Die DDR war in den 1980er Jahren von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verfallserscheinungen gekennzeichnet. Die greise DDR-Führung weigerte sich, erforderliche wirtschaftliche Veränderungen zu vollziehen. Wenngleich ein vergleichsweise hoher Lebensstandard existierte, stagnierte die Wirtschaft und der ökonomische Zusammenbruch zeichnete sich deutlich ab. Die horrende Staatsverschuldung vor allem gegenüber der BRD, konnte den wirtschaftlichen Verfall nicht stoppen, sondern nur bremsen. Die DDR stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Vom großen Bruder aus Moskau war keine Unterstützung zu erwarten, zu groß waren die eigenen Probleme, durch den nicht zu gewinnenden Rüstungswettlauf mit den USA.

Fast im gesamten Ostblock (allen voran in der Sowjetunion aber auch in Polen und Ungarn) kam es zu kleinen Reformschritten. Den Reformprozess von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung), welcher Mitte der 1980er Jahre in der Sowjetunion von Michail Gorbatschow eingeleitet wurde, lehnte die SED-Spitze strikt ab. Die DDR-Führung schottete sich sogar gegenüber sowjetischen Reformbestrebungen ab und das, obwohl die SED die Führungsrolle der KPdSU als verbindlich anerkannte. Reden und Interviews sowjetischer Funktionäre wurden phasenweise nur verkürzt wiedergegeben. 1988 wurde die deutschsprachige sowjetische Zeitschrift "Sputnik" in der DDR quasi verboten, was auf breite Ablehnung selbst in weiten Teilen der SED-Basis stieß.

Die SED-Führung wurde zusätzlich von der Sowjetunion verunsichert, als Gorbatschow am 13. Juli 1989 formell die Breschnew-Doktrin, die den Schutz der sozialistischen Gemeinschaft gewährleisten sollte, außer Kraft setzte. Im Zuge der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR mahnte Gorbatschow öffentlich die Reformunfähigkeit der SED an: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“

 

Gefälschte Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989

Anstatt den Weg der vorsichtigen Reformen zu gehen, verfiel die SED-Führung ihrer überholten Strategie der Durchhalteparolen und Repressionen. Die Propaganda und der Überwachungsapparat wurden gestärkt. Das Ergebnis war eine wachsende Verärgerung in der Bevölkerung, die sich im Auswanderungsstrom und der Zunahme von Oppositionsgruppen kanalisierte.

Große Unzufriedenheit in der Bevölkerung entstand durch die offensichtlich gefälschten Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989. Vor der Wahl versuchte das SED-Regime, dem Anspruch demokratischer Wahlen gerecht zu werden. Es wurden unabhängige Wahlbeobachter zugelassen und die Bevölkerung sollte an der Aufstellung der Kandidatenlisten beteiligt werden. Die Vorschläge von Oppositionsgruppen fanden allerdings keine Berücksichtigung auf den Wahlzetteln, sodass zum Boykott der Wahlen bzw. zur Abstimmung mit "Nein" aufgerufen wurde. Nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse wurde schnell deutlich, dass diese manipuliert waren. Oppositionsgruppen kritisieren vehement die Fälschung. Es gab Protestresolutionen, vereinzelte Demonstrationen und Strafanzeigen wegen Wahlfälschung. Diese Aktionen offenbarten das wachsende Selbstbewusstsein der oppositionellen Gruppen. Durch die Berichte westlicher Medien verbreiteten sich diese Meldungen in der DDR und weltweit.

Die SED-Führung ließ an ihrer Machtentschlossenheit keinen Zweifel aufkommen. Die deutliche Zustimmung der DDR-Führung zum Massaker der chinesischen Regierung an den Protestierenden auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 in Peking, beunruhigte die Bevölkerung. Während der Herbst-Demonstrationen schwang immer die Angst vor einem ähnlichen Vorgehen in der DDR mit.