Die Auseinandersetzung mit dem Jahresthema verspricht spannend zu werden, haben sich doch über Jahrhunderte große und kleinere Geister, Philosophen und Herrscher dringlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Situationen, in denen Toleranz eingefordert oder in Frage gestellt wurden, sind also der Geschichte, zumal der deutschen, nicht fremd. 

Im 16. Jahrhundert wurde das Verb tolerieren aus dem lateinischen tolerare (ertragen, erdulden) entlehnt, sprachgeschichtlich verwandt ist es mit dem deutschen dulden.  Im Zuge der Aufklärung im 18. Jahrhundert kam mit dem Adjektiv tolerant und dem Substantiv Toleranz die Bedeutung „duldsam, nachsichtig, großzügig, weitherzig“, bzw. „großzügige Geisteshaltung“ ins Spiel, die uns heute noch geläufig ist.

Als Anregung und stellvertretend für zahllose Diskussionen des Toleranzbegriffs sei hier der Philosoph Karl Popper (1902 - 1994) zitiert, der 1944 im Exil schrieb: „Weniger bekannt ist das Paradox der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen. Damit wünsche ich nicht zu sagen, dass wir z.B. intolerante Philosophien auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten; solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können, wäre ihre Unterdrückung sicher höchst unvernünftig. Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch nehmen, sie, wenn nötig, mit Gewalt zu unterdrücken...“ (Popper, Karl, „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“).

Jährlich am 16. November wird der Welttag der Toleranz begangen,  ausgerufen 1995 von der 28. UNESCO - Generalkonferenz, denn für diese ist „Toleranz ist nicht nur ein hochgeschätztes Prinzip, sondern eine notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker“.

 

6. April 2017: Fake News und digitaler Hass – brauchen wir eine neue Medienethik?

Youtube Video: Donnerstagsgespräch: Dr. Catarina Katzer - Fake News. Brauchen wir eine neue Medienethik?
Youtube Video: Donnerstagsgespräch: Dr. Catarina Katzer - Digitaler Hass. Brauchen wir eine neue Medienethik?

Dr. Catarina Katzer (Volkswirtin, Soziologin & Cyberpsychologin) im Donnerstagsgespräch. Angesichts von Fake News (Teil 1) und digitalen Hasskulturen (Teil 2) fragt sie nach einer neuen Medienethik?

Nächste Veranstaltungen

Datum / Ort Titel
28.–30.11.2017
Dresden
Einander wertschätzend begegnen Seminar
07.12.2017
Bautzen
Nachdenken über Zivilcourage Lesung mit Diskussion
21.12.2017
Plauen
Zivilcourage Ausstellung

Weitere Termine finden Sie in der Veranstaltungsübersicht

UNESCO-Erklärung zur Toleranz von 1995

Was bedeutet Toleranz im politischen, sozialen, gesellschaftlichen, zwischenstaatlichen Miteinander? Der erste Artikel der UNESCO-Erklärung hält fest, was Toleranz ist - und was nicht.

1.1  Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Gefördert wird sie durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens. Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg. Sie ist nicht nur moralische Verpflichtung, sondern auch eine politische und rechtliche Notwendigkeit. Toleranz ist eine Tugend, die den Frieden ermöglicht, und trägt dazu bei, den Kult des Krieges durch eine Kultur des Friedens zu überwinden.

1.2  Toleranz ist nicht gleichbedeutend mit Nachgeben, Herablassung oder Nachsicht. Toleranz ist vor allem eine aktive Einstellung, die sich stützt auf die Anerkennung der allgemeingültigen Menschenrechte und Grundfreiheiten anderer. Keinesfalls darf sie dazu mißbraucht werden, irgendwelche Einschränkungen dieser Grundwerte zu rechtfertigen. Toleranz muß geübt werden von einzelnen, von Gruppen und von Staaten.

1.3   Toleranz ist der Schlußstein, der die Menschenrechte, den Pluralismus (auch den kulturellen Pluralismus), die Demokratie und den Rechtsstaat zusammenhält. Sie schließt die Zurückweisung jeglichen Dogmatismus und Absolutismus ein und bekräftigt die in den internationalen Menschenrechtsdokumenten formulierten Normen.

1.4   In Übereinstimmung mit der Achtung der Menschenrechte bedeutet praktizierte Toleranz weder das Tolerieren sozialen Unrechts noch die Aufgabe oder Schwächung der eigenen Überzeugungen. Sie bedeutet für jeden einzelnen Freiheit der Wahl seiner Überzeugungen, aber gleichzeitig auch Anerkennung der gleichen Wahlfreiheit für die anderen. Toleranz bedeutet die Anerkennung der Tatsache, daß alle Menschen, natürlich mit allen Unterschieden ihrer Erscheinungsform, Situation, Sprache, Verhaltensweisen und Werte, das Recht haben, in Frieden zu leben und so zu bleiben, wie sie sind. Dazu gehört auch, daß die eigenen Ansichten anderen nicht aufgezwungen werden dürfen.“

Über Toleranz und ihre Grenzen in der Politischen Bildung - Bericht zur Partnerkonferenz "Voll gestört?! Politische Bildung in Zeiten von Intoleranz"
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"Wir sind alle gemacht aus Schwächen und Fehlern. Darum sei erstes Naturgesetz, daß wir uns wechselseitig unsere Dummheiten verzeihen."

(Voltaire im Philosophischen Wörterbuch zum Stichwort Toleranz)

 

 

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Vortrag von Professor Stefan Hradil zum Thema "Die Grenzen der Toleranz - Ansichtssache, Sachzwänge oder was?“ gehalten bei der Tagung der Evangelischen Akademie Meißen am 21./22. Januar 2017.

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