Das Fach Gemeinschaftskunde / Rechtserziehung / Wirtschaft (GRW) wird an sächsischen Gymnasien ab Klasse 9 im Umfang von zwei Wochenstunden unterrichtet (alle Zitate dieses Abschnitts sind dem Lehrplan des Faches Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft an Gymnasien entnommen, siehe dazu www.lehrplaene.org). Möglich ist auch – entsprechend dem jeweiligen Angebot der Schule – ab Klasse 8 die Auswahl des gesellschaftswissenschaftlichen Profils. Hier werden im Umfang von drei Wochenstunden­ –  auf der Basis der Fächer Geschichte, Gemeinschaftskunde, Geographie und Religion ­–  Probleme und Schwerpunkte des sozialwissenschaftlichen Aufgabenfeldes fächerübergreifend behandelt. Das Fach GRW leistet einen Beitrag zur Orientierung der Schüler im gegenwärtigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Geschehen. Ziel ist dabei die „Entwicklung zu einem mündigen Staatsbürger, der engagiert und verantwortungsvoll das Leben im freiheitlichen Gemeinwesen mitgestaltet“. Zu diesem Zweck sollen den Schülern über das Alltagswissen hinausgehende Kenntnisse „über Selbstverständnis und Funktionsweise des freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens“ vermittelt werden. In Klasse 9 lernen die Schüler die Grundzüge der politischen Ordnung in der Bundesrepublik und in Sachsen sowie die entsprechenden Partizipationsmöglichkeiten kennen. Ferner werden Grundlagen und Funktionen des Rechtsstaates diskutiert. In Klasse 10 werden die Grundlagen ökonomischen Handelns und die Funktionsweise der Wirtschaftsordnung vermittelt und der Blickwinkel öffnet sich hin zur internationalen Politik. Sozialordnung und ­-struktur sowie die Bedeutung der Medien in der Demokratie sind Gegenstände des Gemeinschaftskundeunterrichts in Klassenstufe 11. Der Abiturjahrgang schließlich diskutiert im Fach GRW verschiedene ordnungspolitische Vorstellungen zur Gestaltung der Wirtschaft in der globalisierten Welt und beschäftigt sich auch auf politiktheoretischer Ebene mit den Begriffen Legitimität und Herrschaft. Um wirtschaftliches Grundwissen erfahrungsbezogen und alltagsnah zu erwerben nehmen alle Schüler an Gymnasien in den Klassenstufen 9 oder 10 an Betriebspraktika teil.

Neben der Vermittlung des reinen Fachwissens erwerben die Schüler im Fach GRW auch eine fachspezifische Methodenkompetenz. So wird beispielsweise die Erstellung, Durchführung und Auswertung von Statistiken, Umfragen und Interviews ebenso geübt wie die Interpretation von Karikaturen oder der Umgang mit Originaltexten aus dem Bereich der politischen Theorie. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass die Schüler in der Lage sind, die Ergebnisse ihrer Arbeit  in angemessener Fachsprache in Wort und Schrift zu präsentieren. Von großer Bedeutung für die politische Bildung der Schüler ist auch ein kritischer Umgang mit den Medien. Auch hierzu soll der Gemeinschaftskundeunterricht anleiten.

 Zu den Zielen des Gemeinschaftskundeunterrichts gehört weiterhin die Entwicklung der Urteilsfähigkeit der Schüler. “Das Fach vermittelt ein Spektrum von Wert- und Normvorstellungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung  und grenzt sich deutlich von jenen Positionen ab, die im Widerspruch zu diesem Wertekanon mit dem Fundament der Menschenwürde stehen.“ Auf der Grundlage eigener, wertbezogener und rationaler Maßstäbe sollen die Schüler zu begründeten Urteilen politischer Entwicklungen angeleitet werden. Auffällig ist dabei, dass in den Lehrplänen für das Fach Gemeinschaftskunde an Gymnasien die Wertorientierung des Unterrichts wesentlich deutlicher formuliert wird als im Lehrplan der Mittelschulen.

Ebenso wichtig wie die eigene Urteilsbildung ist in einer Demokratie aber auch der Umgang mit anderen Meinungen. Daher gehört auch die Erziehung zur Toleranz im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu den wichtigen Unterrichtszielen. „Empathie und Perspektivwechsel ermöglichen grundsätzlich, dass unter Wahrung und Herausbildung der eigenen Identität und des Selbstwertgefühls auch die Positionen und Standpunkte anderer verstanden und als legitim toleriert werden. Diese Prämissen gelten gleichfalls für das interkulturelle Zusammenleben in der Gesellschaft.“ Zu einem mündigen Bürger gehört schließlich auch die Fähigkeit und Bereitschaft, sich aktiv am politischen Leben zu beteiligen. Dazu sollen die Schüler durch den Gemeinschaftskundeunterricht angeregt werden.

In der gymnasialen Oberstufe erhält der Unterricht im Fach GRW zunehmend wissenschaftlichen und studienvorbereitenden Charakter. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die „Besondere Lernleistung“. Sie stellt für die Schüler der gymnasialen Oberstufe eine Möglichkeit dar, mit gemeinschaftskundlichen Inhalten selbständiges, studienvorbereitendes Arbeiten zur Erlangung der Studierfähigkeit zu üben. Wird die Besondere Lernleistung als fünftes Prüfungsfach in die Abiturprüfung eingebracht, so wird vom Schüler eine schriftliche Arbeit als Dokumentation und eine Verteidigung und Präsentation in einem Kolloquium verlangt. Zunehmend wird der schulische Bereich auch durch Projekte, Arbeitsgemeinschaften und Wettbewerbe ergänzt, die eine vertiefende Beschäftigung mit Themen aus dem Bereich der politischen Bildung ermöglichen.