Ulbrichts Wirtschaftswunder - Wie die DDR den Westen überholen wollte

Filmaufführung mit anschließender Diskussion

Datum

25.04.2017 18:00–20:00 Uhr

Ort
Dresden, SLpB
Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Schützenhofstraße 36, 01129 Dresden, Deutschland
Ort

Veranstaltungssaal, Großes Haus

Eine filmische Dokumentation über die Zukunftsvisionen, Machtstrukturen und Wirtschaftspläne der DDR.

Der Film erzählt die Geschichte einer Illusion in den 1960er Jahren der DDR - ein fast vergessenes Stück realpolitischer Wirtschaftsgeschichte. Im Mittelpunkt steht das Neue Ökonomische System (NÖS), ein Wirtschaftsprogramm der Ulbricht-Regierung. Es sollte dem Sozialismus zum weltweiten Sieg verhelfen. Für die einen war es nur ein Rettungsprogramm für die marode DDR-Industrie, für andere die große Hoffnung auf den wirtschaftlichen Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus. Sowohl innerhalb der Partei als auch innerhalb des Staates gab es Konflikte, wie der wirtschaftspolitische Kurs in Ostdeutschland aussehen soll. Unsicherheit durchzog die Planung der sozialistischen Konjunkturbestrebungen. Ideologische Linientreue, oder ökonomisch lukrative Wirtschaftspolitik?

Die Geschichten und Fernsehträume einer besseren Zukunft dokumentieren wir anhand von Ausschnitten aus Filmen der Akademie für marxisitisch-leninistische Organisationswissenschaften („AMLO“) und des DDR-Fernsehens. Gesprächspartner dazu ist unter anderem Prof. Jörg Roesler, der als DDR-Wirtschaftswissenschaftler in Ost- Berlin die Entwicklung persönlich erlebte. Nie war die Hoffnung und das Vertrauen in den Sozialismus größer als in den 1960er Jahren. Die Führungsriege der SED glaubte an einen High-Tech Staat in naher Zukunft. Ein großer Teil der Wissenschaftler, Ökonomen und Künstler folgte ihr. Das staatliche Filmunternehmen (DEFA) drehte international respektierte Science-Fiction Filme. Selbst die florierende US-Amerikanische Filmindustrie orientierte sich an den Zukunftsentwürfen der DEFA. Über die kleine, aber einflussreiche SF-Szene der DDR gibt unter anderem Dr. Karlheinz Steinmüller Auskunft, der sich wissenschaftlich und privat mit den Technikfantasien der 60er Jahre beschäftigt. Der Gedanke, das wissenschaftlicher Fortschritt und moderne Technologien dem Sozialismus zum Sieg über den Kapitalismus verhelfen sollten, klang für viele Menschen überzeugend.

Dennoch befand sich die DDR am Anfang 60er Jahre in einer Krise: DDR Bürger wanderten zahlreich ins benachbarte Westdeutschland aus. Die Wissenschaftler und Ingenieure der BRD waren den ostdeutschen Entwicklern fast immer einen Schritt voraus. Es mangelte an Rohstoffen und die Wirtschaft war in keiner guten Verfassung. Die SED musste handeln und schloss die Grenze am 13. August 1961. Das „Neue ökonomische System der Planung und Lenkung“ sollte die DDR wieder zu wirtschaftlicher Prosperität führen. Somit sollte der Sozialismus international wettbewerbsfähig werden. Plötzlich sollte es Leistungsboni für Arbeitnehmer geben und Betriebe durften etwas selbständiger als zuvor entscheiden, wieviel sie wovon produzieren wollten. Diese Entwicklung geriet zunehmend in Konflikt mit den realpolitischen Gegebenheiten. Mit der Abdankung Chruschtschows und der Amtseinführung Breschnews wurden die Reformen in den folgenden Jahren Stück für Stück widerrufen. Die wirtschaftlich klugen Ökonomen wurden durch linientreue SED-Funktionäre ersetzt. Der anfängliche wirtschaftliche Aufschwung durch das NÖS wurde gestoppt.

Der Film beleuchtet die Vorstellungen und Zukunftshoffnungen der Menschen in der DDR und die ökonomischen Konflikte innerhalb der SED. Er gibt einen Einblick in die Hoffnungen und Träume vieler DDR-Bürger in den 1960er Jahren.

Im Anschluss an die Vorführung des Filmes diskutieren Herr Thomas Eichberg, Produzent, und Herr Dr. Karlheinz Steinmüller, Philosoph und Zukunftsforscher.


Veranstaltungsart

Filmvorführung mit Diskussion

Themengebiet
  • Diktatur - Aufarbeitung und Systemvergleich
  • Deutsche Geschichte / Geschichte allgemein
Veranstalter
SLpB - Sächsische Landeszentrale für politische Bildung
Informationen
Alexander Stiefler, SLpB

0351 853 18-14 alexander.stiefler@slpb.smk.sachsen.de

Eintritt ist kostenfrei.

Um Anmeldung wird gebeten: Alexander Stiefler, 0351 85318-14, alexander.stiefler@slpb.smk.sachsen.de

Veranstaltungsnummer

D 01

Teilnahmegebühr

keine

Anmeldung

Für diese Veranstaltung ist keine Online-Anmeldung möglich. Soweit erforderlich finden Sie alternative Anmeldemöglichkeiten im Abschnitt „Informationen“.

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