Ohne Engagement kein Zukunftsgewinn

Konrad Degen im Gespräch. Er ist Vorsitzender des Landesschülerrates Sachsen und mit 19 Jahren jüngster Teilnehmer auf der Tagung "Sachsen 2030 - Quo vadis? Wir machen uns Sorgen" am 25. Januar 2013 in Dresden. Die Fragen stellte Michael Bartsch.

Im Jahr 2030 werden Sie sagenhafte 36 Jahre alt sein. Was beschleicht Sie beim Blick in die Zukunft, Skepsis oder Optimismus?

Das ist schwer zu sagen. Skepsis, wenn man nichts macht, keine Ziele setzt und keine Visionen hat. Zuversicht dann, wenn man sich wie heute mit solchen Themen auseinandersetzt. Wo wollen wir hin? Sonst macht jeder seins, hat vielleicht eigene Vorstellungen, aber tauscht sie nicht aus. Gemeinsam ist man stärker als einzeln, und die Kräfte gilt es zu bündeln.

Respekt! Daraus spricht die Zuversicht der handelnden Subjekte. Bürger können also steuern.

Der Idealbürger wählt nicht nur seine Politiker, er engagiert sich auch ehrenamtlich und trägt zur Diskussion über Zukunftsfragen bei. Aber ich erwarte auch von den politisch Handelnden mehr Visionen und klare Zielvorstellungen. Da wird mir zu viel verwaltet. Die Frage, wo wir als Land hinsteuern, müssen sich alle stellen.

Sie wissen von Ihrer eigenen Mitschülerklientel, wie schwer die Mobilisierung für eine "Partizipationsoffensive" fällt, wie sie Prof. Vorländer beschrieb.

Natürlich ist es schwer, jeden zu begeistern, dass er sich einbringt. Aber wenn einzelne in ihren Freundeskreisen erst einmal anfangen, sind schnell auch mehrere dabei. Engagement ist etwas Tolles, wo man nicht nur viel lernt, sondern auch Gutes tun kann. Dazu gehören aber auch niederschwellige Angebote, wo und wie sich Menschen engagieren können. Man sollte Hindernisse abbauen, statt sie zu schaffen. Viele die sich nicht engagieren, wissen gar nicht, was das für ein Spaß machen kann.

Hier sind viele ethische, humane Grundsatzfragen angesprochen und weltweite Fehlentwicklungen kritisiert worden. Themen auch für Ihre Generation?

Was man in einer Funktion öffentlich sagt oder mit Freunden diskutiert, fällt unterschiedlich aus. Als Schülervertreter reden wir kaum darüber, da es uns da um schulische Inhalte geht. Privat dann umso mehr. Wie es mit der EU weitergeht, ist nach meiner Auffassung wirklich ein Jugendthema. Einerseits findet man in Deutschland in Zeiten des Fachkräftemangels, wenn man sich nicht ganz dumm anstellt, einen Arbeitsplatz und sicheres Einkommen. Andererseits müssen wir nicht weit nur in den Süden Europas schauen, und wir finden dort Jugendarbeitslosigkeit von über 50%. Dort spricht man schon von einer verlorenen Generation. Völlig Gegensätzliche Situationen, und beides in einem Europa.

Sicherlich diskutieren Teile der jungen Menschen auch Themen wie Wachstumskritik oder ähnliches. Dies möchte ich aber nicht verallgemeinern. Es ist wichtig sich Diskussionen zu stellen und um die besten Antworten zu ringen. Dem sollte man sich nicht verschließen, aber auch nicht leichtsinnig Bewährtes aufgeben. Da muss man abwägen.

Also steht vor allem die Frage: Wie werde ich schnellstens fit für das Hamsterrad, für die Megamaschine, wie die Achtundsechziger sagten?

Ich würde es auf die Unsicherheit der Menschen schieben. Wie wirkt sich die Krise aus? Was wird noch passieren? Wie gehen wir gestärkt aus dieser Situation heraus? Das sind Fragen auf die es keine klaren, einfachen Antworten gibt und geben kann. Sie verunsichern aber viele, und es können Ängste entstehen.

Derzeit geht es uns in Deutschland und insbesondere im Freistaat Sachsen recht gut im Vergleich zu den Ländern im Süden. Bleibt dies zukünftig auch so? Im Süden Europas bedrohen mehr Ängste und Unsicherheit die Menschen. Dadurch steigt auch der selbstauferlegte Druck, man will verständlicherweise nicht zu den Verlierern gehören. Die Frage ist, wie viel Druck gesund ist, und ob es nicht auch andere Wege gibt.

Eine ironische Losung in der DDR lautete: Es ist noch viel zu tun, warten wir es ab! Wo sehen Sie im Gegensatz dazu die wichtigsten Aufgaben in Ihrem Umfeld?

Es geht über den Generationswechsel im Lehrerzimmer weit hinaus. Es ist nach wie vor inakzeptabel, dass rund zehn Prozent der Schüler keinen Abschluss erreichen. Für diese jungen Menschen ist der Teufelskreislauf in Sozialmaßnahmen fast programmiert. Aufstieg durch Bildung sieht anders aus. Sehr tragisch.

Wir müssten auch verstärkt in die Schulen schauen, was dort passiert. Nehmen wir die Lehrpläne. Hier wäre es besser, verstärkt auf Kompetenz und Methodenvermittlung zu setzen. Wissen ist sehr wichtig, es bringt mir, aber nichts, wenn ich es nicht anwenden kann. Wir erscheinen in Sachsen immer als die Bildungssieger in Deutschland, aber im europäischen Vergleich stellt sich schon die Frage, ob unsere traditionellen Bildungskonzepte ausreichen. Das Ausruhen auf Ranking-Erfolgen behindert oft die qualitative Weiterentwicklung von Schule. Dabei können und müssen wir auch als Sachsen noch eine Menge lernen.