Blog der Landeszentrale

Gedanken zu Politik, politischer Bildung und Zeitgeschehen von Mitarbeitern und Gästen. Alle Beiträge sind Namensbeiträge und vertreten die Position des jeweiligen Autors. 

Kampf ohne Verlierer

Sechs Matadore, sechs Minuten, drei Juroren, eine Goldene Basecap – das sind die Zutaten für einen fulminanten Dichterwettstreit mit akutem Unterhaltungswert und nachhaltiger Nachdenklichkeitsgarantie.

Fast voller Kahn. Spannung vor dem ersten Vorhang.

Cornelius Pollmer überzeugte mit einer fulminanten Rede, einem klaren Wahlprogramm und großzügigen Postenversprechen.

Als Trophäe gab's die Goldene Basecap von Moderator und Landeszentralen-Direktor Roland Löffler.

Silber ging an Lisa Zosel (Flugzeughändlerin aus Bautzen), Günter Bruntsch (Präsident des Industrieclubs Sachsen), Toni Kiel (Plant Values), Ingrid Mössiger (Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, a.D.) und Jörg Schaldach (Tiefpreisbestatter aus Meissen) (v.lnr.). Für würdige Stimmung sorgte Christoph Uschner am Cello.

Einen blutigen Kampf hatten sich Veranstalter und Juroren – freilich augenzwinkernd – beim 8. Battle der Generationen gewünscht. Aber wer auf getrennte Lager und verbissene Hiebe und Stiche spekuliert hatte, wurde enttäuscht. Am Ende des langen, aber kurzweiligen Abends saßen die Siegerinnen und Sieger in einträchtigem Rund. An Mut, Tapferkeit, vibrierenden Nerven und geschliffenen Rhetorik-Klingen mangelte es jedoch nicht bei den klugen Matadoren, die am 19. September die Arena auf dem Theaterkahn betraten und sich im Wettstreit um das goldene Cap zum Thema Geld-Macht-Leidenschaft um Kopf und Kragen artikulierten.

Alte gegen Junge traten beim Kampf der Generationen auf kabarettistische Weise in den Ring und kamen unabhängig voneinander zu dem Schluss: Ein Kampf gegeneinander ist kontraproduktiv. Nur eine gemeinschaftliche Räuberleiter hilft Generationsbarrieren überwinden. Adjustiert wurden die Recken und Reckinnen scharfzüngig und gelehrt von Franziska Schubert und Werner J. Patzelt.

Die Aufwärmphase übernahm herkuleskeulenschwingend das Dialektwunder Erik Lehmann, mit dessen Standard sich die anschließenden Wort-Salven durchaus messen konnten – wenn sie ihn in Spontanität und Charme nicht sogar übertrafen. Das erste Los fiel auf Dr. h.c. Ingrid Mössinger. Ein Glückstreffer! Die waschechte Ritterin und erprobte Kulturamazone aus Chemnitz entführte das Publikum auf einen 6-minütigen Galopp durch ein Museum der Leidenschaft von der Antike bis Voltaire, der den nachfolgenden Beiträgen den kulturhistorischen Teppich ausrollte.

Tino Kiel knüpfte mit der ersten Wortmeldung aus dem Herzen der Generation Y an. Mit Enthusiasmus und einer unschlagbaren Nuance edlen Weltretter-Esprits stellte der idealistische Realist und umweltbewusste Unternehmensberater die unbequeme Frage nach dem Verbleib der Leidenschaft in der Gesellschaft. Erschöpft sich die Leidenschaft zum Aufbegehren bei den digital natives im Liken kritischer Artikel auf social-media-Plattformen? Und was ist eigentlich aus den Revoluzzern der 68er-Bewegung geworden? Visionen braucht das Land, deklarierte Tino Kiel und war sich sicher: gemeinsam sind sie zu gestalten.

Gevatter Schaldach, der Bestatter, dem die Grauen vertrauen, zeigt sich unterhaltsam und lebenslustig. Er setzte den Fokus auf das liebe Geld und klagte über die Herausforderung, es auszugeben. Die Lieblingskleidungsstücke des Mannes mit dem Händchen für Realsatire (Spielhose und Sozialhilfejacke), dessen faszinierender Beruf im Laufe des Abends zahlreiche Witzvorlagen lieferte, gingen in das kollektive Gedächtnis des Abends ein.

Lisa Zosel, Verkäuferin von Ultraleichtflugzeugen aus Bautzen, machte sich schick, schön und schlau auf zu höchsten Höhen und streifte bei ihren Überlegungen endlich Wolke Sieben: Sie dachte Leidenschaft mit Liebe und fragte sich nach den Erfüllungsstrategien ihrer Generation zwischen Disney-Romantik und Dating-App. Nach langen Testreihen am Ende ihres Lateins richtete sie sich mit einer Bitte an die älteren Semester: Verratet uns, wie ewige Liebe geht!

Dr. Günter Bruntsch, der Chemiker mit der Multikulti-Familie zwischen Nordsee und Alpenland und Industrie-Guru des ersten Ost-West-Joint-Ventures, machte seine Biografie zum Exempel und führte dem Publikum die Extraktion von Lebensglück aus den Ausgangsstoffen Leidenschaft, Macht und Geld vor.

Und schließlich betrat der Letzte, der Erster werden sollte, den Ring. „Charmebolzen“ Cornelius Pollmer wickelte das Dresdner Publikum auf dem schwankenden Kahn mit der Vision einer neuen Staatsform, der „Demografie“, um den Finger. Das Prinzip: Wir lassen ab jetzt alles so, wie es ist. Keine Wahlen, keine veränderten Spielpläne, kein Auf- oder Abstieg von Mannschaften. „Wir warten einfach, bis wir tot sind.“ Für ihn schnellten bei der Auswertung die meisten Sachsen-Fähnchen in die Höhe. Beängstigend oder nicht: Der Redakteur der Süddeutschen traf mit Wortgewandtheit und Intellekt den Nagel auf den Kopf und katapultierte seine Wählerschaft aus der Politikverdrossenheit in die Zukunftseuphorie.

Was Kabarett alles kann …