 und 1620, unterstützte das sächsische Kurfürstentum aktiv die Partei der Habsburger gegen Böhmen und besetzte im Herbst 1620 Schlesien und die beiden Lausitzen. Die beiden Lausitzen erhielt Sachsen anschließend zum Pfand. Im Jahre 1635 wurden die Lausitzen fest als sächsische Landesteile etabliert, wobei allerdings vielfache Sonderrechte insbesondere hinsichtlich Konfession und Selbständigkeit des Sechsstädtebundes bestehen blieben.
Weitere Informationen
- Blaschke, Karlheinz: Moritz von Sachsen. Ein Reformationsfürst der zweiten Generation, Göttingen/Zürich 1984.
- Kohnle, Armin: Martin Luther. Reformator, Ketzer, Ehemann, Leipzig 2015.
- Kohnle, Armin/Uwe Schirmer (Hrsg.): Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen: Politik, Kultur und Reformation, (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte), Stuttgart 2015.
- Leppin, Volker: Martin Luther. Vom Mönch zum Feind des Papstes, Darmstadt 2013.
- MacCulloch, Diarmaid: Die Reformation 1490-1700, München 2008.
- Philippi, Hans: Die Wettiner in Sachsen und Thüringen, Limburg 1989.
- Sachsen, Albert Herzog zu: Die Wettiner in Lebensbildern, Graz/Wien/Köln 1995.
- Schirmer, Uwe (Hrsg.): Sachsen im 17. Jahrhundert. Krise, Krieg und Neubeginn, Beucha 1998.
- Volkmar, Christoph: Reform statt Reformation. Die Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen 1488-1525, Tübingen 2008.
- Wartenberg, Günther: Landesherrschaft und Reformation. Moritz von Sachsen und die albertinische Kirchenpolitik bis 1546, Gütersloh 1988.
- Zimmermann, Ingo: Sachsens Markgrafen, Kurfürsten und Könige. Die Wettiner in der meißnisch-sächsischen Geschichte, München/Berlin 1997.
1485
In Leipzig vereinbaren die Brüder Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht die Teilung der Herrschaft: Albrecht hat seinen Schwerpunkt im östlichen, Ernst im westlichen Teil der Wettiner Lande. Es entstehen die zwei Familienzweige der Ernestiner und Albertiner.
1517
31.10. Martin Luther, Augustinermönch und Gelehrter an der Universität Wittenberg, veröffentlicht seine kritischen Thesen unter anderem zum Ablasshandel.
1519
27.06.-15.07. Leipziger Disputation zwischen Martin Luther und Johann Eck; Herzog Georg dem Bärtigen gehen die Positionen Luthers zu weit; Kurfürst Freidrich der Weise bleibt bei seiner Unterstützung des Reformators.
1531
Gründung des Schmalkaldischen Bundes (protestantischer Reichsstände)
1539
Nach dem Tod des katholischen Herzogs Georg des Bärtigen führt sein Bruder Heinrich der Fromme die lutherische Reformation im albertinischen Sachsen ein.
1547
24.04. Schlacht bei Mühlberg/Elbe beendet den Schmalkaldischen Krieg; der Ernestiner Johann Friedrich muss die Kurwürde und Teile seines Herrschaftsgebietes an seinen Vetter Moritz von Sachsen (Albertiner) abtreten; Kurfürst Moritz residiert in Dresden, Herzog Johann Friedrich in Weimar.
September „Pönfall“ der Sechsstädte; wegen mangelnder militärischer Unterstützung des Kaisers im Schmalkaldischen Krieg verliert der Oberlausitzer Sechsstädtebund seine Privilegien.
1555
25.09. Im Augsburger Religionsfrieden werden die Gleichberechtigung der lutherischen mit der katholischen Konfession und das Prinzip „cuius regio, eius religio“ festgeschrieben, wonach die Konfession des Landesherrn auch für sein Herrschaftsgebiet bindend ist.
1609
Der bis 1614 andauernde Erbfolgestreit um Jülich-Kleve-Berg führt zur dauerhaften Konfrontation zwischen Kursachsen und Kurbrandenburg.
1618
Beginn des 30-jährigen Krieges
1620
Kurfürst Johann Georg I. unterstützt die kaiserlich-habsburgische Politik durch Besetzung der beiden Lausitzen (böhmische Lehen) und erhält diese als Entschädigung zum Pfand.
1635
30.05. Im Frieden von Prag werden die beiden Lausitzen Kursachsen zugesprochen, die konfessionellen Verhältnisse und politischen Sonderrechte bleiben bestehen.
1648
Der Westfälische Friede von Münster und Osnabrück beendet den 30-jährigen Krieg; die Abtretung Magdeburgs durch Sachsen an Brandenburg wird festgelegt und 1680 vollzogen.
1683
Am siegreichen Kampf gegen die Türken vor Wien ist Kurfürst Johann Georg III. mit einem großen sächsischen Heer beteiligt.
1694
August der Starke wird als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen.
1697
Friedrich August I. tritt zum katholischen Glauben über und wird als August II. König von Polen; Stände und Bevölkerung Sachsens bleiben lutherisch.
1700
Durch die glücklose Teilnahme am Nordischen Krieg gegen Schweden verliert August der Starke zeitweilig die polnische Krone (1706-1716); der Nordische Krieg endet erst 1721.
1709
Johann Friedrich Böttger meldet August dem Starken die - gemeinsam mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus entwickelte - Produktion des europäischen Porzellans.
1711
Gottfried Silbermann (1683-1753) baut in Frauenstein/Erzgebirge die erste seiner insgesamt 50 Orgeln.
1723
Johann Sebastian Bach (1685-1750) nimmt in Leipzig seine Tätigkeit als Kantor an der Thomaskirche auf.
1733
01.02. August der Starke stirbt in Warschau; er wird in der königlich-polnischen Grablege in Krakau beigesetzt.
1734
Der Sohn August des Starken, Kurfürst Friedrich August II., wird als August III. König von Polen.
1756
Beginn des Siebenjährigen Krieges zwischen Preußen und Österreich, der besonders das eigentlich neutrale, zumeist preußisch besetzte Sachsen verheert.
1763
15.02. Auf Schloss Hubertusburg wird das Ende des Siebenjährigen Krieges durch einen Friedensschluss besiegelt, Brandenburg-Preußen wird im Kreis der Großmächte etabliert und Kursachsen in die zweite Reihe verwiesen,
- 1423-1428: Friedrich I. (der Streitbare)
- 1428-1464: Friedrich II. (der Sanftmütige)
Ernestiner
- 1464-1486: Ernst (Stammvater der Ernestiner)
- 1486-1525: Friedrich III. (der Weise)
- 1525-1532: Johann der Beständige
- 1532-1547: Johann Friedrich der Großmütige
- 1464-1500: Herzog Albrecht der Beherzte, Stammvater der Albertiner
- 1500-1539: Herzog Georg der Bärtige
- 1539-1541: Herzog Heinrich der Fromme
- 1541-1547: Herzog Moritz (ab 1547 Kurfürst)
Albertiner
- 1547-1553: Moritz (erster albertinischer Kurfürst)
- 1553-1586: August
- 1586-1591: Christian I.
- 1591-1611: Christian II.
- 1611-1656: Johann Georg I.
- 1656-1680: Johann Georg II.
- 1680-1691: Johann Georg III.
- 1691-1694: Johann Georg IV.
- 1694-1733: Friedrich August I. (der Starke)
- 1697-1704 und 1709-1733 als August II., König von Polen
- 1733-1763: Friedrich August II. als August III., König von Polen
- 1763: Friedrich Christian
- 1763-1827: Friedrich August III. (der Gerechte), ab 1806 König
