Auf der internationalen Ebene stellt die EU eine einzigartige Form eines Zusammenschlusses von Staaten dar, die sich als Gemeinschaft eigener Art zwischen den beiden Polen „Bundesstaat“ und „Staatenbund“ befindet und nach dem Prinzip der Integration strukturiert ist.

Nach diesem Prinzip überträgt der einzelne Staat in einem begrenzten Politikbereich Souveränitätsrechte an eine überstaatliche (= supranationale) Organisation, die dann quasi „staatsähnlich“ als eigene Rechtspersönlichkeit handelt. Erstmals ist dies in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) geschehen, die 1951 gegründet wurde. Heute hat sich diese Abgabe von Souveränität durch die Mitgliedstaaten an die EU auf zahlreiche Politikfelder ausgedehnt, in denen die EU selbständig Rechtsverordnungen erlassen kann, die für jeden Bürger gelten. Die EU hat somit als supranationale Organisation, die über den einzelnen Mitgliedstaaten agiert, die Souveränitätsrechte des Nationalstaates durchbrochen und ist in der Lage, unmittelbar als Legislative Recht zu setzen.

Diese Möglichkeit gilt jedoch bei weitem nicht für alle Politikbereiche und Institutionen. Die EU umfasst heute teils überstaatliche (=supranationale), teils zwischenstaatliche (=intergouvernementale) Institutionen und Politikbereiche. Beispiele für diese zwischenstaatlich geregelten Felder der Zusammenarbeit sind die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und die Polizeiliche und juristische Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS). In diesen Bereichen funktioniert die Zusammenarbeit nicht nach dem Prinzip der Integration sondern nach dem Prinzip der Kooperation, das für die Arbeit internationaler Organisationen bis heute prägend ist. Es leitet sich aus den Grundsätzen des Völkerrechts, das heißt der Souveränität der Nationalstaaten und dem Gebot der Nichteinmischung in innere staatliche Angelegenheiten ab. Bei dieser Form der Zusammenarbeit erfolgt keine Übertragung staatsrechtlicher Kompetenzen auf eine supranationale Ebene, die volle Handlungszuständigkeit verbleibt beim Einzelstaat. Da alle Mitgliedstaaten die gleichen Rechte haben, sind gemeinsame Entscheidungen meist nur durch Einstimmigkeit zu erzielen.

Im Prinzip lassen sich die Auseinandersetzungen, die seit Bestehen der ersten europäischen Gemeinschaften bis zur heutigen Auseinandersetzung um die europäischen Verfassung über Prinzipien und Leitbilder der europäischen Integration geführt werden, auf eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Extremen „Bundesstaat“, arbeitend nach dem Integrationsprinzip, versus „Staatenbund“, arbeitend nach dem Kooperationsprinzip, zurückführen. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil vom 12. Oktober 1993 zum Maastrichter Vertrag dieser Problematik dadurch Rechnung getragen, dass es die EU als einen „Staatenverbund“ qualifiziert hat.