In Sachsen steht im Fach Gemeinschaftskunde/ Rechtserziehung an Oberschulen die „Aneignung demokratischer und rechtsstaatlicher Fähigkeiten der Schüler im Vordergrund“ (alle Zitate dieses Abschnitts sind aus dem Lehrplan von 2019 für das Fach Gemeinschaftskunde / Rechtserziehung an Oberschulen entnommen, siehe: https://www.schule.sachsen.de/lpdb/). Dies bedeutet, dass die Schüler lernen sollen, nach welchen Prinzipien der demokratische und soziale Rechtsstaat, in dem sie leben, funktioniert, und welche Rolle sie selbst als Bürger innerhalb dieses Gefüges einnehmen.

Um das angestrebte Leitbild eines „aktiven Bürgers“ auch tatsächlich ausfüllen zu können, ist es zunächst einmal erforderlich, dass den Schülern Grundwissen über die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die Grundsätze des Rechtsstaats und die Funktionsweise der sozialen Marktwirtschaft erwerben. Der Unterricht, der von der 7. bis 10. Klasse stattfindet, soll auf der Basis dieses Grundwissens beim Schüler Verständnis für Politik wecken und Einsicht in politische Zusammenhänge ermöglichen. Dies geschieht vor allem dadurch, dass sich die Schüler mit politischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Fragen aus ihrem Alltag auseinandersetzen wie beispielsweise den Möglichkeiten der Schülermitwirkung an ihrer Schule.

Ein grundlegendes Verständnis der Funktionsmechanismen von Politik ist der Ausgangspunkt für die „Ausprägung von Einsicht und Toleranz, die Entwicklung von Mündigkeit und Urteilsfähigkeit und die Fähigkeit zum selbstbestimmten Handeln“. Nur wer  sich auskennt im politischen System, wer die Zusammenhänge durchschaut, der erwirbt die „Fähigkeit und Bereitschaft zur aktiven Mitgestaltung von demokratischen Prozessen“, indem er seine Partizipationschancen auch aktiv nutzt. Der Unterricht versucht den Schülern somit zu vermitteln, dass es notwendig ist, sich an öffentlichen Angelegenheiten zu beteiligen. Gleichzeitig lernen die Schüler die unterschiedlichen Formen der Teilhabe an Politik und Recht kennen und üben, sich selbst auf der Grundlage der im Unterricht erworbenen Kenntnisse eine eigene Meinung zu politischen Themen zu bilden. „Die Schüler sollen in der Lage sein, eine politische Situation und ihre eigene Interessenlage zu analysieren, ein selbständiges Urteil zu gewinnen sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die Lage im Sinne ihrer Interessen zu beeinflussen.“ Die Unterrichtsgestaltung folgt dabei dem Prinzip der Kontroversität und der Problemorientierung, d.h. kontroverse Themen werden auch als solche dargestellt und aus unterschiedlichen Sichtweisen behandelt. Basis für die Urteilsbildung muss dabei die freiheitlich-demokratische Grundordnung als Grundkonsens unserer Gesellschaft sein. Darüber, inwieweit politische Bildung in der Schule auch auf Wertevermittlung ausgerichtet sein sollte, gehen die Meinungen auseinander. Aus Sicht der politischen Bildung sollte der Wertevermittlung im Unterricht ein erheblicher Stellenwert zukommen.

Während in der 7. und 8. Jahrgangsstufe die lokalen und regionalen Ebenen sowie die Landes- und Bundesebene des politischen Systems behandelt werden, wird der Blickwinkel in der 9. und 10. Klassenstufe auf die europäische und globale Ebene gelenkt. Enge Bezüge zu aktuellen Themen aus dem Erfahrungsbereich der Schüler sowie die Einbeziehung außerschulischer Lernorte wie Parlamente, Gerichte etc. sollen die Anschaulichkeit und Erfahrbarkeit des Lernstoffes erhöhen.