Voll der Osten. Leben in der DDR

Fotoausstellung von Harald Hauswald mit Texten von Stefan Wolle für Schulen und Begegnungsorte. Herausgegeben von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und OSTKREUZ Agentur der Fotografen.

Im Mittelpunkt steht der Mensch

In den achtziger Jahren zog Harald Hauswald durch Ost-Berlin und fotografierte, was ihm vor die Linse kam. Der gebürtige Radebeuler knipste, was andere Fotografen übersahen oder für uninteressant hielten: Kleine Szenen des Alltags, einsame und alte Menschen, verliebte junge Pärchen, Rocker, Hooligans und junge Leute, die sich in der Kirche für Frieden und Umweltschutz einsetzten.

„Im Mittelpunkt steht der Mensch“ lautete einer der Grundsätze des Sozialistischen Realismus. Harald Hauswald verwirklichte diesen Anspruch auf ganz eigene Weise. Dafür bekam er keinen staatlichen Kunstpreis, sondern Ärger mit den SED-Behörden und der Stasi. Natürlich fotografierte Harald Hauswald auch verfallene Fassaden, verkommene Eckkneipen und Schlangen vor Lebensmittelläden. Dennoch war seine Fotografie weniger subversiv als vielmehr eine Liebeserklärung an die Menschen in der DDR. Zwischen den Fotografierten und dem Fotografen entstand für einen kurzen Moment eine fast zärtliche Beziehung, die sich bis heute auf den Betrachter der Bilder überträgt.

Youtube Video: Voll der Osten. Leben in der DDR. Eine Fotoausstellung von Harald Hauswald, Texte von Stefan Wolle

Ausstellung für Schulen und öffentliche Orte

Der Historiker und Autor Stefan Wolle, der ebenfalls in der DDR groß geworden ist, hat zu den Bildern Texte geschrieben. Die Ausstellung präsentiert auf 20 DIN-A1-Plakaten über 100 bekannte und unbekannte Fotos von Hauswald. In Videos, die über Smartphones per QR-Code in der Ausstellung abgerufen werden können, berichtet der Fotograf wie einzelne Fotos entstanden sind:

Youtube Video: 01 Harald Hauswald zum Titelbild der Ausstellung

Die Ausstellung ist das ideale Medium, um in Schulen und an öffentlichen Orten – etwa in den Foyers von Rathäusern, in Volkshochschulen, Stadtbibliotheken oder Kirchen – dazu einzuladen, den Alltag in der DDR der achtziger Jahre kennen zu lernen. Herausgegeben von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und OSTKREUZ Agentur der Fotografen.

Harald Hauswald

1954 in Radebeul geboren.  Fotografenausbildung in Dresden. 1978 Umzug nach Ost-Berlin. Hauswalds Bilder prägen unser Bild der späten DDR und werden in zahlreichen Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt.

Stefan Wolle

1950 in Halle/Saale geboren  Lehre zum Buchhändler. Studium Geschichte und Germanistik. 1972 wegen kritischer politischer Äußerungen Bewährung »in der Produktion«. Nach 1989 Sachverständiger für die Stasi-Akten am Runden Tisch. Seit 2005 ist Wolle Leiter des DDR-Museums in Berlin.