Die politische Jugendbildung zeichnet sich generell durch ein sehr plurales Angebot an Trägern, Themen und Methoden der Vermittlung aus. In Sachsen gab es 2017 ca. 5040 Angebote der Jugendarbeit durch freie Träger, viele dieser Träger sind auch im Bereich der politischen Jugendbildung tätig. Gerade in diesem Bereich der Jugendarbeit wirkt sich die Trägerschaft der Einrichtung natürlich auch auf die Zielrichtung und die Inhalte der Bildungsarbeit aus. Grob vereinfachend lassen sich folgende Gruppen von Trägern unterscheiden, die (mehr oder minder) aktiv im Bereich der politischen Jugendbildung sind: Jugendverbände und Jugendgemeinschaften, Kirchen und Politischen Jugendorganisationen. Eine besondere Rolle nehmen auch Jugendbildungs- und -begegnungsstätten, sowie die sächsische Jugendstiftung ein. 

Jugendverbände und Jugendgemeinschaften

Jugendverbände sind die bedeutendsten Träger im Bereich der Jugendarbeit. Diese Zusammenschlüsse bieten jungen Menschen, die Chance, sich in kleinen Gruppen und offenen Angeboten ein Lern- und Erfahrungsfeld außerhalb von Schule und Arbeitswelt zu erschließen. Kennzeichnend für Jugendverbände sind folgende Strukturmerkmale: Freiwilligkeit, Ehrenamtlichkeit, Selbstorganisation, Parteilichkeit für Kinder und Jugendliche sowie Wertorientierung. Politische Bildung und politisches Handeln geschieht in der Jugendverbandsarbeit auf drei Ebenen: Jugendverbände versuchen Einfluss zu nehmen auf politische Entscheidungen, wobei sie sich als Anwälte der Kinder und Jugendlichen verstehen. Sie vertreten ihre Interessen im öffentlichen Raum und sie leisten einen Beitrag zur politischen Sozialisation von Jugendlichen. Dabei setzt jeder Jugendverband in seiner Arbeit andere inhaltliche Schwerpunkte je nachdem, ob es sich um einen Fachverband (zum Beispiel Deutsches Jugendrotkreuz), einen Freizeitverband (zum Beispiel Naturfreundejugend), oder um eine konfessionelle oder eine gewerkschaftliche Organisation handelt. Einige Jugendverbände sehen auch in der politischen Bildung ihren Aufgabenschwerpunkt.

In Sachsen haben sich 28 landesweit tätige Jugendverbände mit zahlreichen eigenständigen Untergliederungen sowie 11 Stadt- und Kreisjugendringe und 3 Fachorganisationen im Jahr 1990 zum  Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. (KJRS) zusammengeschlossen. Das Spektrum der Mitgliedsverbände reicht dabei von der Alpenjugend über die Bläserjugend, die DGB-Jugend, die Sportjugend, die Naturschutzjugend, die evangelische Jugend bis zur Waldjugend und den Pfadfindern. Im KJRS spiegelt sich somit die Vielfalt der organisierten Jugendarbeit mit den unterschiedlichsten Wertorientierungen wider. Als Dachverband vertritt der KJRS die Anliegen und Interessen von Kindern und Jugendlichen sowie deren Organisationen.

Alle großen, landesweit tätigen freien Träger der Jugendhilfe haben sich in der 1995 gegründeten Landesarbeitsgemeinschaft Jugendarbeit (LAG) zusammengeschlossen, um ihre Arbeit untereinander zu koordinieren und effektiv zu gestalten.  Die LAG vereint heute (2019) fast 40 Einrichtungen als Mitglieder mit etwa 3000 Mitarbeitern, von denen ca. 10.000 junge Menschen betreut und auch ausgebildet werden. 

Kirchen

In der kirchlichen Jugendarbeit stellt die Vermittlung von Glaubensinhalten einen Schwerpunkt dar. Auf evangelischer Seite bündelt der Verband „Evangelische Jugend Sachsen“ die entsprechenden Angebote. Die Evangelische Jugend ist einerseits eine unverzichtbare Aufgabe der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und andererseits ein selbständiger Verband. Die Landeskirche finanziert die Arbeit des Landesjugendpfarramtes und mehrere Vollzeitstellen für Jugendarbeit auf Kirchenbezirksebene. Wöchentlich treffen sich ca. 1.000 Jugendgruppen um, meist unter ehrenamtlicher Leitung, Fragen des Lebens und des Glaubens zu bedenken, miteinander zu spielen, Feste zu feiern uvm.

In Sachsen hat sich die katholische verbandliche Kinder- und Jugendarbeit 1991 in der Landesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugend im Freistaat Sachsen (LAGS) zusammengeschlossen. Die Aufgaben der LAGS bestehen darin, die Jugendverbandsarbeit in den Bistümern Dresden-Meißen und Görlitz zu fördern sowie ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter für ihre Tätigkeit zu qualifizieren. Ihr obliegt es, die jugendpolitische, pädagogische und politische Arbeit ihrer Mitglieder zu begleiten und zu koordinieren. Die LAGS wurde gegründet, um Jugendpolitik und Jugendrecht mit zu gestalten und die Vertreter in den Stadt- und Kreisjugendringen und Jugendhilfeausschüssen zu beraten und zu unterstützen.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es auch noch eine Vielzahl anderer konfessioneller Verbände, die sich im Bereich der Jugendarbeit engagieren.

Auch die Wohlfahrtsverbände sind im Bereich der Jugendarbeit tätig, allerdings beschränkt sich ihre Arbeit überwiegend auf soziale und karitative Tätigkeiten,  in der politischen Jugendbildung sind sie selten aktiv. Eine Ausnahme bildet hier die Arbeiterwohlfahrt (AWO): Der AWO Landesverband Sachsen unterstützt alle Gliederungen der sächsischen Arbeiterwohlfahrt, dabei, passgenaue Angebote und Rahmenbedingungen für jugendliches Engagement unter dem Dach unseres Wohlfahrtsverbands zu ermöglichen. Ziel ist die zeitgemäße Ansprache und Bindung junger Menschen an den Mitgliederverband oder einzelne soziale Einrichtungen, um die Werte der AWO, Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Toleranz und Gerechtigkeit im sozialen Engagement zu vermitteln und die Gelegenheit zu geben, Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen konkret zu helfen.

Politische Jugendorganisationen

Politische Jugendorganisationen stehen meistens einer politischen Partei nahe, deren Ziele sie im Rahmen ihrer Bildungsarbeit vermitteln. Alle im sächsischen Landtag vertretenen Parteien sind auch mit ihren entsprechenden Jugendorganisationen in Sachsen präsent:

Die Jugendorganisation der sächsischen CDU ist die Junge Union Sachsen und Niederschlesien, die sich als politisch und organisatorisch selbständige Interessenvereinigung der jungen Generation versteht. Die Junge Union Sachsen und Niederschlesien bekennt sich zu den Zielen und Grundsätzen der Jungen Union Deutschlands (JU). Deren politisches Handeln ist u.a. auf folgende Ziele ausgerichtet: "auf ein würdiges Leben für alle, die Verwirklichung, Erhaltung und Weiterentwicklung von Frieden, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit sowie auf die Sicherung einer lebenswerten Zukunft für Mensch und Natur." (Grundsatzprogramm der JU Deutschland 2012)

Auch die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD (Jusos) als sozialdemokratische Jugendorganisation verfügt über einen sächsischen Ableger, die Jusos Sachsen. Sie bezeichnen sich als „sozialistischer, internationalistischer und feministischer Jugendverband, der sich den Grundwerten des demokratischen Sozialismus verbunden fühlt“  (Grundwerteprogramm der Jusos Sachsen). Die Jusos Sachsen verstehen sich als Interessenvertretung junger Menschen und wollen deren Anliegen gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vertreten. Sie verstehen es als ihre Aufgabe, „neue Ideen und gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen und in die Politik hineinzutragen“.

Auch das grüne Spektrum verfügt über eine eigene Jugendorganisation, in der sich junge Menschen unter 28 unter dem Namen Grüne Jugend Sachsen für eine „ökologischere und sozial gerechtere Welt“ (Internetseiten der Grünen Jugend Sachsen) einsetzen. Die Grüne Jugend Sachsen versteht sich als politische Jugendorganisation von Bündnis 90/ Die Grünen, bezeichnet sich aber als unabhängig im Einsatz für grüne Politik „mit und ohne die Partei“. Auf der Tagesordnung stehen umweltpolitische Themen, feministische und Genderthemen, Bildungspolitik und mehr Bürgerbeteiligung ebenso wie der Einsatz gegen Rassismus und Faschismus.

Auch die FDP-nahe Jugendorganisation Junge Liberale verfügt über einen Regionalverband in Sachsen, der sich als Jungliberale Aktion (JuliA) bezeichnet. Sie hat sich das Ziel gesetzt, Politik attraktiver für Jugendliche zu machen und setzt sich für „Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, Eigeninitiative und Marktwirtschaft“ ein (Internetseite der JuliA).

In der Linksjugend Sachsen sind alle Mitglieder der Partei Die Linke unter 27 Jahren sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten zusammengeschlossen. Die Linksjugend Sachsen hat folgendes Selbstverständnis: "Wir haben uns als linker Jugendverband zusammengeschlossen, weil wir diese Gesellschaft grundlegend verändern wollen. Mit euch wollen wir den Weg zu einer anderen, einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft beschreiten. Dieser Weg ist in dem von uns geschriebenen Programm skizziert. Pragmatische – also morgen umsetzbare – Politik verbinden wir hier mit gesellschaftlichen Visionen. Wir wollen ein öffentliches Bewusstsein für linke Themen schaffen, junge Menschen für unsere Ideen gewinnen und laut und selbstbewusst Forderungen zu stellen." (Selbstverständnis der Linksjugend Sachsen)

Auch die AfD ist mit ihrer Jugendorganisation, der Jungen Alternative (JA) in Sachsen vertreten. In ihrem Deutschlandplan verkünden sie folgendes Selbstverständnis: Die Junge Alternative begreift sich als konservativ-freiheitliche Kraft, deren oberstes Ziel der Erhalt unserer Nation und unserer Kultur ist. Freiheit, Wohlstand, Sicherheit sowie Demokratie und Souveränität sind die Grundpfeiler, an denen sich unser Handeln ausrichtet. Ideologien und supranationale Organisationen, welche diese tangieren, werden wir mit der notwendigen Entschlossenheit bekämpfen."

Jugendbildungs- und -begegnungsstätten

Politische Bildungsarbeit im Jugendbereich findet häufig auch in Jugendbildungs- und -begegnungsstätten statt. Die große Mehrzahl dieser Einrichtungen befindet sich in freier Trägerschaft und hat meist einen überörtlichen Einzugsbereich. In den Jugendbildungsstätten finden Kurse, Seminare und Tagungen für Jugendliche und Mitarbeiter im Jugendbereich statt.

Einen Schwerpunkt in der politischen Jugendarbeit in Sachsen, der häufig in derartigen Einrichtungen stattfindet, bilden die internationale Jugendbegegnung und der Jugendaustausch. Im Mittelpunkt dieser Maßnahmen stehen gegenseitiges Kennenlernen, Wahrnehmung und Verarbeitung von nationalen Stereotypen und Vorurteilen, kultureller Austausch sowie die Fähigkeit zum interkulturellen Verstehen und Handeln. Die Studie „Jugend 2005 in Sachsen“ (PDF-Datei) ergab, dass 28 Prozent der sächsischen Jugendlichen der Meinung waren, dass der Ausländeranteil in Sachsen zu hoch sei (bundesweit ist er einer der niedrigsten!). Auch in der Shell Jugendstudie 2015 wurde festgestellt, dass Jugendliche aus den östlichen Bundesländern (inkl. Berlin) häufiger Vorbehalte gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen haben als Jugendliche aus den westlichen Bundesländern. Eine türkische Familie wird in östlichen Bundesländern von 30 % der Jugendlichen, in westlichen Bundesländern hingegen nur von 18 % abgelehnt. Gegen eine Aussiedlerfamilie aus Russland sprechen sich 24 % in östlichen Bundesländern und 16 % in westlichen Bundesländern aus. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Lage des Freistaates an der Grenze zu Polen und Tschechien herrscht auf diesem Teilgebiet der politischen Jugendbildung ein besonderer Handlungsbedarf.

Eine wichtige Rolle bei der interkulturellen Jugendbegegnung spielen Jugendwerke wie das Deutsch-Französische und das Deutsch-Polnische Jugendwerk. Gemeinsam mit freien Trägern wie beispielsweise dem Jugendprojekt im Muskauer Park e.V. führen die Jugendwerke Veranstaltungen für Multiplikatoren und Organisatoren des grenznahen deutsch-polnischen Jugendaustauschs durch.

Auch im Rahmen der Brücke/Most-Stiftung finden Jugendbegegnungen über die Grenzen hinweg statt. Ein Beispiel für derartige Einrichtungen ist das deutsch-tschechische Jugendforum, das eine Gruppen von 40 Jugendlichen aus beiden Ländern umfasst, deren gemeinsames Ziel die Verbesserung der deutsch-tschechischen Beziehungen und die Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit ist. Das deutsch-tschechische Jugendforum soll dazu dienen, die Akteure beider Länder im Jugendbereich besser miteinander zu vernetzen. Die Dresdner Brücke/Most-Stiftung gehört zu den Mitinitiatoren dieses Forums und hat es seit seinem Bestehen immer wieder durch Beratung und Bereitstellung von Räumlichkeiten unterstützt.

Auch Jugendbegegnungsstätten, in denen sich junge Menschen aus verschiedenen Ländern und Nationen im Rahmen pädagogisch geprägter Veranstaltungen treffen, spielen eine wichtige Rolle in der politischen Jugendbildung, zu nennen wäre hier beispielsweise das internationale Begegnungszentrum St. Marienthal in Ostritz.

Sonstige Gruppen und Initiativen

Auch auf kommunaler und regionaler Ebene haben sich – außerhalb der „etablierten“ Strukturen der Jugendbildung – eine Reihe von Vereinen, Initiativen und Selbsthilfegruppen gebildet, die politische Bildungsarbeit für Jugendliche leisten und zumeist aus staatlichen Mitteln gefördert werden. Insbesondere als Reaktion auf das Anwachsen des Rechtsextremismus in Sachsen entstand eine Vielzahl von regionalen Initiativen zur politischen Jugendbildung, deren Aufzählung den Rahmen dieser Darstellung bei weitem sprengen würde. Viele dieser lokalen Initiativen und Vereine, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus zur Wehr setzen, haben sich im „Netzwerk tolerantes Sachsen“ zusammengeschlossen. Häufig finden sich in Sachsen gerade in diesem  Themenbereich der politischen Jugendbildung auch Projekte, die von öffentlichen Trägern initiiert und gefördert werden, deren Durchführung aber in Händen von freien Trägern liegt. Beispielhaft kann  hier das Modellprojekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung „Sächsische Jugend für Demokratie“ genannt werden. Es wird zusammen mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz durchgeführt. Das Projekt soll junge Menschen ermutigen, „sich aktiv für ein tolerantes und demokratisches Miteinander einzusetzen“ und soll so zur Prävention von Gewalt und Rassismus beitragen (Internetseite Demokratisches Sachsen).

Sächsische Jugendstiftung

Wie bereits dargestellt, wird der Bereich der politischen Jugendbildung im Allgemeinen von den freien Trägern dominiert. Eine Ausnahme bildet hier die Sächsische Jugendstiftung, die 1997 auf Beschluss des Sächsischen Landtages ins Leben gerufen wurde. Neben der Förderung der Jugendhilfe aus öffentlichen Mitteln sollte hier eine Möglichkeit geschaffen werden, auch jene Jugendinitiativen und informellen Jugendgruppen zu unterstützen, bei denen eine Förderung aus öffentlichen Mitteln nicht oder nicht wirksam möglich war. „Die Stiftung unterstützt vor allem solche Projekte, Aktionen und Initiativen, die im Freistaat wirken bzw. beheimatet sind, wesentlich in der Selbstverantwortung der Kinder und Jugendlichen liegen und sich durch Originalität, Kreativität und Eigeninitiative auszeichnen. Die Projekte sollen Gemeinsinn und Verantwortungsbereitschaft sowie gegenseitiges Verständnis fördern, vorbildhaft nach außen wirken und aktuellen Erfordernissen entsprechen.“ (Internetseite der Sächsischen Jugendstiftung) Viele der geförderten Maßnahmen stammen aus dem Bereich der politischen Jugendbildung, beispielsweise wird ein freiwilliges soziales Jahr für Jugendliche im Bereich der Politik gefördert.