Kommunikation ist schwer zu überschätzen

Mit dem Projekt „Kommune im Dialog" (K!D) unterstützt die Landezentrale politische Meinungs- und Willensbildungsprozesse. Dabei geht es zuerst um die Kommunikation der Beteiligten. Ein Beitrag von Frank Richter, Direktor der SLpB

Gute Kommunikation ist kein Zufall

"Kommunikation ist nicht alles, aber ohne Kommunikation ist alles nichts." "Die Botschaft bestimmt der Empfänger." "Kommunikation ist das, was ankommt." "Gehört ist noch nicht verstanden. Verstanden ist noch nicht einverstanden. Einverstanden ist noch nicht überzeugt. Überzeugt ist noch nicht einbezogen." Diese und ähnliche Wahrheiten sind alt bekannt. Sie sind in aller Munde. Sie beschreiben die Bedeutung gelingender Kommunikation für das Zusammenleben der Menschen und den Austausch der Argumente.

Kommunikation will erlernt sein. Kommunikation braucht Zeit. Kommunikation spielt sich ab auf der Sachebenen und auf der Beziehungsebene. Sie ist von Emotionen ebenso geprägt wie von Rationalität, von nonverbalen Ausdrücken ebenso wie von Worten. Die Bedeutung der Kommunikation und der Beschäftigung mit ihr sind schwer zu überschätzen. Vorausgesetzt dies ist so - und davon gehen wir an dieser Stelle aus - dann sollten alle im politischen Raum Handelnden die Art und Weise, in der sie kommunizieren, gründlich und gewissenhaft reflektieren.

Verschiedenheit aushalten

Die Idee, das Projekt "K!D" (Kommune im Dialog) zu entwickeln und durchzuführen, entstand an der Landeszentrale für politische Bildung während und nach der Moderationstätigkeit in der AG 13. Februar in Dresden. Die beteiligten Kollegen hatten eine belastete und in Teilen blockierte Gesprächsatmosphäre vorgefunden. Sie erlebten, dass die Mitglieder der AG sehr wohl zu Hause waren in ihren jeweiligen "politischen Argumentationsheimaten", aber nur schwer in der Lage, sich für die Argumente der jeweils anderen zu öffnen, Kompromisse zu suchen und diese gemeinsam zu tragen.

Die Mitglieder der AG investierten Zeit und Energie in zahlreiche Gespräche. Sie erarbeiteten Positionen, die von allen Partnern bestätigt werden konnten. Sie erkannten ihre Aufgabe darin, zuerst eine Gesprächsgrundlage zu erarbeiten, auf der sich alle wieder finden konnten, und erst danach, nachdem diese gelegt war, den politischen Dissens und vor allem den politischen Konsens präzise zu beschreiben. Sie fragten sich: Mangelt es in Sachsen an einer Kultur des politischen Streites, zu welcher der faire und offene Diskurs ebenso gehört wie das, was die Engländer das "agree to not agree" nennen, das Einverstanden sein damit, dass wir nicht einverstanden sind? Eine rhetorische Frage. Ja, es mangelt an einer Kultur des politischen Streites.

Oft fehlen Informationen

Im Rahmen des 2013 und 2014 aufgelegten Projekts "K!D" unterstützt die Landeszentrale politische Meinungs- und Willensbildungsprozesse vornehmlich auf kommunaler Ebene. Sie tut dies auf Anfrage bzw. aufgrund einer Beauftragung, überparteilich, zeitlich befristet und bezogen auf einen konkret beschriebenen Bedarf. Die geeigneten Veranstaltungsformen werden gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Kommunen überlegt und konzipiert. Bisher kamen Anfragen aus Riesa, Bautzen, Chemnitz, Leipzig, Plauen / V., Dresden, Zwickau und Schneeberg.

Die Gegenstände der Meinungs- und Willensbildungsprozesse waren unterschiedlicher Natur. In mehreren Fällen ging und geht es darum, die Debatte um das Für und Wider der Umsetzung des bundesrepublikanischen Asylrechts zu organisieren und zu moderieren. Der aktuelle Bedarf an qualifizierter und differenzierter Information ist groß. Die Frage, ob und wie rechtsextremistische Positionen in die öffentlich geführte Debatte einbezogen werden, erhitzt die Gemüter.

Die politische Bildungsarbeit der Landeszentrale hat die Prinzipien der Überparteilichkeit und der Kontroversität zu beachten. Zugleich nimmt sie Partei für das im Grundgesetz formulierte Verständnis vom Staat und für die dem staatlichen Handeln zugrunde liegenden Rechte und Prinzipien. Nach Ablauf des Projektzeitraums, also nach dem Jahr 2014, wird sie einen Abschlussbericht vorlegen.

Rupert Neudeck in Schneeberg

Zum jetzigen Zeitpunkt kann auf eine Veranstaltung besonders hingewiesen werden: Am Dienstag, den 21. Januar 2014 wird Rupert Neudeck, Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V., auf Einladung der Landeszentrale im Kulturhaus "Goldne Sonne" in Schneeberg zu Gast sein (Beginn 19 Uhr). Rupert Neudeck berichtet von den Umständen, die ungezählte Menschen auf der Erde dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen und um Asyl zu bitten. Der Abend mit Rupert Neudeck soll dazu dienen, das Verständnis für all jene Menschen zu befördern, die in existentieller Not nach Deutschland kommen und auf eine menschenwürdige Aufnahme hoffen. Sie sind herzlich eingeladen.