Eine besondere Herausforderung beim Aufbau der schulischen politischen Bildung in Sachsen stellte die Qualifizierung der Lehrer für das Fach Gemeinschaftskunde dar. Zwar gab es in der DDR mit der Staatsbürgerkunde ein Schulfach, das sich der Erziehung seiner jungen Staatsbürger zu „allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten“ verschrieben hatte. Wie die Ausführungen zum Beutelsbacher Konsens deutlich gemacht haben (siehe dazu Einführung zum Thema „schulische politische Bildung“), sind die Unterschiede zwischen der ideologisch geprägten Staatsbürgerkunde und der politischen Bildung innerhalb des demokratischen Staates so eklatant, dass der Wechsel vom Staatsbürgerkunde- zum Gemeinschaftskundelehrer nicht akzeptabel war.

Gemeinschaftskunde war somit ein neues Fach im Fächerkanon der Schulen und da es keine ausgebildeten Fachlehrer gab, wurde das Fach überwiegend von Lehrern mit Lehrbefähigungen für andere Fächer unterrichtet. Da der hohe Bedarf an Lehrkräften in diesem Bereich nicht durch die grundständige Lehrerausbildung gedeckt werden konnte, wird seit 1991 eine gesonderte universitäre Weiterbildungsmaßnahme für Lehrkräfte angeboten. Im Rahmen dieser berufsbegleitenden Umschulungen sächsischer Pädagogen zu Gemeinschaftskundelehrern wurden zwei Konzepte umgesetzt: Zum einen erfolgte die Weiterbildung in Form von Präsenzkursen an den Universitäten. Zum anderen wurde ein Fernstudiengang angeboten, bei dem das Selbststudium durch mehrtägige Kompaktseminare und eintägige Kolloquien ergänzt wurde. Durch die Qualifizierungsmaßnahmen konnte der fachfremd erteilte Unterricht wesentlich reduziert werden. Heute besteht jedoch noch immer ein Mangel an gut ausgebildeten Lehrern im Fach Gemeinschaftskunde, so dass die Weiterbildung in Präsenzkursen gegenwärtig noch läuft.

Eine wichtige Rolle für die Qualifizierung der sächsischen Gemeinschaftskundelehrer spielt auch das System der berufsbegleitenden Lehrerfortbildung. Das Sächsische Staatministerium für Kultus und die nachgeordneten Schulaufsichtsbehörden haben in den Jahren von 1991 bis 1993 vor allem in Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg, aber auch mit Universitäten, dem DIFF Tübingen, der Bundeszentrale und den Landeszentralen für politische Bildung Lehrerfortbildungen angeboten. Besonderer Wert wurde dabei auf die Herausbildung von Multiplikatoren gelegt, die dann ihrerseits die Fortbildung der Kollegen vor Ort anleiten konnten. Inzwischen ist ein weit verzweigtes Netz an Fortbildungsmöglichkeiten auf zentraler (Sächsisches Bildungsinstitut SBI), regionaler und lokaler Ebene (schulinterne Fortbildungen, SCHILF) entstanden. Eine weitere wichtige Maßnahme zur Sicherung der Qualität des Gemeinschaftskundeunterrichts war die Schaffung eines Netzes von Fachberatern, die den Lehrern in fachlicher, fachdidaktischer und methodischer Hinsicht zur Seite stehen sollen.