Moderne Waffensysteme und Pferdefuhrwerke

In Europa wurde mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien eine riesige Kriegsmaschinerie in Gang gesetzt. "Maschinerie" auch deshalb, weil in diesem Krieg modernste Waffen zum ersten Mal zum Einsatz kamen, beispielsweise Flugzeuge, Panzer und Nervengas. Auch spielte das gut ausgebaute Schienennetz der Bahn eine große Rolle, da hierüber schnell Truppen und Kriegsgerät in die Nähe der Front gebracht werden konnten - im Laufe des Krieges sollte die Eisenbahn aber an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Trotz der fortschrittlichen Waffensysteme bestanden große Teile des Heeres noch immer aus Pferdefuhrwagen zum Transport und Infanteristen, die zumeist nur mit rückständigen Waffen ins Feld geschickt wurden.

 

Vom lokalen Konflikt zum Weltkrieg

Binnen kürzester Zeit wurde aus dem lokal begrenzten Konflikt auf dem Balkan ein europäischer Land- und daraus ein Weltkrieg. Im Südosten und Osten Europas kämpften die Österreicher gegen Serbien und Russland. Die Deutschen drangen über Belgien nach Frankreich ein, was die mit den Franzosen verbündeten Briten zum Anlass nahmen, gegen Deutschland vorzugehen. Zugleich kämpfte das Deutsche Reich im Nordosten gegen Russland führte also von Beginn an einen Zweifrontenkrieg.
1915 trat Italien in den Krieg ein, Rumänien und Griechenland schlossen sich in den beiden Folgejahren jeweils auf Seiten der Alliierten an. Die Mittelmächte wurden durch die Türkei und Bulgarien unterstützt. 1917 traten auch die USA in den Krieg ein, bereits 1914 hatte Japan Deutschland den Krieg erklärt.

Die Westfront

Eines der wichtigsten Kriegsziele des Deutschen Reiches war der Sieg über den "Erbfeind" Frankreich. Nach dem Schlieffen-Plan sollten zunächst die französischen Truppen von Norden umschlossen und besiegt werden, bevor der Kampf an der Ostfront gegen Russland fortgesetzt werden sollte. General von Moltke scheiterte mit dieser Strategie auf ganzer Linie, die Franzosen leisteten erbitterten Widerstand und der Durchmarsch durch Belgien rief die Briten auf den Plan. Schon nach einem Monat kam der aggressive Eroberungsfeldzug im Westen ins Stocken und wurde zum Stellungskrieg - Hunderttausende Soldaten, eingegraben in Nordfrankreich und Südbelgien kamen ums Leben, ohne dass ihr Tod militärisch bedeutend gewesen war. Keine Seite konnte danach entscheidende Landgewinne für sich verbuchen, der dauerhafte Belagerungszustand an der Front zermürbte die Truppen.

Verbrüderung an der Westfront

Inmitten der grausamen Stellungskriege und Schlachten schrieb der Erste Weltkrieg auch andere Geschichten. Zu den bemerkenswertesten Episoden gehört die Verbrüderung britischer und deutscher (präziser: sächsischer) Soldaten in Fleurbaix an der Westfront an Heiligabend 1914, der 2005 mit Daniel Brühl in der Hauptrolle in "Merry Christmas" ein filmisches Denkmal gesetzt wurde.

Die Oberste Heeresleitung der Deutschen wusste um die Wichtigkeit von Weihnachten, um die Moral der eigenen Truppen wieder zu heben und schaffte mit erheblichem Aufwand Tannenbäume und Luxuslebensmittel wie Schokolade an die Front - bestimmt nur für die eigenen Truppen. Die Deutschen behielten diese Gaben aber nicht nur für sich, sondern suchten den friedlichen Austausch mit dem Gegner, der in manchen Fällen nur hundert Meter entfernt im Schützengraben aushalten musste. Statt sich zu beschießen, teilten die Soldaten an jenen Weihnachtstagen ihre Mahlzeiten miteinander, musizierten oder spielten Fußball, um dem grauen Frontalltag zu entfliehen. Fleurbaix war kein Einzelfall, solche Verbrüderungen lassen sich für die gesamte Westfront belegen. Dass diese bis heute eher unbekannt sind, ist auf die erfolgreichen Bemühungen der Propaganda zurückzuführen, die friedlichen Feiern aus den Nachrichten zu halten.

Die Entwicklung im Osten

In Osteuropa verlief der Krieg zunächst nicht so statisch, was auch der mangelhaften Mobilmachung Russlands zuzuschreiben war. Die Schlacht bei Tannenberg 1914 (mit erheblichen Landgewinnen für das deutsche Heer) war der größte militärische Erfolg des  Kaiserreiches. Doch ebenso wie bei allen anderen europäischen Mächten, waren auch die militärischen Kapazitäten des Kaiserreiches alsbald erschöpft. Die unzureichende Vorbereitung auf einen Krieg vor 1914 zeigte sich nun auf immer dramatischere Weise. Frontruppen konnten nicht mit Lebensmitteln und Munition versorgt werden, die Gefallenen nicht schnell genug durch frische Truppen ersetzt werden, die - kamen sie dann - schlecht ausgebildet waren.

Im Laufe des Jahres 1917 ereignete sich in Russland ein politischer Umsturz, der Zar musste abdanken und wurde zunächst durch eine provisorische Regierung ersetzt, die nach der Oktoberrevolution durch eine kommunistische Regierung abgelöst wurde. Der militärischen Niederlage folgte nun ein schmachvoller Friedensschluss, der als Gewaltfrieden von Brest-Litowsk bekannt wurde. Sowjetrussland musste große Gebiete abtreten und das Glück schien wieder auf der Seite der Deutschen zu sein.

Nun war es möglich, so die Überlegung der OHL, alle verfügbaren Kräfte im Westen zu bündeln und so das Ziel einer maßlosen Eroberung zu verfolgen. Nach mehr als drei Jahren Krieg waren aber alle beteiligten europäischen Staaten wirtschaftlich wie militärisch erschöpft. Zudem wurde der Krieg durch den Eintritt der USA im Jahr 1917 entscheidend zugunsten von England und Frankreich gewendet. Es kam Anfang 1918 unter anderem in Deutschland zu großen Streiks, welche die Militärführungen dazu verleiteten, alles auf eine Karte zu setzen. Mit wenigen wuchtigen Schlägen würde es gelingen, die zermürbten alliierten Truppen in Nordfrankreich zu schlagen - so das Kalkül von Erich Ludendorff , der die dritte OHL führte. Sowohl diese Entscheidungsschlacht als auch die Operation Michael; (bis Juli 1918) brachten keine entscheidenden Geländegewinne und zwangen die OHL zu dem (späten) Eingeständnis, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen sei. Eine Kapitulation des deutschen Kaiserreiches, "Frieden um jeden Preis", war unausweichlich.

De facto waren die militärischen Neuerungen auf gegnerischer Seite (so die Panzer) und die alliierten Truppen der deutschen Armee qualitativ und zahlenmäßig weit überlegen. Für die eingetretene Niederlage verantwortlich gemacht wurden von der OHL aber die Mehrheitsparteien im Reichstag, welche zusammen mit der so genannten Heimatfront den  im Felde angeblich unbesiegten Truppen die Unterstützung verweigerte.