Ausgehend von einer Initiative des neuen französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou trafen die Staats- und Regierungschefs der EG am 1. und 2. Dezember 1969 zu einem Gipfeltreffen in Den Haag zusammen, das die Gemeinschaft aus der Krise führen sollte. Von dem Treffen, bei dem zugleich erstmalig die Staats- und Regierungschefs die Führung in der EG übernahmen, gingen wichtige Impulse für deren Weiterentwicklung aus: Es wurde beschlossen, für die Finanzierung der Gemeinschaft schrittweise Eigeneinnahmen zur Verfügung zu stellen, die Haushaltsbefugnisse des EP wurden erweitert, es sollte ein Stufenplan zur Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion ausgearbeitet werden, die politische Zusammenarbeit sollte auf neue Felder ausgedehnt werden und man vereinbarte Verhandlungen zwischen der EG und den beitrittswilligen Staaten.

1970 vereinbarten die Staaten die Gründung der Europäischen Politischen Zusammenarbeit (EPZ) um sich gegenseitig besser in außenpolitischen Fragen abstimmen und gemeinsame Positionen in internationalen Organisationen vertreten zu können. Diese Zusammenarbeit erfolgt jedoch außerhalb der eigentlichen Gemeinschaft auf der Basis der freiwilligen Zusammenarbeit der Regierungen.

Beflügelt von den Erfolgen der EPZ erklärten die Staats- und Regierungschefs bei einem Gipfeltreffen im Oktober 1972 in Paris ihren Willen, die Wirtschaftsgemeinschaft der Römischen Verträge zu einer politischen Union auszuweiten. In diesem Zusammenhang fiel auch erstmals das Stichwort der „Europäischen Union“.

1973 kam es zur ersten Erweiterung der Gemeinschaft: Großbritannien, Dänemark und Irland traten der EG bei. In Norwegen entschied sich die Bevölkerung gegen den Beitritt zur EG. Durch diese Norderweiterung verschob sich das politische Gleichgewicht innerhalb der Gemeinschaft; die „Achse Paris-Bonn“, die die Politik der EG über weite Strecken bestimmt hat, erhielt nun durch Großbritannien ein Gegengewicht. Zugleich verschoben sich die Schwerpunkte der Europapolitik von der politischen hin zur wirtschaftlichen Integration.

1974 wurde durch den Beschluss der Staats- und Regierungschefs der Europäische Rat gegründet. Heute stellt diese regelmäßig tagende Runde der Staatschefs, auch „Gipfel“ genannt, einen der zentralen Impulsgeber der EU-Politik dar.

1975 legte der belgische Premier Leo Tindemans im Auftrag der Staats- und Regierungschefs einen Bericht mit dem Titel „Gesamtkonzeption der Politischen Union“ vor. Dieser unter dem Namen „Tindemans-Bericht“ bekannt gewordene Reformvorschlag sah eine über die EPZ hinausgehende Zusammenarbeit der EG-Staaten, die Verwirklichung einer Wirtschafts- und Währungsunion, die Verstärkung der Sozial-, Regional- und Forschungspolitik der Gemeinschaft vor, plädierte für eine Erweiterung der Rechte des EP und legte ein Konzept einer Gemeinschaft der „zwei Geschwindigkeiten“ für die Staaten vor. Für die konkrete Politik blieb dieser Bericht zunächst folgenlos, befand sich die Gemeinschaft doch ab Mitte der 70er Jahre in einem Zustand der Lähmung, der von vielen Beobachtern als „Eurosklerose“ charakterisiert wurde. Es hatten sich Schwierigkeiten bei der Verwirklichung des gemeinsamen Marktes gezeigt, Europas Stellung auf dem Weltmarkt und seine Wettbewerbsfähigkeit gerieten in Gefahr und auch die Schwerfälligkeit des Entscheidungssystems im Rat wirkte als „Hemmschuh“ für die Weiterentwicklung der Gemeinschaft.

1978 wurde das Europäische Währungssystem EWS auf Initiative Deutschlands und Frankreichs ins Leben gerufen. Durch die Zusammenarbeit der Regierungen und Zentralbanken der am System beteiligten Länder sollten die Kursschwankungen der beteiligten Währungen innerhalb einer Bandbreite von 2,25 Prozent gehalten werden. Für die Wirtschaft in den beteiligten Staaten wirkte sich diese relative Währungsstabilität günstig aus. Der Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr in der EG wurde vor Wechselkursrisiken bewahrt und den Unternehmen wurden exakte Kalkulationen im Außenhandel erleichtert. Für die EG insgesamt erwies sich das EWS als sehr positiv, es half den Regierungen, die Inflation zu bekämpfen und auf den Weg des wirtschaftlichen Wachstums zurückzukehren, den gemeinsamen Markt zu bewahren, vernünftige Wechselkurse aufrechtzuerhalten und lieferte die Grundlage für eine europäische monetäre Identität. Auf diese Weise schuf das EWS die  Grundlage für den Binnenmarkt und war zugleich Voraussetzung für die spätere Währungsunion. (vgl. Brunn, S. 227)

1979 fanden erstmals Direktwahlen zum Europäischen Parlament statt. Zum ersten Mal konnten damit die Bürger direkten Einfluss auf die Gestaltung europäischer Politik nehmen. Auch wenn das Parlament damals noch kaum weit reichende Befugnisse hatte, stellt dies doch eine neue Qualität in der europäischen Politik dar. Zugleich wurden die Forderungen nach einer Erweiterung der Rechte des Parlaments immer lauter.

Gründungsstaaten / EG der 6 seit 1951
Bundesrepublik Deutschland
Französische Republik
Italienische Republik
Königreich der Niederlande
Königreich Belgien
Großherzogtum Luxemburg

Erweiterung zur EG der 9 im Jahre 1973
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
Königreich Dänemark
Republik Irland

Erweiterung zur EG der 10 im Jahre 1981
Griechische Republik

Erweiterung zur EG der 12 im Jahre 1986
Königreich Spanien
Portugiesische Republik

Erweiterung zur EU der 15 im Jahre 1995
Königreich Schweden
Republik Österreich
Republik Finnland

Erweiterung zur EU der 25 im Jahre 2004
Republik Estland
Republik Lettland
Republik Litauen
Republik Malta
Republik Polen
Slowakische Republik
Republik Slowenien
Tschechische Republik
Republik Ungarn
Republik Zypern

Erweiterung zur EU der 27 im Jahre 2007
Republik Bulgarien
Republik Rumänien

Erweiterung zur EU der 28 im Jahre 2013
Republik Kroatien