Dilemma-Diskussion in Sachsen

Unser Staat soll die politische Heimat aller Bürger sein. Daher ist es der Landeszentrale ein besonderes Anliegen, den Menschen solche Bildungsgelegenheiten anzubieten, die dabei helfen, die Prinzipien der Demokratie selbstbestimmt zu verinnerlichen und auch in anspruchsvollen Situationen im eigenen Handeln zum Ausdruck zu bringen. Die dafür erforderlichen Bereitschaften und Fähigkeiten bilden sich dann, wenn Menschen so weit gestärkt werden, dass sie bereit sind, für ihre Sichtweisen wirklich Verantwortung zu übernehmen, und fähig sind, die Sichtweisen anderer zu respektieren, selbst wenn sie diese nicht gut heißen.

Moral lässt sich trainieren

Das Bildungsprojekt "Dilemma-Diskussionen in Sachsen" nutzt dafür die Methode der Dilemma-Diskussion als eine humane Bildungspraxis zur moralischen Verständigung. Sie bringt einen "Prozess wechselseitigen Verständlichmachens voneinander abweichender Einstellungen, Eigenschaften oder Gefühle" (Peter Remmers) in Gang. Bei dieser Diskussionsform findet ein besonders fruchtbarer Austausch von Gründen und unterschiedlichsten Argumenten über Fragen des moralisch Richtigen statt. Dabei wird immer wieder zu Perspektivenwechseln eingeladen.

Das Bildungsprojekt zielt nicht etwa ab auf die Herstellung von moralischer Übereinstimmung, sondern bietet interessierten Bürgern ein unmittelbares Demokratieerleben und konkrete Handlungsoptionen zum selbstbestimmten Einüben, Orientieren und Nachvollziehen. Gerade weil das wichtigste Amt in der Demokratie das Amt eines jedes mündigen, engagierten und verantwortlich handelnden Staatsbürgers ist. Als ausgesprochen gruppenorientierte Methode sollte eine Teilnehmerzahl von zehn Personen möglichst nicht unterschritten werden.

Was macht die Dilemma-Diskussion als Bildungsmaßnahme so wirksam?

  • Sie berücksichtigt moderne didaktische Prinzipien und wichtige Erkenntnisse der Lernforschung
  • Sie ermöglicht "risikoloses Probehandeln" mit realitätsnahen edukativen Dilemma-Geschichten
  • Sie bietet die eindrückliche Erfahrung eines gelingenden Gruppenprozesses mit vielfältigen Mitdenk- und Mitmachimpulsen
  • Sie sensibilisiert für ethisch-moralische Fragen und stärkt das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden
  • Sie hinterfragt eigene Denkmuster und gewohnheitsmäßige Handlungsstrategien
  • Sie trainiert den wertschätzenden Umgang mit Andersdenkenden und fremden Sichtweisen
  • Sie erweitert den Wahrnehmungshorizont durch überraschende Perspektivenwechsel
  • Sie stärkt die moralische Urteils- und Diskursfähigkeit der Teilnehmenden.

Welche Bildungsmaßnahmen werden angeboten?

  • Dilemma-Diskussion mit für die Gruppe ausgewählter Dilemma-Geschichte (ca. 90 Min.)
  • Dilemma-Diskussion mit anschließendem Austausch über die Methode und die Voraussetzungen ihrer Wirksamkeit (ca. 2 Std.)
  • Workshop/Weiterbildungsangebot mit Möglichkeit, eigene Dilemmaerlebnisse z.B. für den Unterricht aufzubereiten. (ca. 3 Std.)
  • Ergänzende Einzelmodule (halb- oder ganztägige Veranstaltung) z.B.:
    • Schreibwerkstatt für semireale DilemmaGeschichten,
    • Didaktische Prinzipien und Methodenvergleiche
    • Qualitätssicherung: Vorstellung eines Messinstruments zur selbstgesteuerten wissenschaftlichen Evaluation.

Wer führt das Projekt durch?

Das Projekt wird von der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung getragen und von den folgenden Experten in ihrem Auftrag durchgeführt: Sieglinde Eichert, Dr. Kay Hemmerling und Matthias Scharlipp.

Die Teilnahme ist im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel und personellen Ressourcen kostenfrei für öffentliche Bildungseinrichtungen.

Moral ist ein Muskel

Die Schule ist das wirkliche Leben für Schüler, Eltern und Lehrer. Über Moral zu theoretisieren, genügt nicht. Sie ist wie ein Muskel, der ausgebildet und trainiert werden muss. mehr

Moral ist lehrbar

Ein klassisches Dilemma

Odysseus passierte auf seiner Seereise die Meerenge zwischen Charybdis und Skylla. Charybdis, ein gefährlicher Wasserstrudel, sog dreimal am Tag das Meerwasser ein um es später auszuspeien. Skylla war ein gefräßiges Ungeheuer mit sechs Köpfen. Odysseus trug auch Verantwortung für seine Manschaft. Für welchen Weg sollte er sich entscheiden?

Bild: Johann Heinrich Füssli: "Odysseus zwischen Skylla und Charybdis", um 1794/96.