Erwerbstätigkeit und -neigung

Der wirtschaftliche Transformationsprozess seit der Wende hatte auch für den sächsischen Arbeitsmarkt grundlegende Auswirkungen. Zwischen 1991 und 2003 nahm in Sachsen die Zahl der Erwerbstätigen um 320.000 Personen oder 15 % ab. Seit 2006 ist nun wieder ein Anstieg der Erwerbstätigenzahl festzustellen. Im Jahresdurchschnitt 2008 waren in Sachsen rund 1,93 Mio. Personen erwerbstätig. Damit stieg die Zahl der Erwerbstätigen geringfügig gegenüber dem Vorjahr an. Zugleich wurde im Jahr 2008 der höchste Stand an Erwerbstätigen in Sachsen seit dem Jahr 2000 erreicht. Im Jahr 2009 erreichte die Wirtschaftskrise auch den sächsischen Arbeitsmarkt: Um 0,9 Prozent bzw. 17.000 Personen sank erstmals seit 2005 die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt. Deutschlandweit sank 2009 die Erwerbstätigenzahl zum Vorjahr um 0,1 Prozent. Der Rückgang der Erwerbstätigenzahlen fiel somit in Sachsen stärker aus als im bundesdeutschen Durchschnitt und auch stärker als im Schnitt der neuen Länder (-0,5 Prozent in 2009, siehe dazu Graphiken).
Diese Entwicklung muss allerdings vor den Hintergrund der hohen Erwerbsneigung der Sachsen gesehen werden, die über dem Niveau des früheren Bundesgebietes liegt. Im Jahr 2008 erreichte die sächsische Erwerbsquote (Anteil der Erwerbspersonen je 100 der Bevölkerung der jeweiligen Altersgruppe) 52,9 %. Bei Männern lag sie bei 57,9 bei Frauen bei 48,2 %. Mit einer Erwerbsquote von 92,9 % liegen die sächsischen Frauen zwischen 40 und 45 Jahren deutlich über den Vergleichswerten ihrer westdeutschen Geschlechtsgenossinnen.

Seit Beginn der 90er Jahre ist eine kontinuierliche Zunahme der Anzahl der Selbständigen zu verzeichnen. 2003 waren 10,3 % aller Erwerbstätigen selbständig, 2006 waren es bereits 12 %, 2008 war mit einer Selbständigenquote von 10,7 Prozent ein Rückgang in der Anzahl der Selbständigen zu verzeichnen. Damit liegt der Freistaat über dem Durchschnitt der neuen Flächenländer (10,3 Prozent). Deutschlandweit liegt der Selbständigenanteil bei 11,6 Prozent, der Freistaat ist hier also nur unterdurchschnittlich. Auch die Art der Beschäftigung hat sich im Laufe der Zeit verändert: Der Vollzeitjob gehört für viele der Vergangenheit an, immer mehr Beschäftigte arbeiten Teilzeit. 2008 waren es in Sachsen 18,6 Prozent, darunter rund 83 Prozent Frauen. Nicht immer wird jedoch der Beschäftigungsumfang freiwillig reduziert, so hat im Jahr 2008 die Kurzarbeit um 37,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Viele Betriebe reagieren mit dieser Maßnahme auf die schlechte Wirtschaftslage und hoffen, ihre Mitarbeiter bald wieder voll beschäftigen zu können. Bessert sich die Wirtschaftslage jedoch nicht in absehbarer Zeit, so ist die Kurzarbeit für viele Beschäftigte die Vorstufe zur Arbeitslosigkeit.

Arbeitslosigkeit

Nach einem vorläufigen Höhepunkt von 20 % im Jahr 2005 ist die sächsische Arbeitslosenquote rückläufig. 2006 betrug sie 18,9 %, im Jahr 2007 waren im Jahresdurchschnitt 14,7 % aller zivilen Erwerbspersonen in Sachsen arbeitslos (Neue Bundesländer und Berlin 15,1 %, Deutschland 9 %). 2008 waren in Sachsen im Jahresdurchschnitt 12,8 Prozent aller zivilen Erwerbspersonen arbeitslos. Unter den neuen Bundesländern hat Sachsen damit nach Thüringen die niedrigste Arbeitslosenquote. Verglichen mit der gesamtdeutschen Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent ist das sächsische Ergebnis aber nach wie vor schlecht. Von 2002 bis 2007 ist auch der Anteil der Empfänger von Arbeitslosengeld II an der Gesamtbevölkerung in Sachsen um 2,5 Prozentpunkte gestiegen, im Bundesdurchschnitt stieg er nur um 1,4 Prozent (Bundesländerranking der INSM). Dies zeigt, dass der Anteil der Langzeitarbeitslosen im Freistaat verhältnismäßig hoch ist. Im Jahr 2008 waren  36,4 Prozent der Arbeitslosen vier Jahre und länger ohne Beschäftigung, bei den Frauen waren es gar 41,6 Prozent. Dies stellt für den Freistaat nicht nur ein finanzielles sondern auch ein gesellschaftliches Problem dar, denn es stellt sich die Frage, wie es gelingen kann, diesen Menschen auch außerhalb der Erwerbsarbeit eine sinnvolle Lebensperspektive aufzuzeigen, denn viele dieser oft älteren Arbeitnehmer fühlen sich als „Opfer der Wende“. Erfreulich ist dagegen der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit um 14 Prozent im Jahr 2008.

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit und der Unterbeschäftigung liegt die Ausstattung des Freistaates Sachsen mit Arbeitsplätzen nicht nur höher als in allen anderen ostdeutschen Flächenländern, sondern auch günstiger als in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Gemessen am Indikator der Arbeitsplatzdichte belegt der Freistaat Sachsen im Jahr 2007 mit 459 Personen den sechsten Platz unter den 13 Flächenländern der Bundesrepublik und hat gleichzeitig die höchste Quote unter den neuen Ländern.

Qualifikation

Sachsen verfügt über ein großes Potenzial an fachlich gut ausgebildeten Arbeitskräften. Die Qualifikationsstruktur der Bevölkerung stellt einen wichtigen Standortvorteil für den Freistaat dar. Der Anteil gering Qualifizierter liegt hier im europäischen Vergleich extrem niedrig, der Anteil hoch Qualifizierter dagegen deutlich über dem EU-Durchschnitt. Jeder dritte Erwerbstätige in Sachsen hat einen Abschluss als Meister, von einer Fach- oder Fachhochschule oder einen Hochschulabschluss; in den alten Ländern ist es nur jeder Vierte. Alleine sieben Universitäten bzw. universitäre Einrichtungen sind in Sachsen ansässig. Rund 46 Prozent aller Forscher und Entwickler, die in den neuen Flächenländern tätig sind, arbeiten in Sachsen. Der Freistaat muss jedoch aufpassen, dass er sein hohes Qualifikationsniveau, das teilweise noch aus der Vergangenheit resultiert, auch in Zukunft erhalten kann: Von 2004 bis 2007 stieg der Anteil der Hochschulabsolventen an allen Beschäftigten in Sachsen nur um 0,2 Prozent, bundesweit waren es 0,6 Prozent (Bundesländerranking der INSM).
Dass sie ihre Kenntnisse auch praktisch verwerten können, stellten die sächsischen Tüftler vielfach unter Beweis: 2008 kamen rund 40 % der Patentanmeldungen der neuen Flächenländer aus Sachsen. Die Patentintensität stieg in Sachsen von 2004 bis 2007 um drei angemeldete Patente je 100.000 Einwohner und lag damit bundesweit auf dem zweiten Rang.

Einkommen

Im Zuge des wirtschaftlichen Transformationsprozesses sind die Einkommen der privaten Haushalte deutlich angestiegen. Beim Lohn- und Gehaltsniveau der Arbeitnehmer hat sich Sachsen dem Bundesdurchschnitt jedoch noch nicht so weit angenähert. Im Bundesländerranking erreichte Sachsen bei der Entwicklung des verfügbaren Einkommens je Einwohner den letzten Platz. Von 2004 bis 2006 stieg das verfügbare Einkommen im Freistaat nur um 1,6 Prozent, bundesweit betrug der Anstieg dagegen 3,8 Prozent. Ein Arbeitnehmer verdiente in Sachsen im Jahr 2008 durchschnittlich 22.565 Euro, im Bundesdurchschnitt betrug der Jahresverdienst 27.754 Euro. Der Abstand zwischen dem sächsischen und dem gesamtdeutschen Verdienst verharrt seit 2005 bei etwa 19 Prozent und betrug aktuell knapp 5.200 Euro pro Jahr. Obwohl der sächsische Durchschnittsverdienst somit relativ gering ist, liegt er dennoch um 195 Euro über dem Durchschnitt der neuen Länder. Große Einkommensunterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Branchen. Am höchsten sind die Verdienste im Produzierenden Gewerbe am niedrigsten in der Land- und Forstwirtschaft. Je nach Wirtschaftsbereich fällt die Annäherung des Gehaltsniveaus an den nationalen Durchschnitt sehr unterschiedlich aus. Während im öffentlichen Dienst die Bruttolöhne bereits annähernd Westniveau erreicht haben, liegt das Lohnniveau im verarbeitenden Gewerbe noch weit unter dem Niveau des früheren Bundesgebietes. Was von Nachteil für die Arbeitnehmer in Sachsen ist, freut auf der anderen Seite die potenziellen Investoren, denn die Lohnstückkosten liegen durch die niedrigen Verdienste in der sächsischen Industrie um 6,4 Prozent (2008) unter dem Vergleichswert der alten Bundesländer.

Weitere Informationen

1.
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit (Hrsg.),
Standort Sachsen
im Vergleich mit anderen Regionen 2007,
Dresden 2007.

2.
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit (Hrsg.),
Existenzgründung in Sachsen,
Sächsischer Mittelstandsbericht 2008,
Dresden 2008.

3.
Wirtschaftsförderung Sachsen (Hrsg.),
Sachsen, Ein Land in Bewegung,
Dresden 2009.

4.
Arbeitsgemeinschaft der Sächs. Handwerkskammern/ Die Sächs. Industrie- und Handwerkskammern (Hrsg.),
Wirtschaftsatlas Sachsen 2007,
Dresden 2007.

5.
Karlsch, Rainer/ Schäfer, Michael:
Wirtschaftsgeschichte Sachsens im Industriezeitalter,
Dresden/Leipzig 2006.
(erhältlich bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung)

6.
Heß, Ulrich:
Unternehmer in Sachsen,
Motive, Selbstverständnis, Verantwortung,
Leipzig 2006.
(erhältlich bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung)

7.
Paqué, Karl-Heinz:
Transformationspolitik in Ostdeutschland: Ein Teilerfolg,
in: APuZ 28/2009, S. 22-27.

8.
Paqué, Karl-Heinz:
Die Bilanz.
Eine wirtschaftliche Analyse der deutschen Einheit,
Bonn 2010.
(Erhältlich bei der Bundeszentrale für politische Bildung)

9.
Walla, Wolfgang:
Wirtschaftliche Entwicklung in Ost- und Westdeutschland seit 1989,
in: Deutschland und Europa Heft 58/2009, S.20-23

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