Neben den Kenntnissen im Bereich der politischen Bildung, die durch die Schule im Fach Gemeinschaftskunde vermittelt werden, haben junge Menschen auch die Möglichkeit, sich im außerschulischen Bereich in den verschiedensten Einrichtungen politisch zu bilden. Diese so genannte außerschulische politische Jugendbildung verfolgt im Wesentlichen dieselben Ziele wie die politische Erwachsenbildung: Es sollen Kenntnisse über politische Strukturen und Prozesse vermittelt, die Kritik- und Urteilsfähigkeit der Jugendlichen gestärkt und schließlich auch zur aktiven Teilnahme am politischen Geschehen motiviert werden. Politische Jugendbildung soll „jungen Menschen Kenntnisse über Gesellschaft und Staat, europäische und internationale Politik einschließlich der politisch und sozial bedeutsamen Entwicklungen in Kultur, Wirtschaft, Technik und Wissenschaft vermitteln. Sie soll die Urteilsbildung über gesellschaftliche und politische Vorgänge und Konflikte ermöglichen, zur Wahrnehmung eigener Rechte und Interessen ebenso wie der Pflichten und Verantwortlichkeiten gegenüber Mitmenschen, Gesellschaft und Umwelt befähigen sowie zur Mitwirkung an der Gestaltung einer freiheitlich-demokratischen Gesellschafts- und Staatsordnung anregen.“ (aus: Kinder- und Jugendplan der Bundesregierung vom 19. Dezember 2000)

Politische Jugendbildung findet in Sachsen unter schwierigen Rahmenbedingungen statt. Der Geburtenrückgang nach der Wende und der Trend zur Abwanderung vor allem junger Menschen haben dazu geführt, dass der Freistaat Sachsen bundesweit die älteste Bevölkerung hat. Auch in Zukunft wird die sächsische Bevölkerung weiter schrumpfen und altern. Der Anteil der Bevölkerung bis unter 20 Jahre nimmt von heute 16,9 Prozent auf 14,9 Prozent im Jahr 2020 ab. Spiegelbildlich nimmt der Anteil der Bevölkerung über 60 Jahre von gegenwärtig 28,9 auf 36,3 Prozent zu. Das Durchschnittsalter ist seit 1990 bereits von 39,4 Jahren auf 44,4 Jahre gestiegen und wird sich bis 2020 auf 48,8 Jahre erhöhen.  Zwischen 1990 und 2004 ist das Durchschnittsalter der Sachsen um fünf Jahre auf  44,4 Jahre angestiegen (Quelle: Bericht der Expertenkommission Demographischer Wandel Sachsen aus dem November 2006). Angesichts dieser demographischen Entwicklung und der zunehmenden Alterung der Gesellschaft ist es besonders wichtig, dass junge Menschen lernen, ihre Wünsche und Interessen in angemessener Weise im Prozess der politischen Willensbildung zu artikulieren. Gelingt dies nicht, so kann es alleine schon aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit der älteren Generation zu einer einseitigen Ausrichtung der Politik an den Interessen der Älteren kommen.

Deutschlandweit ist das Interesse von Jugendlichen für Politik eher gering, die politische Bildung konkurriert mit einer Vielzahl anderer Freizeitangebote für Jugendliche. 2005 gaben 20 Prozent der sächsischen Jugendlichen an, sich für Ereignisse aus der Politik und dem öffentlichen Leben sehr stark oder stark zu interessieren. Die Shell-Jugendstudie 2006 beziffert den Anteil der politisch interessierten Jugendlichen bundesweit auf 39 Prozent, Sachsen liegt hier also unter dem Durchschnitt. 44 Prozent der sächsischen Jugendlichen interessierten sich weniger oder gar nicht für Politik (Studie Jugend 2005 in Sachsen, PDF-Datei, 770 kb). Gegenüber dem Jahr 2003 ist das politische Interesse damit weiter gesunken. Erstaunlich ist jedoch die Tatsache, dass sich die Meinungen über die politischen Einflussmöglichkeiten des Einzelnen in Sachsen gegenüber 2003 positiv verändert haben. Zwar überwiegt nach wie vor eine kritische Unzufriedenheit, der Anteil derer, die die politischen Einflussmöglichkeiten im Lande für voll und ganz oder im großen und ganzen ausreichend befinden, hat sich jedoch von 8 auf 24 Prozent erhöht. Über die Ursachen dieses Stimmungsumschwungs und die Frage, ob er durch Maßnahmen der politischen Jugendbildung herbeigeführt wurde, lässt sich nur spekulieren. Fest steht zumindest, dass die Überzeugung des Einzelnen, über politische Einflussmöglichkeiten zu verfügen, ein wichtiger Baustein für die Akzeptanz der Demokratie ist. Jenseits aller Diskussionen über extremistische Einstellungen vor allem bei Jugendlichen in den östlichen Bundesländern kommt die 15. Shell-Jugendstudie zu dem Ergebnis, dass mit 73 Prozent  auch eine wachsende Mehrheit der Jugendlichen in den neuen Bundesländern die Demokratie für eine gute Staatsform hält (zum Vergleich: 2002 lag diese Zahl noch bei 64%).