Blog der Landeszentrale

Gedanken zu Politik, politischer Bildung und Zeitgeschehen von Mitarbeitern und Gästen. Alle Beiträge sind Namensbeiträge und vertreten die Position des jeweiligen Autors. 

1. Sächsische Friedensfahrt

Nette Menschen kennenlernen. Geballte Wissensvermittlung. Wohltuende Bewegung. Dies soll keine Aufzählung der ereignisreichen Woche sein, sondern vielmehr eigene Gedanken zu dem Gehörten und Erlebten bei der SLpB-Friedensfahrt vom 30. April bis 8. Mai 2016.

Abendrunde mit Gitarre

Unsere Gruppe: fahrradbegeistert, geschichtsinteressiert und im Alter zwischen 15 und 74 Jahren

Rund 300 km sind fast geschafft

Empfang in Dresden durch den Ersten Bürgermeister Detlef Sittel und Frauenkirchen-Pfarrer Sebastian Feydt

Arbeitseinsatz auf dem sowjetischen Garnisonfriedhof mit prominenter Unterstützung durch Uwe Steimle

Mit einer fahrradbegeisterten Truppe im Alter 15-74 Jahren war eine interessante Ausgangslage gegeben. Schon die Gespräche am ersten Abend zeigten, dass man auch bei unterschiedlichen Standpunkten zu aktuellen Themen gut miteinander reden konnte. Nach der Gesangsrunde mit Unterstützung durch Michael Bartsch mit seiner Gitarre am zweiten Abend sind wir noch weiter zusammengerückt.

Alle Dozenten Dr. Spannenberger, Herr Weber, Herr Gerlach und Herr Andert hatten sich gründlich vorbereitet. Bei dem Besuch im Schloss Altranstedt, den Orten der Völkerschlacht, Wermsdorf mit seinen zwei Schlössern und der Friedenskirche in Altkötschenbroda kam es zur geballten Wissensvermittlung zu den geschichtlichen Ereignissen. Soviel Geschichte habe ich noch nie innerhalb eine Woche gehört.

Bei der Führung durch das Torhaus von Markkleeberg sprach Herr Gerlach einen bemerkenswerten Aspekt zur Völkerschlacht an. Die heute gängige Sicht auf die Völkerschlacht ist eine von Preußen geprägte Sicht. Diese berücksichtigt nicht die eigentlichen Verhältnisse. Zum Beispiel hatten nicht die Preußen das Oberkommando, sondern es war Feldmarschall Karl Phillip Fürst Schwarzenberg, also ein Österreicher. Mal sehen ob es irgendwann zu einer Korrektur der Geschichtsschreibung kommt?!

Während der Führung im Schloss Hubertusburg durch Herrn Müller sorgte das Orgelspiel in der Schlosskapelle für eine stimmungsvolle Bereicherung der Friedensfahrt.

Besonders die Ausarbeitung von Dr. Spannenberger  zur Gestaltung von Friedensabschlüssen hat mich beeindruckt. Unter anderen war Immanuel Kant der Vordenker. Die Partner die einen Friedensschluss verhandeln wollten, sollten sich auf Augenhöhe begegnen und keine der beteiligten Partner übermäßig schaden und in die Knie zwingen. Mit kurzen Worten: die Friedensabschlüsse sollten so gestaltet werden, dass sie nicht schon die Grundlage für den nächsten Krieg bildeten. Bis zum Krimkrieg 1855 wurden die Friedensabschlüsse so gestaltet. Leider dann nicht mehr.

 Was wäre wohl passiert wenn nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1860/61 nicht der deutsche Kaiser im Spiegelsaal von Versailles gekrönt wurden wäre und damit die Französische Nation so gedemütigt wurden wäre und die Deutschen auf die horrende Reparationszahlung von 5 Milliarden Goldfrancs verzichtet hätten? Vielleicht hätte es das „Diktat“ von Versailles nicht gegeben und damit wäre die wesentliche Grundlage für den 2.Weltkrieg nicht vorhanden gewesen?! Was wäre der Welt damit erspart geblieben!

Der Donnerstag bot die längste Fahrradetappe. In Meißen bildete sich eine Gruppe der jüngeren die etwas schneller fahren wollte. Ich durfte dabei sein.

Der Freitag war für mich sehr eindrucksvoll. Erst die Ausführungen durch den Kommandeur der Offiziersschule des Heeres und die anschließende Diskussion. (Meinen Grundwehrdienst leistete ich von 1975-1976 bei der Nationalen Volksarmee). Nie hätte ich mir so eine Lockerheit in Umgang mit solch brisanten Themen vorstellen können. Alle Achtung!

Dann die Friedenskirche. Der 30 jährige Krieg. Einige Fakten dazu waren mir bekannt. Der Vortrag von Herrn Andert enthielt eine Unmenge an detaillierten Fakten und Jahreszahlen. Mir ging es wie Frank Richter: die Wissensaufnahme ist leider nicht unbegrenzt möglich!

Nach der Führung durch die Friedenskirche und den Erläuterungen des Altpfarrers zum konkreten Ablauf der Verhandlungen bis zur Unterzeichnung des Waffenstillstandes von Kötschenbrodas ging es mit Polizeiesskorde die Meißner Landstraße entlang zum Elberadweg. Auf der Augustusbrücke empfing uns wieder die Polizei und geleitete uns sicher zum Fürstenzug der Wettiner. An der Frauenkirche empfingen uns der Erste Bürgermeister Detlef Sittel und Frauenkirchen-Pfarrer Sebastian Feydt. Vor laufender MDR-Kamera fanden beide kurze aber eindrucksvolle Worte zum tieferen Sinn vom Frieden und unserer Friedensfahrt.

Die Andacht und die anschließende Erläuterungen zur Kreuzkirche und deren Wiederaufbau waren bewegend und eindrucksvoll, denn der Wiederaufbau kommt schon einer Versöhnung der Gegner im 2. Weltkrieg gleich. Um diese Erkenntnis auf die derzeitige Situation,  die von einer immer größer werdenden Spaltung der Gesellschaft gekennzeichnet ist, zu übertragen kann das nur ehrlicher Dialog bedeuten.   

Als gute Ergänzung und Ausgleich für die geballte Wissensvermittlung tat die Bewegung auf dem Fahrrad gut. Rund 300 km für alle die die Tour komplett gefahren sind! Danke für die tolle Idee und die gute Umsetzung der Selben. Die 1. Friedensfahrt hat mir persönlich sehr gut gefallen. Es verlangt nach einer 2. Auflage bei der ich gerne in der Organisation mitarbeiten würde.

Eckart Kirsten, 64 Jahre, aus Leipzig nahm an der 1. Friedensfahrt teil. Er ist passionierter Radfahrer, geschichtsinteressiert und sorgt sich vor einer Spaltung der Gesellschaft. Kirsten absolvierte alle Etappen der Tour.