Krise in der mittelständischen Industrie

Bereits im Kaiserreich hatten Gründerkrise und wirtschaftliche Depression in der Zeit nach 1873 den sächsischen Mittelstand stark verunsichert. Auf den Ersten Weltkrieg folgten die negativen Auswirkungen der Kriegswirtschaft und 1923 führte der Ruhrkampf zur Geldentwertung durch Hyperinflation. Diese Krisenerscheinungen wirkten derart erschütternd, dass zwischenzeitliche Konsolidierungserfolge von der Weltwirtschaftskrise (1929) hinweggefegt wurden und in eine nicht mehr beherrschbare politische Radikalisierung mündeten.

Es lag an den besonderen Voraussetzungen des Vogtlandes und des Westerzgebirges, dass sich hier die Hochburgen der NSDAP bildeten. Hier prägten traditionell mittelständische Industriebetriebe die Wirtschaftsstruktur, von denen zwischen 1929 und 1933 jährlich Hunderte in Konkurs gingen. In der allgemeinen Misere trat zutage, dass die sächsische Wirtschaft seit langem an Innovations- und Leistungskraft verloren hatte.

Es dominierten noch weitgehend die alten Branchenschwerpunkte (zum Beispiel Textilien) mit zu geringen Wachstumspotentialen. Die Arbeitslosenquote betrug im Juni 1933 in Sachsen 39,6 Prozent und lag damit weit über dem Reichsdurchschnitt. Wirtschaftliche Resignation trieb insbesondere die Mittelschicht in die Arme der extremen Rechten, welche als Abhilfe den Führerstaat und als Sündenbock „das Judentum“ propagierte.

 

Martin Mutschmann beherrscht den Gau Sachsen

Als Hitler in Berlin an die Macht kam, regierte in Sachsen der  DVP-nahe Ministerpräsident Walther Schieck. Sein Kabinett trat am 10. März 1933 zurück und gab damit dem massiven Druck durch den SA-Führer und Reichskommissar für die sächsische Polizei Manfred von Killinger nach. Dieser wurde nun staatsstreichartig von Hitler als Reichskommissar für Sachsen eingesetzt. Vorausgegangen waren zahlreiche putschartige Machtergreifungen auf kommunaler Ebene durch NSDAP und SA mit Schwerpunkt in der Kreishauptmannschaft Zwickau. Hier in Südwestsachsen agierte der sächsische NSDAP-Chef und Plauener Unternehmer Martin Mutschmann. Killinger und Mutschmann lieferten sich einen zweijährigen Machtkampf, aus dem Mutschmann 1935 als Sieger und neuer Ministerpräsident hervorging. Er war ein ebenso selbstherrlicher wie skrupelloser und brutaler Machtmensch, der den Gau Sachsen (in den Grenzen des ehemaligen Landes Sachsen) in außergewöhnlicher Eigenständigkeit bis 1945 beherrschte.