Deutschlands Verhältnis zu Russland ist kompliziert. Die Ära der Bemühungen mit dem Kreml gute Beziehungen zu pflegen, scheint zu Ende zu gehen. Zwar sehen deutsche Politiker weiterhin die Notwendigkeit mit Russland im Dialog zu bleiben, gleichzeitig geben sie aber ihren europäischen Kollegen Recht, dass man die bisherige EU-Russlandpolitik auf den Prüfstand stellen soll. Im moderierten Gespräch mit Russlandexpertinnen und -experten möchten wir verschiedene Alternativen der weiteren Entwicklung auf der West-Ost-Achse besprechen.

Die deutsch-russischen Beziehungen hatten im europäischen Vergleich schon immer einen besonderen Status. Bundeskanzlerin Merkel setzte lange auf ein vertrauensvolles Verhältnis zu Putin, das bei internationalen Gremien wie auch bei Konflikten ein Türöffner war. Aktuell mit dem Vergiftungsfall des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny und der Demokratiebewegung in Belarus werden nun Forderungen lauter, dem Kreml stärkere Grenzen aufzuziehen und ihn zur Einhaltung internationaler Abkommen und Normen aufzufordern. In Deutschland entbrannte eine Diskussion über den Stopp der Gaspipeline Nord Stream 2 und die Europäische Union war sich schnell einig auf die autoritäre Politik des Kremls und die letzte Völkerrechtsverletzung mit neuen Sanktionen zu antworten. Ob die Sanktionen einen positiven Wendepunkt in der russischen Innen- und Außenpolitik bedeuten, ist alles andere als sicher. Aber welche Sprache sollen Deutschland und die EU mit Russland sprechen, um sich gegenseitig besser zu verstehen?