Görlitz, Niesky, Leipzig und Dresden Zentren des Aufstandes

Wirtschaftlich und gesellschaftlich befand sich die DDR Anfang der 1950er in einer Krise. Der „Aufbau des Sozialismus“ sollte durch Zwangskollektivierungen, Unterdrückung privater Unternehmen sowie einer industriellen Ausrichtung auf die Schwerindustrie erreicht werden. Versorgungsschwierigkeiten der Bevölkerung waren unter anderem die Folge. Dem Arbeitsmarkt mangelte es an Fachkräften und durch die Bildung der Kasernierten Volkspolizei, wurden diesem zusätzlich wertvollen Kräfte entzogen. Dies alles waren Gründe dafür, dass viele Menschen in die Bundesrepublik flohen. Allein im Jahr 1952 flüchteten über 184.000 Bürger der DDR in den Westen.

Mit dem Tod Josef Stalins, wuchsen in der Bevölkerung Hoffnungen auf Reformen. Eine Reihe von Neuregelungen, die das Zentralkomitee der SED im Mai 1953 beschloss, sollte der wirtschaftlichen Fehlentwicklung entgegensteuern. Unter anderem wurde eine Erhöhung der Arbeitsnorm von 10% empfohlen. In weiten Teilen der Bevölkerung stießen die Vorschläge des Zentralkomitees auf Ablehnung.

 

Eingeständnis "begangener Fehler der Regierung und staatlicher Verwaltungsorgane"

Auf sowjetischen Druck hin mussten zum 11. Juni 1953 zentrale Maßnahmen zurückgenommen werden. Dieser als „Neuer Kurs“ bezeichnete programmatische Wandel sorgte in der Bevölkerung kaum für Entspannung. Die Partei gestand in Beschlüssen des Ministerrates „begangene Fehler der Regierung und der staatlichen Verwaltungsorgane“ ein. Dieses Zugeständnis kam weiten Teilen der Bevölkerung einer Bankrotterklärung gleich. Da die Normerhöhung jedoch nicht zurückgenommen wurde, wuchs der Unmut insbesondere bei der Arbeiterschaft und so kam es bereits am 16. Juni zu ersten Arbeitsniederlegungen in Berlin und Leipziger Vororten.

Während in Sachsen Görlitz, Niesky, Leipzig und Dresden die Zentren des Aufstandes bildeten, blieb es in Chemnitz und Bautzen relativ ruhig. In ca. 700 Orten der DDR gab es Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen. Anfangs blieben die Demonstrationen meist friedlich. Im Laufe des Tages wurden vielerorts öffentliche Gebäude besetzt. In einigen Städten Sachsens wurden Gefängnisse gestürmt und zumeist politische Häftlinge befreit. Es kam auch vereinzelt zu Lynchaktionen gegen Funktionäre. In Görlitz konstituierte sich ein zwanzigköpfiges Stadtkomitee, welches provisorisch die Geschäfte der Stadt übernehmen wollte. Parallel wurde eine Bürgerwehr gegründet, um Plünderungen und Vandalismus vorzubeugen. In Zwickau demonstrierten 200 Kumpel der Wismut, von denen anschließend 36 verhaftet wurden. In Dresden und Leipzig protestierten Tausende und zogen die Straßen auf und ab, immer mehr Betriebe traten in den Ausstand.

 

Auflösung der Demonstrationen mit massiver Gewalt

Mit Hilfe von sowjetischen Verbänden und teils unter Verwendung massiver Gewalt gelang es der Staatsmacht bis zum Abend, die meisten Demonstrationen aufzulösen. Einige Betriebe in Sachsen traten erst am 18. Juni in den Ausstand. Andere, wie die Stahlwerke in Riesa oder Betriebe in Freiberg und Dresden, streikten noch einige Tage weiter.

Durch die Vorkommnisse vom 17. Juni stieg die Verfolgung Oppositioneller auch in Sachsen stark an. Die Haftanstalten in Bautzen, Waldheim und Zwickau füllten sich mit politisch Inhaftierten. Seit der Gründung der DDR, bis zum Bau der Berliner Mauer 1961, flohen über 2,5 Millionen Menschen in den Westen.