SLpB-Publikationsangebot: Woher kommen die Bücher und wer trifft die Auswahl?

Der eine oder die andere unserer politisch interessierten Bücherwürmer wird sich vielleicht schon einmal gefragt haben: Wie kommt eigentlich das Publikationsprogramm der Landeszentrale zustande? Wer entscheidet nach welchen Kriterien über die Buchtitel, die den Bürgerinnen und Bürgern stets aktuell und kostenfrei angeboten werden, und dies mit halbjährlichen Neuzugängen seit inzwischen schon über 25 Jahren?

Über der Auswahl der Buchtitel liegt natürlich kein geheimnisvoller Schleier mystischer Verschwiegenheit. Die Frage nach der Zuständigkeit ist sehr schnell beantwortet: Verantwortlich für die Pflege und Aktualisierung des Programmangebots ist der Leiter des insgesamt siebenköpfigen Referats 3 der SLpB, dem sich neben der Publikationsausgabe auch die Bibliothek zuordnet. Diese Tätigkeit wird seit vielen Jahren von Werner Rellecke ausgeübt, der sich bei der Titelauswahl natürlich auch von seinen zuständigen Mitarbeitern beraten lässt.

Bei den Buchtiteln ist zunächst zwischen den Angeboten zur Geschichte, Landeskunde und Politik Sachsens einerseits und den überregionalen politischen und historischen Titeln andererseits zu unterscheiden.

Erstere werden meist in Zusammenarbeit mit bekannten sächsischen Autoren oder Institutionen und Verlagen realisiert. Entweder werden der Landeszentrale interessante Buchprojekte angeboten oder die Landeszentrale schlägt ihrerseits Buchthemen vor bzw. vergibt gleichsam Auftragsarbeiten. Die Auswahlkriterien reichen dabei von der Themenrelevanz aufgrund aktueller politischer Entwicklungen (z.B. Extremismus, Flüchtlinge, Populismus etc.) bis hin zu historischen Anlässen wie bedeutsamen Gedenk- oder Jahrestagen. Wenn sich aus Erfahrung eine starke Büchernachfrage zu einem bestimmten Thema erwarten lässt, erhöht dies natürlich den Stellenwert der Umsetzung, und zwar speziell dann, wenn das bisherige Programmangebot zum gegebenen Thema eine Fehlstelle aufweist oder ggf. ehemals angebotene Publikationen vergriffen sind und stark nachgefragt waren. Nicht selten erfolgt bei den rein sächsischen Buchtiteln im Entstehungsprozess eine begleitende lektorierende Tätigkeit seitens der Landeszentrale.

Bei den überregionalen Titeln zu politischen und historischen Themen gestaltet sich die Auswahl ein wenig anders. Grundsätzlich gleich ist zwar das inhaltliche Aktualitäts- und Relevanzgebot ebenso wie das Qualitäts- und Kontroversitätsgebot. Konkret bedeutet dies, dass der Buchinhalt eine Problematik umfassend, ausgewogen und unter Widerspiegelung aller relevanten Positionen abbildet, ohne dabei "überwältigend" zu wirken. Nicht zuletzt deswegen wird übrigens im Programmangebot auf Biografien ebenso verzichtet wie auf Porträts einzelner politischer Parteien.

Der Unterschied bei den allgemeinen und überregionalen Themen liegt vielmehr darin, dass sich auch die anderen Landeszentralen sowie die Bundeszentrale für politische Bildung für entsprechende Buchneuerscheinungen interessieren könnten und diese womöglich ebenfalls in ihre Publikationsangebote aufzunehmen erwägen. Dabei ist in der großen Mehrzahl der Fälle von solchen politischen und historischen Buchtiteln die Rede, die von den großen deutschen Buchverlagen neu angeboten werden. Um zwischen den Zentralen für politische Bildung einen Informationsaustausch zu aktuellen Neuerscheinungen zu gewährleisten und um sich diese Titel gegenseitig vorzustellen und zu diskutieren, findet halbjährlich die "Fachkonferenz Publikationen" statt, wo Vertreter aller Zentralen zusammenkommen und in mehrtägigen Sitzungen über ca. 50 bis 70 der wichtigsten neuen Titel beraten (s. Foto). Im günstigsten Fall sind im Ergebnis mehrere oder viele Zentralen gleichzeitig bereit, bestimmte Buchtitel in ihr jeweiliges Publikationsangebot aufzunehmen.

Kriterien für die Anschaffungsentscheidungen der einzelnen Ländervertreter bei der Konferenz sind vor allem:
·         allgemein positive Buchtitelkritik,
·         thematischer Bedarf aufgrund erwartbarer Nachfrage (unter Berücksichtigung etwaiger  
          ähnlicher Titel im bereits bestehenden Programmangebot),
·         verlagsseitiger Angebotspreis in Abhängigkeit von gemeinsam erzielter Bestellmenge,
·         eigene Prioritätensetzungen sowie
·         Verfügbarkeit von Finanzmitteln.

Bei den überregionalen Titeln bestimmt in gewissem Maße auch das Angebot die Nachfrage, d.h. man muss sehen, was der Buchmarkt (d.h. das Angebot der großen sowie der fachlich einschlägigen Buchverlage) an Neuerscheinungen hergibt. Nicht immer deckt dieses Angebot alle "erwünschten" Themen ab, denn die Landeszentrale ist bemüht, neben Titeln zu ganz aktuellen Entwicklungen (z.B. Reichsbürger, Darknet etc.) auch ein stets aktuelles Grundlagenangebot zu den wichtigen Themen der Politik bereitzustellen (z.B. institutionenkundliche Titel zum politischen System, Gesellschaft, Wirtschaft, Recht, Grundlagen der politischen Bildung etc.). Wenn beispielsweise wieder einmal kein überzeugendes neues Werk zur Europäischen Union vorliegen sollte, geht für das Referat 3 die Ausschau eben weiter: Zweimal jährlich veröffentlicht die Landeszentrale ein neues Publikationsverzeichnis, und darin gibt es in der Regel jedesmal 20 bis 30 neue Titel. Was jetzt nicht dabei ist, kommt eben beim nächsten Mal, denn für das Referat 3 gilt: Nach dem Publikationsverzeichnis ist vor dem Publikationsverzeichnis!

Joachim Amm